Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.04.2019


Bezirk Kufstein

Stadt und NHT verteidigen Wohnprojekt in Wörgl

Den Vorwurf der Grünen, eine geplante Wohnanlage der Neuen Heimat Tirol in Wörgl sei nur durch einen „Widmungstrick“ möglich, weist BM Wechner zurück. NHT-Chef Gschwentner verspricht hohe Wohnqualität.

Architekt Jakob Haselsberger ist von der Wohnqualität im geplanten Objekt überzeugt.

© HrdinaArchitekt Jakob Haselsberger ist von der Wohnqualität im geplanten Objekt überzeugt.



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Eigentlich wollte man keine Pressekonferenz zum geplanten Wohnprojekt der Neuen Heimat Tirol (NHT) in der Wörgler Augasse geben. Aufgrund des politischen Wirbels sahen sich BM Hedi Wechner und der Geschäftsführer der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Hannes Gschwentner aber gestern „gezwungen, zu reagieren“. Wie berichtet, soll in der Augasse ab Herbst 2020 eine Anlage mit 40 Wohneinheiten entstehen – nur wenige Meter von den Gleisen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) entfernt. Dazu wurde der NHT ein Reigen an lärmmindernden Bauvorkehrungen aufgebrummt.

Für GR Richard Götz und GR Christine Mey (Wörgler Grüne) sei das „Wohnen trotz Bahnlärms“ aber generell nur aufgrund eines „Widmungstricks“ möglich (die TT berichtete). Per Gemeinderatsbeschluss wurde das Areal zum allgemeinen Mischgebiet deklariert. In einem solchen sind Lärmwerte am Tag bis zu 65 Dezibel erlaubt. Im Vergleich dazu: In einem normalen Wohngebiet liegt die Grenze bei 50 Dezibel. Laut einem Lärmschutzgutachten liegen die zu erwartenden Werte inklusive bautechnischer Maßnahmen im dritten Geschoß des Wohnbaus bei 51,4 Dezibel.

Diesen Vorwurf der grünen Fraktion, man hätte bei den Widmungen getrickst, um die Lärmgrenzen einhalten zu können, weist BM Wechner einmal mehr zurück. Das Areal sei bereits vor Jahren von Freiland in Allgemeines Mischgebiet geändert worden. Neue bauliche Vorschreibungen bezüglich des Lärmschutzes hätten die erneute Widmung im Februar notwendig gemacht. „Ein gutes Projekt sollte nicht schlechtgemacht werden, auch wenn man glaubt, damit politisch etwas gewinnen zu können“, betont Wechner.

Bei der besagten öffentlichen Gemeinderatssitzung im Februar hatte allerdings auch Stadtbauamtsleiter Johann Peter Egerbacher erklärt, man habe die Widmung aufgrund des Lärmgutachtens so entschieden, da die Anforderungen im Mischgebiet geringer als im Wohngebiet sind (nachzulesen im Sitzungsprotokoll).

Für GF Hannes Gschwenter ist die politische Debatt­e um das geplante Projekt „nicht nachvollziehbar“, sei man doch seit 80 Jahren „Vorreiter in puncto Innovation beim Wohnbau in Tirol“. Ursprünglich hätte eine Hochgarage auf der Nordseite die Geräuschkulisse des Schienenverkehrs abfangen sollen, diese wurde durch eine Tiefgarage ersetzt – dafür gibt es andere lärmmindernde Maßnahmen. So wird das Gebäude nordseitig begrünt und durch eine doppelte Fassade mit Laubengang abgeschirmt. Hier finden sich auch Lagerräume für die Bewohner, etwa für Fahrräder. „Der erforderliche Schallschutz hat somit zusätzliche Vorteile für die Bewohner gebracht“, erklärt Architekt Jakob Haselsberger (Moritz & Haselsberger Architekten). Jeder, der Zweifel an der Qualität bezüglich Lärmschutz hat, soll sich die Anlage in Kundl anschauen“, lädt Gwschentner ein, sich am Riedmannareal umzusehen, die NHT hat dort 56 Wohnungen zwölf Meter neben den Gleisen errichtet.