Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.05.2019


Bezirk Landeck

Stromleitung in Ried: Beschwerde eingelegt

Die Gemeinde Ried bekämpft den naturschutzrechtlichen Bescheid für die 110-kV-Leitung nach Fiss beim Landesverwaltungsgericht.

In Ried stößt eine geplante Freileitung auf Ablehnung.

© ReichleIn Ried stößt eine geplante Freileitung auf Ablehnung.



Von Matthias Reichle

Ried – Wann fließt der erst­e Strom? Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder kann dies­e Frag­e derzeit noch nicht beantworten. Vom geplanten Baubeginn nach Ostern musste sich die Tiwag-Tochter verabschieden. „Wir müssen abwarten, wie das Gericht entscheidet“, betonte er gestern.

Die Gemeinde Ried hat den Zeitplan des Netzbetreibers vorerst nämlich über den Haufen geworfen. Wie berichtet, sorgt dort eine geplante 110-kV-Leitung nach Fiss für gehörigen Wirbel. Mit dem Projekt – einer rund zwei Kilometer langen Freileitung vom Tal hinauf aufs Sonnenplateau sowie einem neuen Umspannwerk – soll die Stromversorgung der Region abgesichert werden. In Ried kritisierte man die Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Die Gemeind­e hat nun Beschwerde gegen einen naturschutzrechtlichen Bescheid erhoben – und das Projekt damit auf Eis gelegt.

Bürgermeister Elmar Handl­e verwies gestern auf die laufenden Verfahren und wollte keine weiteren Auskünfte geben. Die Umweltabteilung des Landes bestätigte den Eingang der Beschwerde – eine solche hat aufschiebende Wirkung, das bestätigt auch Christoph Purtscher, Präsident des Landesverwaltungsgerichts, das nun in dieser Sache zu entscheide­n hat.

„Wir werden nun nicht wie geplant Ende des Jahres in Betrieb gehen können“, betont Tinetz-Geschäftsführer Rieder. Alles Weitere hänge davon ab, wie schnell das Gericht entscheidet. „Das kann aber zwei bis drei Monate dauern.“

Wie Rieder betont, gehe es dabei um naturschutzrechtliche Gesichtspunkte. Das starkstromwegerechtliche Verfahren sei bereits rechtskräftig abgeschlossen – die Ausführung und der Trassenverlauf des Projekts somit fixiert.

Überrascht sei man von der Beschwerde nicht: „Es war damit zu rechnen, weil es einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss gibt. Wir haben gehofft, dass es nicht passiert“, so Rieder. Man habe dem Gemeinderat vor Ablauf der Beschwerdefrist ein Gespräch angeboten. Das sei allerdings nicht zustande gekommen.

Nach Ostern hatte die Tinetz noch im Rahmen eines Straßenprojekts die Baustromversorgung für das Projekt hergestellt. „Das war mit der Landesstraßenverwaltung abgemacht“, so Rieder. Nun harrt man aber einer Entscheidung.

Über das Verfahren hinaus ist die Gemeindeguts­agrargemeinschaft Ried außerdem betroffener Grundeigentümer, der seine Zustimmung geben muss. Die Einräumung von Zwangsrechten sei derzeit kein Thema. „Ziel ist es zu verhandeln, bis es eine Lösung gibt“, so Rieder.