Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.04.2019


Bezirk Kufstein

Deponie in Schwoich: Offene Fragen nach erster Verhandlung

Zehn Stunden reichten für die Verhandlung über die Schwoicher Deponie nicht aus. Spannend wird es noch beim Thema Wind und Wetter.

450 Interessierte waren zur mündlichen Verhandlung erschienen.

© Hrdina450 Interessierte waren zur mündlichen Verhandlung erschienen.



Von Jasmine Hrdina

Schwoich – Ein Tag war nicht genug, um alle Fragen rund um die geplante Baurestmassendeponie in Schwoich zu klären. So wird die mündliche Verhandlung in einigen Wochen in eine zweite Runde gehen – bereits am ersten Tag wurde über zehn Stunden lang diskutiert. Wie berichtet, waren an die 450 Interessierte erschienen, neben der Bürgerinitiative und der Gemeinde brachten auch Einzelpersonen ihre Stellungnahmen ein. Ein Teilerfolg zeichnete sich für die Projektgegner ab: Die Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH will nun davon absehen, Asbestbetonreste zu lagern – wohl aber künstliche Mineralfasern, was Anrainer weiterhin um ihre Gesundheit (Stichwort Lungenkrebs) bangen lässt. „Zwingende Voraussetzungen für eine entsprechende Deponie sind die strikte Vermeidung einer Gesundheitsgefährdung und die Vermeidung unzumutbarer Belästigungen“, betont man in der Umweltschutzabteilung des Landes.

Erst gegen 20 Uhr kamen am Mittwoch die ersten Sachverständigen zu Wort. Und die hatten mitunter große Bedenken gehabt haben sollen. So soll auch das zerstörte Biotop, das neben anderen Tieren und Pflanzen sechs geschützte Arten beheimatete, Thema gewesen sein. Vom 4500 Quadratmeter großen Teich ist, wie berichtet, nur noch ein 900 Quadratmeter großes Gewässer übrig. Der Gutachter soll jedenfalls die Errichtung eines Ersatzhabitats gefordert haben.

Dieser Forderung schloss sich scheinbar auch die Landesumweltanwaltschaft an und stellte außerdem Zweifel in den Raum, dass bei dem Deponie-Projekt das Allgemeininteresse über das Interesse der Gemeindebewohner gestellt werden kann.

Probleme gibt es offenbar auch bei der Hydrologie – auch wenn der Gutachter diese nicht bestätigte. Der TT liegen jedoch Aufzeichnungen eines Grundstückseigentümers vor, die zeigen, dass die bestehenden Ableitungen für das Sickerwasser nicht ausreichen. Immer wieder werden die Wiesen eines Anrainers trotz vorhandener Rohre überflutet.

Mit Spannung wird das Ergebnis des Immissionsgutachters erwartet – der Sachverständige war am Verhandlungstag gesundheitsbedingt ausgefallen. Der Wind sei in Schwoich stärker als der für das Gutachten in Kufstein gemessene Wert, klagen die Bewohner. Von einem eigenen Mikroklima im Dorf spricht auch BM Josef Dillersberger. Die Sorge, dass sich gefährlicher Feinstaub weit verbreitet und auch Landwirtschaft (Vieh und Obst) in Mitleidenschaft zieht, sei berechtigt. Bis es zur zweiten Verhandlungsrunde kommt – und infolge zu einer etwaigen Genehmigung –, werden noch Wochen vergehen.




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