Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.04.2019


Innsbruck

Ruf nach ganzjähriger Notschlafstelle in Innsbruck

Unklar ist, wie es mit den seit heute geschlossenen Winterschlaf­stellen weiter­geht. Indes sind immer mehr Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen.

Die Innsbrucker SPÖ möchte das leerstehende Nebengebäude in der Richard-Berger-Straße als Notschlafstelle nutzen. Dazu müsste der bis zum April 2020 angeordnete Abbruch abgewandt werden.

© GrünzweigDie Innsbrucker SPÖ möchte das leerstehende Nebengebäude in der Richard-Berger-Straße als Notschlafstelle nutzen. Dazu müsste der bis zum April 2020 angeordnete Abbruch abgewandt werden.



Von Denise Daum

Innsbruck – Langsam macht sich der Frühling bemerkbar, untertags wärmt die Sonne schon etwas. In der Nacht zieht der Frost aber immer noch an, die Temperaturen sinken bis zur Nullgradgrenze. Die Winternotschlafstellen sperren ungeachtet dessen ihre Pforten aber trotzdem pünktlich. Die von den Tiroler Sozialen Diensten betriebene Schlafstelle am Innsbrucker Schusterbergweg ist seit Montag zu, jene in der Amraser Straße schließt heute Morgen – und zwar für immer. Das Gebäude soll im Herbst abgerissen werden.

Stefan Biebel vom Roten Kreuz, das die Notschlafstelle in der Amraser Straße betreibt, berichtet von einer 100-Prozent-Auslastung. „Wir haben seit der Öffnung Mitt­e November 3792 Nächtigungen verzeichnet.“ Dass die Einrichtung nun schließt, sei eine schwierige Situation. „Wir haben über die vergangenen Monate das Vertrauen der Klienten gewonnen und eine gewisse Struktur ins Leben gebracht. Diese Arbeit wird nun zunichtegemacht“, erklärt Biebel. Er sieht daher den Bedarf für eine ganzjährige Notschlafstelle, von der schon lange in Innsbruck geredet wird, dringend gegeben.

Stadträtin Elisabeth Mayr (SPÖ) drängt auf die Umsetzung des vom ehemaligen SPÖ-Sozialstadtrat Ernst Pechlaner ausgearbeiteten Konzepts: Demnach soll das vom Land Tirol als Nebengebäude für die Traglufthalle errichtete und nunmehr im Besitz der Stadt befindliche Gebäude in der Richard-Berger-Straße als ganzjährige Notschlafstelle verwendet werden. „Es wären nur geringe Adaptierungsarbeiten notwendig, um den Betrieb zu starten. Die bestehenden baurechtlichen Hindernisse müssen von der Politik gelöst werden“, erklärt Mayr und lenkt die Aufmerksamkeit auf ein weiteres Problem: die steigende Wohnungslosigkeit bei Frauen. „Ein großes Problem stellt die unsichtbare Wohnungslosigkeit dar. Davon sind viele Frauen, auch mit Kindern, betroffen. Sie kommen bei Verwandten oder Bekannten unter, ziehen sozusagen von Sofa zu Sofa“, weiß Mayr.

Der zuständige Vizebürgermeister Franz Gruber (ÖVP) verweist darauf, dass das Gebäude in der Richard-Berger-Straße aus baurechtlicher Sicht bis 15. April 2020 zu entfernen ist. „Da ist nach derzeitigem Stand der Dinge keine langfristige, nachhaltige Lösung möglich.“ Grundsätzlich sei aber auch aus seiner Sicht der Bedarf für eine ganzjährige Notschlafstelle gegeben. Gruber bestätigt die zunehmende Zahl wohnungsloser Frauen. „Um zielgerichtet zu helfen, müssen wir zuerst den tatsächlichen Bedarf evaluieren.“ Das passiere in Abstimmung mit dem Land Tirol.

Ähnliches sagt auch Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne). Das Problem habe man natürlich am Radar. Die kommenden Monate werden für eine umfangreiche Evaluierung genutzt. Ob die renovierungsbedürftige Einrichtung am Schusterbergweg im Herbst wieder aufgesperrt werden kann, sei nicht klar. „Das müssen wir uns anschauen, wir sind ja nur Mieter.“