Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.04.2019


Bezirk Kufstein

SPÖ-Erzähl-Café: Von den Suffragetten bis heute

SPÖ startet mit monatlichen Erzähl-Cafés in den Bezirken zum Thema Frauenwahlrecht.

Beim Erzähl-Café wurde über politische Vorreiterinnen referiert: v. l. Anna Grafoner mit dem Porträt von Adele Obermayr, Beate Pargger mit Maria Ducia, Ingrid Tschugg und Beatrix Sloboda mit Adelheid Popp.

© SpielbichlerBeim Erzähl-Café wurde über politische Vorreiterinnen referiert: v. l. Anna Grafoner mit dem Porträt von Adele Obermayr, Beate Pargger mit Maria Ducia, Ingrid Tschugg und Beatrix Sloboda mit Adelheid Popp.



Von Veronika Spielbichler

Wörgl – 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich – unter diesem Motto stand das erste Erzähl-Café der SPÖ-Frauenorganisation im Wörgler Volkshaus. Neben der Erinnerung an die historischen Ereignisse und Vorkämpferinnen für Gleichberechtigung kamen auch aktuelle politische Themen zur Sprache.

Die beiden Landtagsabgeordneten Claudia Hagsteiner und Elisabeth Fleischanderl begrüßten zur neuen, vierteljährlichen Veranstaltungsreihe des Erzähl-Cafés, ausgerichtet von den SPÖ-Bezirksorganisationen Kufstein, Kitzbühel und Schwaz. Die St. Johanner Historikerin Ingrid Tschugg gab einen Überblick über die Anfänge der Frauenwahlrechtsbewegung, die in England ihren Ausgang nahm, und brachte dabei interessante Details. So hatten die Frauen in der österreich-ungarischen Monarchie im Rahmen des Zensus-Wahlrechtes als Besitzende ab 1848 ein Wahlrecht, das sie über männliche Vertreter ausüben konnten. Genommen wurde ihnen das mit der Einführung des allgemeinen Männerwahlrechtes 1907. In Österreich formierten sich die „Suffragetten“, was „Wahlrechtlerinnen“ bedeutet, ab dem Ende des 19. Jahrhunderts in Bildungs- und Sozial­vereinen, da ihnen die politische Tätigkeit verboten war. „Bei der ersten Wahl in der 1. Republik am 16. Februar 1919 gingen 82,1 % der Frauen und 86,9 % der Männer zur Wahl“, informierte Tschugg.

Nach dem Vortrag leitete NR Selma Yildirim zur Gegenwart über und bezeichnete die Aufhebung des „hart erkämpften“ 8-Stunden-Arbeitstages als Rückschritt um 100 Jahre. „Von 183 Parlamentsabgeordneten sind heute 68 Fraue­n, das sind 37 %“, kritisierte sie zudem. Bei der SPÖ liege der Frauenanteil bei 48 %. Für bedenklich hält Yildirim, dass nun das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in Frage gestellt wird.

„Die Frauen sind die Ersten, die unter der jetzigen rückständigen Politik leiden“, stellte Theresa Tschugg fest, die für die SPÖ bei der EU-Wahl (26. Mai) kandidiert. Dass Frauen beim Einkommen immer noch nicht gleichberechtigt sind, vermehrt von Gewalt betroffen und mehr als Männer armutsgefährdet sind, spornt sie an. „Lassen wir uns unsere Recht­e nicht nehmen“, motiviert sie Fraue­n, sich zu engagieren und wählen zu gehen.

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