Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.05.2019


Tirol

Standortgarantie für Natters: Politik erhöht Druck auf Tirol Kliniken

Der Rückzieher beim Landeskrankenhaus Natters birgt Sprengstoff: Die Landesregierung ist sauer auf die eigene Spitalsholding.

Das Krankenhaus Natters bleibt vorerst, hinter den Kulissen gibt es aber mächtig Stunk.

© Thomas Böhm/TTDas Krankenhaus Natters bleibt vorerst, hinter den Kulissen gibt es aber mächtig Stunk.



Innsbruck, Absam – Beim Mai-Empfang des ÖVP-Arbeitnehmerbundes gestern Vormittag in Absam ließ sich diesmal auch der Zentralbetriebsratsvorsitzende der Tiroler Spitalsholding Tirol Kliniken und AK-Vorstand Gerhard Hödl beglückwünschen. Schließlich stellte sich die Arbeiterkammer vehement gegen die Pläne, die bisherigen medizinischen Leistungen wie Lungenheilkunde und Innere Medizin aus dem Landeskrankenhaus Natters abzuziehen. 70 Betten sollten etwa an die Klinik Innsbruck verlegt und aus Natters eine Landespflegeklinik für junge Pflegebedürftige unter 65 Jahren, für betagte und pflegebedürftige Menschen mit Behinderung und die Übergangs- und Kurzzeitpflege werden. Um das zu verhindern, wurde bereits für 13. Mai ein Protestmarsch angemeldet.

Dazu wird es nicht mehr kommen, zuletzt überschlugen sich nämlich die Ereignisse. Nicht nur wegen 30.000 Unterschriften für den Erhalt. Dass es bis auf Weiteres eine Standortgarantie für das Landeskrankenhaus gibt, wird zugleich als Verdienst Hödls gesehen. Doch der Reihe nach.

Offensichtlich kam der Landesregierung ein wichtiger Systempartner bei der Spitalsreform abhanden: die Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK). Diese wollte die Schließung von Natters nicht mittragen und hat darüber Anfang der Woche das Land informiert. Man werde in der so genannten Landeszielsteue­rungskommission dagegenstimmen, hieß es. Damit war endgültig Feuer am Dach.

Gerhard Hödl ist froh über die Standortgarantie für Natters.
Gerhard Hödl ist froh über die Standortgarantie für Natters.
- Thomas Boehm / TT

Darüber hinaus war man mit den derzeitigen Konzepten der Tirol Kliniken und der Medizinischen Universität nicht zufrieden, was die Eingliederung der Lungenheilkunde an der Klinik Innsbruck betrifft. Es sollen nur vage finanzielle Schätzungen von einem zweistelligen Millionenbetrag vorliegen, was die Kosten betrifft. Außerdem dürften die räumlichen Fragen noch völlig ungeklärt sein, weil es bei den Spitalsbetten hakt. Dennoch hat es offenbar eine Zusicherung der Tirol Kliniken gegeben, dass eine Eingliederung der Lungenheilkunde von Natters bis 2022 möglich sei.

Aufgrund der vielen Unwägbarkeiten geriet Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) zunehmend unter Druck. Am Dienstag zog er die Reißleine und setzte eine Arbeitsgruppe ein. Wegen der „unprofessio­nellen Vorgangsweise“ an der Innsbrucker Klinik kracht es aber ordentlich im Gebälk. Die schwarz-grüne Landesregierung nimmt nämlich das Landeskrankenhaus bzw. die dortigen Kliniken ins Visier. Die Tirol Kliniken werden bei der Spitalsreform ab jetzt vorrangig in die Pflicht genommen, die Politik drängt auf die Reduktion von 115 Spitalsbetten. LH Günther Platter (VP) soll sauer auf die Geschäftsführung sein, gerät dadurch doch die Spitalsreform ins Stocken.

„Daran wird jedoch festgehalten, ich stehe zu 100 Prozent hinter Bernhard Tilg. Denn wir haben zu viele Betten“, unterstützt Platter aber auch den vorläufigen Rückzieher bei Natters. AK-Präsident Erwin Zangerl dankte Tilg, dass „nun gemeinsam nach einer Lösung gesucht wird. Wenn alle an einem Tisch sitzen, wird das sicher leichter sein.“ Für LR Beate Palfrader kann ein Schritt zurück die Basis für zwei Schritte nach vorne sein.

Der grüne Klubchef Gebi Mair erklärte gestern, dass trotz der aktuellen Situation das Ziel von zusätzlich benötigten Pflegebetten nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Und die Innsbrucker Klinikchefs erinnerte er daran, dass sie bei der Spitalsreform ebenfalls gefordert seien. (pn)