Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 15.05.2019


Bezirk Kufstein

ÖBB-Pläne in Langkampfen: „Ein Tunnel muss doch möglich sein“

Vorgestern wurden in Langkampfen die aktuellen Pläne für die neuen Bahntrassen präsentiert. Bei den ÖBB spricht man von Verbesserung.

Projektmitarbeiter der ÖBB erklärten die Pläne und standen für die Fragen der Besucher bereit.

© HrdinaProjektmitarbeiter der ÖBB erklärten die Pläne und standen für die Fragen der Besucher bereit.



Von Jasmine Hrdina

Langkampfen – Das Interesse der Bevölkerung war offensichtlich groß: Kaum öffnete am Montagabend die Ausstellung der ÖBB über die neuen Pläne der Nordzulaufstrecke zum Brennerbasistunnel (heute noch von 17 bis 20 Uhr im Gemeindesaal Kundl), füllte sich der Langkampfener Gemeindesaal innerhalb weniger Minuten. Drei Stunden lang standen Projektmitarbeiter der Bahn bereit, um die Fragen der Besucherscharen zu beantworten – und diese waren mitunter erwartungsgemäß emotional. „Ein Tunnel muss her“, blieben viele fest auf ihrem Standpunkt. „Das muss doch möglich sein bei so einem Großprojekt, wo die Züge durch ganz Europa pfeifen sollen“, ärgerte sich eine Langkampfenerin.

Man habe mit den aktuellen Plänen bereits große Verbesserungen für die Bevölkerung erzielt, erklärte ÖBB-Projektleiter Arnold Fink. So wurde u. a. die Verknüpfungsstelle Langkampfen um etwas mehr als zwei Meter tiefergelegt, der Tunnel im Siedlungsgebiet auf rund einen Kilometer verlängert.

Umweltschutz, Kosten, technische Rahmenbedingungen – diese drei Punkte gelte es bei der Planung im Gleichgewicht zu halten. Die Kosten für einen Tunnel würden „in keinem Verhältnis zu dem stehen, was ich damit schützen kann“, meint Fink mit dem Verweis, dass es sich schließlich um einen „namhaften Betrag“ an Steuergeld aller Österreicher handle, mit dem man „woanders mehr Nutzen für die Allgemeinheit“ erzielen könnte. Mit den derzeitigen Plänen sei man zufrieden, immerhin bleibe man mit maximal 45 bis 50 Dezibel fünf Einheiten unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Lärmwert. Für die Sorgen der Anrainer habe er aber Verständnis, betont Fink.

Das gesamte Schienenprojekt in Frage stellte Transitforum-Chef Fritz Gurgiser, der sich ebenfalls unter die Besucher mischte. „Hier wird nur Steuergeld verlagert, aber kein einziger Lkw von der Straße auf die Schiene.“ Der Straßenverkehr ist für manchen Langkampfener ohnedies das größere Problem. „2000 Leute fahren täglich ins Gewerbegebiet zur Arbeit“, meint der ehemalige Gemeinderat und Anrainer in Schaftenau Georg Hetzenauer. „Die Züge sind leiser als der normale Verkehr“, pflichtet ihm sein Nachbar Marcus Bichler bei. Eine andere Schaftenauerin sah es relativ: „Die in Kufstein wird es noch ärger treffen.“ Aktuell sprechen die ÖBB hier von einer Wannenlösung.