Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.04.2019


Tirol

Der Geist der Innovation weht zu Ostern

Bischof Hermann Glettler lud 80 Laien nach Matrei ein. Es galt neue Projekte vorzustellen und sich zu vernetzen.

Zu Ostern feiern die Christen die Auferstehung als Neuanfang. Beim österlichen Innovationsforum bestärkten sich Laien bei der Umsetzung neuer Projekte.

© Thomas Boehm / TTZu Ostern feiern die Christen die Auferstehung als Neuanfang. Beim österlichen Innovationsforum bestärkten sich Laien bei der Umsetzung neuer Projekte.



Von Alexandra Plank

Matrei am Brenner – Martin Morandell ist einer jener 80 Laien, der sich von Palmsonntag bis Dienstag im Bildungshaus St. Michael in Matrei auf Einladung des Bischofs mit seiner Idee präsentiert hat. Seit Kurzem ist er als Einmannbetrieb mit der Firma „Smart In Life“ tätig (siehe rechts). Gegenüber der TT bringt er die Probleme, mit denen es Innovative in Tirol zu tun haben, auf den Punkt: Mit drei Sätzen werde versucht, Neues abzuschmettern. Diese lauten: 1. Das haben wir immer so gemacht, gefolgt von 2. Wo kämen wir denn da hin, und nicht zu unterschätzen die Nummer 3: Da könnte ja jeder kommen.

Eine Idee zu haben und diese umzusetzen, dazu gehört schon jede Menge Beharrlichkeit, weiß auch Therese Fiegl, die gerade im Bereich der Landwirtschaft viele Impulse gesetzt hat. Beim österlichen Innovationsforum der Diözes­e Innsbruck leitete sie einen Workshop als Mentorin. Gastgeber Bischof Hermann Glettler war begeistert, dass so viele Menschen aus den verschiedensten Bereichen seiner Einladung gefolgt sind. „Bei der Verleihung des Trigos-Preises habe ich gesehen, was an Innovation in Tirol vorhanden ist. Ich habe bei einer ersten Zusammenkunft 40 Persone­n zu mir eingeladen und bin jetzt begeistert, dass so viele zum gemeinsamen Nachdenken gekommen sind.“ Der Trigos ist die renommierteste österreichische Auszeichnung für ein verantwortungsvolles Wirtschaften.

Auch ein politisches Schwergewicht nahm sich knapp vor Ostern die Zeit, um am Forum teilzunehmen. Franz Fischler, der dem Internationalen Forum Alpbach als Präsident vorsteht und zahlreiche Ämter bis hin zum EU- Kommissar innehatte, wollte seine Erfahrungen weitergeben. Durchaus kritisch merkt er an, dass Österreich und die Europäische Union großen Aufholbedarf in Sachen Innovation haben. Dennoch entstehe in Österreich viel Positives. Wie er anhand von IST darlegt (siehe rechts).

Moderiert wurden die Tage von Georg Plank, mit dem Bischof Glettler schon in seiner früheren Wirkungsstätte in Graz-Seckau zusammengearbeitet hat. Plank betreibt eine Firma zur Pastoral­innovation. Die Werbetafel schmückt ein eingängiger Spruch: „Dem Heiligen Geist einen Landeplatz bereiten“.

Die Diözese wollte sich offen zeigen, daher waren Journalisten bei vielen Tagungsordnungspunkten zugelassen. Der Montagabend widmete sich allerdings einem Thema, das in unseren Breiten nicht so akzeptiert ist: dem Scheitern. Die Veranstaltung erfolgte daher unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zur Kultur des Scheiterns erklärt Franz Fischler: „Wenn jemand in Amerika mit einer Idee Schiffbruch erleidet, sagt man: Immerhin hat er es probiert. In Europa wird einem das ewig vorgehalten.“

Es sind viele kleine Projekte, die in diesen drei Tagen vorgestellt werden. Interessant ist auch ein Ansatz, der dafür sorgen soll, dass die Menschen nicht mehr allein im Auto zur Arbeit fahren. Mit dem Projekt „ummadum“ kann man Leute mitnehmen und so Punkte erwerben, die man in lokalen Geschäften einlösen kann.

Die Umwelt ist ein unerschöpfliches Reservoir für Innovation und so erzählte Dhara Meyer von der Energie Tirol von einigen Initiativen, die sich bewährt haben. So wurde in der Gemeinde Vomp ein Kleinkraftwerk errichtet. Dieses deckt nicht nur den Strombedarf des halben Gebäudes, sondern ist leiser als der Kühlschrank. Die prognostizierte Lärmbelästigung trat nicht ein.

Womit wir bei einem Satz wären, der vielen Innovationen vor- angeht: „Geht nicht“ gibt es nicht!

Beim Innovationsforum wurde viel diskutiert.
Beim Innovationsforum wurde viel diskutiert.
- Michael Kristen

Großes Engagement der Laien

Ehrenamtliche In der Diözese Innsbruck gibt es 25.000 ehren­amtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon 3000 Pfarrgemeinderäte, 1200 Erstkommunion-Begleiter, 1000 Firmbegleiterinnen, 700 MesnerInnen, 650 Jungschar-Gruppenleiterinnen, 1000 ehrenamtliche BibliothekarInnen sowie 570 WortgottesdienstleiterInnen.

Gläubige Aktuell leben in der Diözese mit 290 Pfarren und Seelsorgestellen rund 385.000 Katholiken. 2004 hat man sich für die Einrichtung von Seelsorgeräumen, in denen mehrere Pfarren zusammenarbeiten, entschieden. Von den geplanten 75 Seelsorgeräumen sind knapp 90 Prozent bereits errichtet.