Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.04.2019


Landespolitik

Spannende Zeiten im kirchlichen Westen

Bischofsvikar Jakob Bürgler gilt als Kandidat für die Diözese Feldkirch, wenn der dortige Bischof Elbs nach Kärnten wechseln „muss“.

Der erfahrene Vorarlberger Bischof Benno Elbs könnte nach seiner Einsicht der Zustände in Kärnten dorthin wechseln.

© APADer erfahrene Vorarlberger Bischof Benno Elbs könnte nach seiner Einsicht der Zustände in Kärnten dorthin wechseln.



Innsbruck – Selbst als der heutige Linzer Bischof Manfred Scheuer Anfang 2016 von Innsbruck nach Oberösterreich berufen wurde, segelte die Diözese weiter in ruhigen Gefilden. Der damalige Administrator und vorherige Generalvikar Jakob Bürgler (52) führte die heimische Kirche und die Verwaltung mit großer Umsicht. Lediglich die lange Zeit der Vakanz hatte für Missmut gesorgt, mit der Ernennung von Bischof Hermann Glettler war dieser aber rasch wieder verflogen. In den nächsten Monaten stehen wieder Weichenstellungen an, von denen eine direkt die Diözese Innsbruck betrifft und eine möglicherweise indirekt.

Die Leiterin der Kommunikationsabteilung, Karin Bauer, wird heuer in Pension gehen. Sie ist seit 2002 für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Rund um ihre Nachfolge dürfte Bischof Hermann Glettler zum einen wohl den Außenauftritt der Diözese neu gestalten, aber auch die interne Kommunikation überarbeiten. Vor allem die Öffentlichkeitsarbeit aller diözesanen Einrichtungen soll besser aufeinander abgestimmt werden. Bischofssprecher Michael Gstaltmeyr wird hier immer wieder genannt.

Aber: Gstaltmeyr, der schon unter Manfred Scheuer das Sprachrohr des Bischofs war, bildet mit Hermann Glettler ebenfalls ein ausgezeichnetes Kommunikations-Gespann. Dazu kommt noch die menschliche Ebene. Zwischen Glettler und Gstaltmeyr stimmt die Chemie. Damit ist der Sprecher des Bischofs ein zentraler Eckpfeiler rund um die Nachfolge von Karin Bauer.

Jakob Bürgler wiederum ist seit Ende 2017 Bischofsvikar für missionarischen Pastoral. Der gebürtige Osttiroler gilt als eine der wichtigsten „Personalreserven“ in der heimischen Kirche. Nach dem Abgang von Bischof Alois Schwarz im Juli 2018 von der Diözese Gurk-Klagenfurt nach St. Pölten wurde Bürgler immer wieder als Kandidat für Kärnten genannt. Doch der Skandal um Schwarz ebendort – im Bericht der Visitatoren Erzbischof Franz Lackner (Salzburg) und Bischof Benno Elbs (Vorarlberg) wird von einem „Klima der Angst und des Misstrauens“ gesprochen – machten Kärnten zur Problemdiözese. Der Bericht liegt mittlerweile in Rom, die Aufarbeitung der Ära Schwarz ist von heftigen Auseinandersetzungen geprägt.

Unabhängig von personellen Konsequenzen dürfte Rom deshalb einen erfahrenen Geistlichen in Klagenfurt ernennen. Und hier dürfte die Wahl wohl auf Benno Elbs (59) gefallen sein. Sehr zum Leidwesen der Vorarlberger Katholiken. Denn Elbs ist über die Grenzen des Ländles hinaus geschätzt und anerkannt. Hier kommt der Name Jakob Bürgler ins Spiel. Er könnte in die kleinste Diözese Österreichs mit rund 250.000 Katholiken wechseln. Erfahrung würde er genug mitbringen, außerdem würde Rom so vielleicht den möglichen Unmut über Elbs Wechsel nach Kärnten besänftigen. Schließlich ist Jakob Bürgler ein beschriebenes Blatt – aber im positiven Sinn.

Inwieweit Bürglers unverhohlene Kritik an der zu langen Zeitspanne der Vakanz in Innsbruck etwaige höhere Weihen für ihn blockiere, bleibt abzuwarten. Rom ist hier unberechenbar. (pn)

Jakob Bürgler wäre für Feldkirch im Gespräch.
Jakob Bürgler wäre für Feldkirch im Gespräch.
- Rudy de Moor / TT