Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.04.2019


Tirol

Tilg will Pflegeklinik in Natters, Betriebsrat protestiert vehement

Parallel zur Verlagerung der Lungenheilkunde nach Innsbruck soll aus Natters eine Pflegeklinik werden. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft sind dagegen.

Das LKH Natters.

© Thomas Boehm / TTDas LKH Natters.



Von Peter Nindler

Innsbruck, Natters – Mit 45 Maßnahmen möchte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) das Leistungs- und Versorgungsangebot der drei Landes- und sechs Bezirkskrankenhäuser besser aufeinander abstimmen. „Die medizinische Versorgungsqualität soll dadurch erhöht werden“, sagt Tilg. Und erstmals seit 2010 in Kitzbühel steht die Schließung eines Spitals bevor. Das Land will nämlich das auf Lungenheilkunde spezialisierte LKH Natters in die Klinik Innsbruck und das Krankenhaus Hall integrieren.

Medizinisch werde das als zielführend erachtet, zugleich gebe es für die Nachnutzung Bedarf an einer Pflegeklinik, argumentiert Tilg. Für die 250 Mitarbeiter hat er eine Arbeitsplatzgarantie verkündet. Die aktuell 164 Betten in Natters sollen künftig zentral für junge Pflegebedürftige – rund 70 sind derzeit tirolweit untergebracht – bereitgestellt werden, für pflegebedürftige Menschen mit Behinderung und für die Übergangs- bzw. Kurzzeitpflege. Und für die medizinische Nachsorge, etwa bei Lungenpatienten, könnte eine Rehabilitationseinrichtung angegliedert werden. Tilg: „Und das Land wird Träger der Pflegeklinik sein.“

In den Tirol Kliniken macht ein Zeitplan von 2022 die Runde, Tilg wäre schon mit einer Umsetzung bis 2025 zufrieden. Die Vertreter der Ärzte und Pflegekräfte hingegen halten von den Reformplänen nichts. Die Arbeitnehmervertretung von Natters hat bereits für eine Demo in Innsbruck gestimmt, der Betriebsratsvorsitzende der Tirol Kliniken, Gerhard Hödl, führte Montag Gespräche mit der Gewerkschaft.

Sollte Tilg nicht einlenken, läuft für Hödl alles auf einen öffentlichen Protest am 13. oder 14. Mai hinaus. „Wir verlangen, dass endlich Zahlen auf den Tisch gelegt werden, was die Verlagerung nach Innsbruck kostet“, fordert Hödl. Eine funktionierende Lungenheilkunde in Natters zu schließen und in dem räumlich ohnehin beengtem Raum an der Innsbrucker Klinik eine neue um zig Millionen aufzubauen, hält der Betriebsratschef für widersinnig. „In Innsbruck befinden wir uns in einer Zwangsjacke.“ Dass das medizinische Gutachten dafür positiv ausfällt, überrascht ihn nicht. Es komme ja von Ärzten, die eng mit dem Landeskrankenhaus Innsbruck in Verbindung stehen würden.

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Einen anderen Vorschlag macht Anti-Transit-Kämpfer Fritz Gurgiser: Er schlägt Natters als Standort für das „Kinder-Reha-Zentrum West“ für Tirol und Vorarlberg vor, weil das neue Areal in Wiesing dafür ebenfalls nicht geeignet sei. „Das Inntal ist wegen der hohen Belastungen ganz einfach nicht geeignet, mit der Kinder-Reha könnte man Natters auch aufwerten.“