Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.05.2019


Bezirk Kufstein

Deponie in Schwoich: Dorf revoltiert gegen Bau-Abfälle

Der Asbestbereich in der geplanten Baurestmassendeponie in Schwoich ist vom Tisch, doch noch haben sich die Wogen in der knapp 2300-Einwohner-Gemeinde nicht geglättet. Ein TT-Forum widmet sich morgen (19.30 Uhr) der Schwoicher Baurestmassendeponie.



Ein Teil des alten Mergelsteinbruchs soll für eine Laufzeit von 20 Jahren als Baurestmassendeponie fungieren.

© ZOOM.TIROLEin Teil des alten Mergelsteinbruchs soll für eine Laufzeit von 20 Jahren als Baurestmassendeponie fungieren.



Schwoich – Der Asbestbereich in der geplanten Baurestmassendeponie in Schwoich ist vom Tisch, doch noch haben sich die Wogen in der knapp 2300-Einwohner-Gemeinde nicht geglättet. Immerhin finden sich unter den pro Jahr bis zu 58.000 Tonnen angelieferten Abfalls auch bedenkliche Stoffe (Mineralfasern, Schlacke, ölhaltige Böden etc.), die Anwohner fürchten um ihre Gesundheit. Indes versucht man bei den Deponie-erfahrenen Betreibern, der Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH, zu beruhigen. Man werde sich an die Auflagen halten, für die Dorfbewohner bestehe keine Gefahr.

Ihr Urteil darüber fällen und dem Projekt damit den Weg ebnen werden letztlich die Gutachter des Landes. Bis zum Entscheidungstag dürfte es aber noch dauern: Wie berichtet, hatten am ersten Verhandlungstag im bis auf den letzten Platz gefüllten Mehrzwecksaal der Gemeinde Hunderte Schwoicher die Chance genutzt, den Behörden ihre Bedenken in Form einer Stellungnahme mitzuteilen. Diese werden derzeit beim Land auf Anspruch und Inhalt überprüft.

Spannend dürfte am zweiten Verhandlungstag jedenfalls das Gutachten des Experten für Emissionen werden. Schwoich habe ein eigenes Mikroklima, versicherte Bürgermeister Josef Dillersberger, der Wind drehe sich mehrmals am Tag und sei teilweise sehr stark. Bedenken gebe es demnach, dass sich gesundheitsschädigender Feinstaub von der Deponie aus über das gesamte Dorf verteilen könnte. Und damit auch auf die Wiesen und Felder, auf denen mitunter sogar Bio-Lebensmittel produziert werden.

Dass jeder von uns den Bedarf an Bodenaushubdeponien mitverursacht und wir darauf angewiesen sind, darüber herrscht breiter Konsens unter den Anwohnern. Auch verkehrstechnisch wäre die Anlage gut gelegen, die Anlieferung würde über das SPZ-Zementwerk erfolgen. Doch scheint man sich im Dorf an das Florianiprinzip („Heiliger St. Florian, verschone mein Haus, zünd’ andere an“) zu klammern.

Wie viel Deponie verträgt also die Schwoicher Dorfidylle? Darüber diskutiert TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern morgen Mittwoch mit Bürgermeister Josef Dillersberger, Herwig Glössl (GF Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH), Armi­n Hofreiter (Bürgerini­tiative) und Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer beim TT-Forum. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle (Volksschule) in Schwoic­h. (jazz)




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