Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 05.05.2019


Exklusiv

Tschirgant-Tunnel wirft für Politik noch viele Fragen auf

Neben dem Fernpasstunnel birgt auch der Neustart für den Tschirgant-Tunnel Sprengstoff für die schwarz-grüne Koalition.

Beim geplanten Tschirgant-Tunnel ist noch wenig Licht am Ende des Tunnels.

© thomas boehmBeim geplanten Tschirgant-Tunnel ist noch wenig Licht am Ende des Tunnels.



Innsbruck – Die Tiroler Volkspartei forciert auf den Staustrecken am Mieminger Plateau, im Gurgltal und am Fernpass Tunnellösungen zur Verkehrsentlastung. Der grüne Koalitionspartner steht hingegen auf der Bremse, obwohl die Verfahren für den 1,4 Kilometer langen Fernpass­tunnel eigentlich schon starten könnten. Doch noch ist es ruhig um das 110-Millionen-Euro-Projekt. Ende März verkündeten dann Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) und Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) einen Neustart für den Tschirgant-Tunnel.

2011 waren die Planungen aus wirtschaftlichen Gründen gestoppt worden, jetzt wird das 4,3 Kilometer lange Vorhaben vom Inntal durch das Tschirgantmassiv nach Nassereith neu angeschoben. Doch vieles ist noch völlig unklar und unkonkret, wie eine Antwort Hofers auf eine Anfrage der Grünen im Bundesrat zeigt. Denn zuerst einmal wird die Autobahn- und Schnellstraßengesellschaft Asfinag eine Verkehrsuntersuchung ausschreiben. „Auf Grundlage der neuen Daten werden die Verkehrsentlastungen und Auswirkungen eines Tunnels durch das Tschirgantmassiv neu zu bewerten sein. Die eigentliche Trasse wird erst nach diesen aktuellen Erkenntnissen und unter Einbindung der Anrainergemeinden neu geplant“, betont der Verkehrsminister.

Auf Spekulationen oder voreilige Schlüsse hinsichtlich Kosten – bei der alten Variante war die Rede von rund 340 Millionen Euro – und Termine will sich der Minister gar nicht einlassen. „Aufgrund der gegenüber 2011 geänderten Rahmenbedingungen kann erst nach Vorliegen der Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung und darauf aufbauenden umwelt- und verkehrstech-nischen Untersuchungen eine konkrete Trassenführung geplant werden. Der Asfinag ist es daher unmöglich, zu Kosten und Terminen Aussagen zu treffen.“

Sollte der Tunnel realisiert werden, wird er eine Einschließlichkeitsstrecke der Inntalautobahn sein. Und wie sieht es mit dem 7,5-Tonnen-Limit für Lkw aus? Dazu Hofer: „Das Land Tirol plant, die 7,5-Tonnage-Beschränkung über den Fernpass ins Inntal als Teil der Fernpass-Strategie weiterhin zu erhalten. Für den Tschirgant-Tunnel selbst müssen erst die oben angeführte Verkehrsuntersuchung und die Planung vorliegen, um gemeinsam mit dem Land Tirol eine Entscheidung treffen zu können.“

Für den grünen Verkehrssprecher LA Michael Mingler sind die Aussagen Hofers eine Bestätigung dafür, dass alles noch sehr vage ist. Was ihn naturgemäß freut. „Die Umsetzung dieses fragwürdigen Projekts steht völlig in den Sternen. Es gibt noch nicht einmal Untersuchungen, ob der Tunnel verkehrstechnisch überhaupt sinnvoll ist, geschweige denn Ideen für Trassen oder einen ungefähren Zeitpunkt der Realisierung.“ Er erteilt dem Tunnel eine klare Absage.

Angesichts der drohenden Klimakatastrophe ist für ihn eine Änderung des Mobilitätsverhaltens von der Straße hin zur Schiene unausweichlich. „Wenn man berücksichtigt, dass deshalb in Zukunft eher weniger als mehr Autos fahren werden, ist die Sinnhaftigkeit dieser Investition mehr als fraglich.“ Wolle man die Pariser Klimaziele erreichen, liege die Zukunft europaweit ganz klar im Ausbau des Bahnverkehrs. (pn)

„Der Asfinag ist es daher derzeit unmöglich, zu Kosten und Terminen Aussagen zu treffen.“
Norbert Hofer FP
 (Verkehrsminister)
„Der Asfinag ist es daher derzeit unmöglich, zu Kosten und Terminen Aussagen zu treffen.“ Norbert Hofer FP
 (Verkehrsminister)
- APA