Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.05.2019


Bezirk Kufstein

Deponie-Pläne in Schwoich: Bauern fürchten um ihre Existenzen

Die geplante Baurestmassendeponie in Schwoich führe zum Imageschaden und gefährde die Zukunft der

Landwirte, klagt die Ortsbauernschaft. LK-Präsident Hechenberger kündigt Druck auf Politik und Behörden an.

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger (l.) überzeugte sich mit einigen Bauern selbst vom Ausmaß der Deponie im ehemaligen Steinbruch.

© HrdinaLandwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger (l.) überzeugte sich mit einigen Bauern selbst vom Ausmaß der Deponie im ehemaligen Steinbruch.



Von Jasmine Hrdina

Schwoich – Speck, Milch, Honig und Obst, wer gerne direkt beim (Bio-)Bauern einkauft, hat in Schwoich die Qual der Wahl. Denn die Direktvermarktung ist für die Landwirte im Dorf ein gutes Standbein. Allerdings eines, an dem gerade jemand sägt. Die Deponie-Pläne könnten für einige existenzbedrohend sein, ortet die Ortsbauernschaft Handlungsbedarf.

Die Kunden werden abspringen, weil niemand Lebensmittel haben will, die neben einer Baurestmassendeponie mit gesundheitsschädigenden Stoffen produziert werden, so die Befürchtung. Selbst wenn die Lagerung der Stoffe, wie vom Betreiber Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH behauptet, keine nachweislichen Auswirkungen haben sollte, so sei es dennoch ein großer Imageschaden, meint Ortsbauernobmann Martin Gschwentner. In der Umgebung gibt es zahlreiche Produzenten von Fleisch, Milch, Obst und Honig – teilweise sogar biozertifiziert. Das Gütesiegel vertrage sich aber schwer mit einer angrenzenden „Giftdeponie“ – wie sie Projektgegner provokant bezeichnen.

Die Agronomen luden deswegen gestern Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger zum Lokalaugenschein. Und dieser teilt die Sorgen der Kammermitglieder. Auch großen Milchverarbeitungsbetrieben und Supermarktketten, die derzeit Produkte aus der Region einkaufen, könnte das Thema zu heiß, die Verträge daher nicht verlängert werden. „Weil ein Großkonzern seinen Gewinn maximieren will, muss die seit Jahrhunderten gepflegte Landwirtschaft in Schwoich darunter leiden – das kann es nicht sein“, bringt es Hechenberger auf den Punkt.

Ortsbauernobmann Martin Gschwentner (l.) und Ortsbäuerin Katharina Feichtner brachten zur Veranschaulichung eine Auswahl an Lebensmitteln, die rund um das Deponie-Gelände produziert werden.
Ortsbauernobmann Martin Gschwentner (l.) und Ortsbäuerin Katharina Feichtner brachten zur Veranschaulichung eine Auswahl an Lebensmitteln, die rund um das Deponie-Gelände produziert werden.
- Hrdina

Er wolle nun „Druck auf die politischen Entscheidungsträger und die Behörden ausüben, damit die Risiken auch Einfluss auf die Verfahrensentscheidung haben“. Für ihn sei es ein Kampf gleich „David gegen Goliath“. Als großes Unternehmen mit Erfahrung in derartigen Streitfällen sei die Rohrdorfer-Gruppe sehr gut aufgestellt, sieht Landwirt Josef Schwaighofer die Dorfgemeinde am kürzeren Hebel sitzen.

Darüber hinaus sei man skeptisch, ob die beim ersten Teil der mündlichen Verhandlung gegebenen Versprechen auch halten werden. Die Angst, die Betreiber könnten in einigen Jahren doch noch einen Antrag auf Asbestlagerung einreichen – wie berichtet sieht das Unternehmen mittlerweile davon ab –, ist jedenfalls groß. Immerhin umfasst das gesamte Areal 40 Hektar – die geplante Deponie erstreckt sich nur auf ein Zehntel davon, 20 Jahre Laufzeit sind beantragt. „Und die Kosten für die Nachsorge der Anlage bleiben dann bei der Gemeinde picken – so wie es am Riederberg in Wörgl passiert ist“, kritisiert Landwirt Markus Schellhorn.

Die Dorfbewohner sind weiter beunruhigt, viele Fragen offen. Antworten könnte es am Mittwoch, 15. Mai um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Schwoich geben. Beim TT-Forum diskutieren BM Josef Dillersberger, Armin Hofreiter (Bürgerinitiative), Herwig Glössl (GF Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH) und Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer mit TT-CR Mario Zenhäusern darüber, wie viel Deponie die Schwoicher Dorfidylle verträgt.

- Hrdina