Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.05.2019


Bezirk Kufstein

Brennerzulaufstrecke: Ohne den „Deckel“ kein grünes Licht

Die ÖBB präsentieren die UVP-Pläne für den zweiten Abschnitt der Brennerzulaufstrecke. Langkampfen befürchtet Lärm.

Vor einem Jahr stieß die Präsentation der Pläne für die Bahnneubaustrecke in Langkampfen auf großes Interesse.

© OtterVor einem Jahr stieß die Präsentation der Pläne für die Bahnneubaustrecke in Langkampfen auf großes Interesse.



Von Wolfgang Otter

Langkampfen – Ab Montag legen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) die Pläne für den Weiterbau der Bahnzulaufstrecke zum Brenner von Kundl bis Langkamp­fen-Schaftenau vor. An drei Abenden informieren die Planer in Langkampfen (13. Mai), Angath (Dienstag, 14. Mai) und Kundl (Mittwoch, 15. Mai). Dabei handelt es sich um jene Pläne, die im Sommer zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht werden.

Als Erstes kommen also die Planer in den Gemeindesaal in Langkampfen (17 bis 20 Uhr). Damit wagen sie sich gewissermaßen in „das Auge des Sturms“. Denn aus der Industriegemeinde kommen die schärfsten Gegner der derzeitigen Trassenpläne.

Kundl und Angath haben bereits bekommen, was sie wollten: eine unterirdische Lösung. In Langkampfen hingegen sei aber auf einer längeren Strecke „noch kein Deckel drauf“, sprach Bürgermeister Andreas Ehrenstrasser bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend das Problem an.

Die Züge sollen künftig bei Kundl in einem Tunnel verschwinden und bei Niederbreitenbach, also auf Langkampfner Gemeindegebiet, wieder ans Tageslicht kommen. Und dann ein langes Stück ohne einen solchen „Deckel“ unterwegs sein. Und wegen dieser offenen Streckenführung befürchtet man eine große Lärmbelastung für den Ort. Im Endausbau sollen immerhin an die 400 Züge täglich über die Gleise donnern – Tag und Nacht.

In die laute Kritik stimmen auch die Bauern ein. Sie sehen wertvolle Flächen „zerschnitten“ und verloren. Auch die Landwirtschaftskammer hat sich eingeschaltet „und sich für die Interessen der Grundeigentümer eingesetzt und diese fachlich unterstützt“, wie Präsident Josef Hechenberger sagt. „Gerade im Hinblick auf die nächsten Generationen muss nicht nur auf die Kosten geschaut, sondern auch die Verträglichkeit geprüft und dementsprechend die beste Lösung umgesetzt werden“, meint er dazu.

Die Langkampfner wollen jetzt zur bestehenden Bürgerinitiative „Kampf dem Lärm“ eine zweite gründen, wie Vizebürgermeister Georg Juffinger anregte, und sich mit Rechtsbeistand und Gutachter für die UVP rüsten. „Aber es wird um Kompromisslösungen gehen“, dämpfte Bürgermeister Ehrenstrasser zu große Erwartungen in die Verhandlungen.

Bei den ÖBB verweist man darauf, dass „die Bahnanlage in Lage und Höhe optimiert“ und die Tunneleinbindung auf Höhe des Siedlungsgebietes in Unterlangkampfen verlängert wurde.