Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.04.2019


Exklusiv

Tarifreform des VVT: Ärger nach Aus für Tagestickets

Mit der Tarifreform des Verkehrsverbundes Tirol (VVT) am 1. April kam das Aus für alle Tagestickets. Das sorgt bei manchen Fahrgästen für Ärger.

Die streckenbezogenen Wochentickets wurden durch die Netzkarten Region/Land ersetzt.

© Thomas Boehm / TTDie streckenbezogenen Wochentickets wurden durch die Netzkarten Region/Land ersetzt.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Der Ärger der Frau im Bus von Sistrans nach Innsbruck war hörbar groß. Sie wollte beim Fahrer eine Tageskarte kaufen, um zuerst einen Stopp in Innsbruck einzulegen, dann weiter zum Arzt in Hall, zurück nach Innsbruck, dort einen Einkauf tätigen und dann heim nach Sistrans. Doch der Fahrer musste den Fahrgast enttäuschen. Mit der Tarifreform des Verkehrsverbundes Tirol (VVT) am 1. April kam das Aus für alle Tagestickets. Statt des Tagestickets um 12,80 Euro musste die Frau jetzt vier Einzeltickets kaufen, was einen Gesamtpreis von 15,20 Euro ergibt.

Auch andere Strecken haben sich mit dem Wegfall des Tagestickets verteuert, wie Beispiele zeigen und Fahrgäste bei der Tiroler Tageszeitung beklagt haben: Die Tageskarte Rum–Innsbruck kostete früher 5,80 Euro, jetzt zahlt man für die zwei Einzeltickets beim Fahrer 6,20 Euro. Für die Strecke Wattens–Innsbruck gab es das Tagesticket um 9 Euro, die Einzelkarten kosten jetzt 10 Euro. Dass es keine streckenbezogenen Tagesticket­s mehr gibt, hat laut Stefanie Aigner von der Kommunikationsabteilung des VVT damit zu tun, „dass uns die Entrümpelung bzw. Entwirrung der Tarifstruktur ein großes Anliegen war. Das Ergebnis: Allein durch den Wegfall streckenbezogener Tagestickets wird unsere Tarifstruktur schlanker. Dadurch wird das VVT-Tarifsystem transparenter und nicht zuletzt einfacher durchschaubar. Und mit dem Einzelticket kann jetzt auch der Stadtverkehr gratis genützt werden, früher musste man ein IVB-Ticket dazukaufen.“ Verärgert zeigen sich viele Öffifahrer auch über die Teuerung der streckenbezogenen Wochentickets, die es in dieser Form nicht mehr gibt. Das Wochenticket Innsbruck–Brenner gab es vor dem 1. April um 29,30, jetzt muss man dafür 45 Euro (Steigerung von 53 %) bezahlen. Das Gleiche gilt exakt für die Strecke Innsbruck–Jenbach. Das Wochenticket Innsbruck–Hall kostete früher 15 Euro, jetzt 25 Euro (plus 67 %).

Von einer Erhöhung will der VVT nicht sprechen, „weil das Angebot nicht dasselbe ist. Es haben sich das System und die Produkte geändert. Wir haben uns dafür entschieden, das Konzept der Netzkarten ‚Region/Land‘ auf Wochentickets auszudehnen, streckenbezogene Wochentickets fallen damit weg. Für einzelne Fälle wird es auf den ersten Blick teurer, jedoch können die Personen mit ihrem VVT-Wochenticket Region oder Land sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel in der Region oder in ganz Tirol benützen“, erklärt Aigner.