Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.04.2019


Tirol

Kassenärzte: Zuckerl für junge Mediziner soll helfen

Die Zusammenarbeit mit Kollegen und geteilte Angestellte sollen junge Ärzte motivieren, Kassenarzt zu werden.

In Primärversorgungseinheiten sollen drei Allgemeinmediziner interdisziplinär arbeiten und die Patienten lückenloser behandeln.

© PantherMediaIn Primärversorgungseinheiten sollen drei Allgemeinmediziner interdisziplinär arbeiten und die Patienten lückenloser behandeln.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Die Bundesregierung ist stolz, auf die endlich abgesegneten Primärversorgungseinheiten, PVE. 75 davon sollen, wie berichtet, in ganz Österreich entstehen, sechs davon in Tirol. Die Bundesregierung will damit den Patienten längere Öffnungszeiten in Ordinationen ermöglichen, den Ärzten eine neue Form der Zusammenarbeit. Drei Allgemeinmediziner müssten sich zusammentun, eine Sprechstundenhilfe und einen Krankenpfleger anstellen und dann interdisziplinär mit Physio- oder Psychotherapeuten kooperieren. In Form eines Vereins, in einem Zentrum oder vernetzt, wo jeder Arzt in seiner Praxis sitzen bleibt.

Die Euphorie der Bundesregierung trägt der Obmann der Tiroler Gebietskrankenkasse, Werner Salzburger, nicht mit. „Das ist bestenfalls ein Mosaikstein, aber kein großer Wurf.“ Salzburger, selbst ÖVP-ler, ist seit der Fusion der Gebietskrankenkassen gar nicht gut auf Türkis-Blau zu sprechen. Der Präsident der Ärztekammer, Artur Wechselberger, glaubt nicht, dass bis 2021 sechs PVE in Tirol entstehen werden. Die derzeitigen Formen der Zusammenarbeit wie in Osttirol oder im Stubaital seien mit einer PVE nicht vergleichbar. „Die PVE sind aber ein Anfang, um jungen Ärzten die Arbeit im Team zu ermöglichen.“ Alleine in einer Praxis die Verantwortung zu übernehmen, schrecke viele junge Kollegen ab, meint Wechselberger. Selbst Kassenarzt.

Deren Zahl ist in Österreich seit den Nuller-Jahren ungefähr gleich geblieben und stagniert bei rund 7000. Die Zahl der Wahlärzte hat sich hingegen mehr als verdoppelt, von 4476 österreichweit auf 10.099. Immer mehr junge Ärzte entscheiden sich also dafür, keinen Vertrag mit einer der Kassen einzugehen, die einen fixen Honorarkatalog haben und Öffnungszeiten für die Ordinationen vorsehen. „Wir hoffen, dass wir junge Ärzte für Kassenstellen bekommen“, erklärt Wechselberger. Lücken im Versorgungssystem sieht der Direktor der Tiroler Gebietskrankenkasse, Arno Melitopulos, „vereinzelt bei den Fachärzten, bei Allgemeinmedizinern nicht“. Er glaubt, dass, wenn die erste PVE gegründet und etabliert ist, dann weitere Kassenärzte und PVE folgen werden.

Die Politik könne Ärzte zu nichts zwingen, sagt ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Er hält die geplanten PVE für begrüßenswert und hofft darauf, „dass genügend Ärzte für die Zusammenarbeit motiviert sind“. Der Teamcharakter stehe im Vordergrund.

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Den Patienten könnte das jedenfalls nützen.