Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.05.2019


Bezirk Kufstein

TT-Forum zu Deponie in Schwoich: Der Widerstand wird nicht erlöschen

An die 400 Besucher diskutierten am Mittwochabend beim TT-Forum in Schwoich über die geplante Deponie.

Das TT-Forum in Schwoich stieß auf reges Interesse.

© MaderDas TT-Forum in Schwoich stieß auf reges Interesse.



Von Jasmine Hrdina

Schwoich – Auch nach zehn Stunden behördlicher Verhandlung waren noch viele Fragen zur geplanten Baurestmassendeponie in Schwoich offen gewesen – so viel stand am Mittwochabend fest. An die 400 Interessierte folgten der Einladung zum TT-Forum in den Mehrzwecksaal der Gemeinde, um sich gemeinsam mit TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern unter dem Titel „Wie viel Deponie verträgt die Schwoicher Dorfidylle?“ auf die Suche nach Antworten zu begeben. Zweieinhalb Stunden lang standen BM Josef Dillersberger, GF der Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH Herwig Glössl, Bürgerinitiativen-Sprecher Armin Hofreiter und Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer den Gästen Rede und Antwort – manch einem Redner fiel es schwer, seine Emotionen im Zaum zu halten.

„Es geht nicht nur um unsere Gesundheit, sondern auch um die unserer Kinder und Enkelkinder“, appellierte ein Besucher, die Tragweite des Projekts, bei dem 20 Jahre lang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen wie als krebserregend eingestufter Mineralfaserwolle, verunreinigten Böden und Schlacke gearbeitet wird, ernst zu nehmen. Man akzeptiere Lieferungen nur nach ausgiebiger Kontrolle und in Siloballen foliert, sprach der Chef der Betreiberfirma Herwig Glössl einmal mehr von Sicherheit. „Wir bauen hier nichts Illegales, es gibt ein enges Korsett an gesetzlichen Vorgaben.“

Der Mehrzwecksaal war mit knapp 400 Interessierten prall gefüllt.
Der Mehrzwecksaal war mit knapp 400 Interessierten prall gefüllt.
- Mader

Können die Sachverständigen gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung nicht ausschließen, werde es ohnehin keine Deponie geben, betonte BH Christoph Platzgummer. „Sollte eine Bewilligung erteilt werden müssen, habt ihr jedenfalls erreicht, dass es die sicherste Deponie ist, die wir je hatten.“ Auch wenn letztlich die Behörde über eine Genehmigung entscheide, so habe das Engagement der Bürger bereits Erfolge erzielt. „Argumente wurden eingebracht, die ansonsten nicht bedacht worden wären“, verkündete Platzgummer, dass nun zusätzlich ein Meteorologe zu Rate gezogen werde, um die Windsituation in Schwoich neu zu bewerten.

Auch eine aktuell fehlende Messung der Emissionswerte war den Schwoichern ein Dorn im Auge. Die Eibergstraße sei regelmäßig überlastet – die Anwohner litten auch ohne neuen Deponie-Betrieb unter Feinstaub und Abgasen, lautete der Vorwurf aus dem Publikum. Platzgummer versprach, sich beim Land für eine (temporäre) Messstation an der Eibergstraße zur besseren Beurteilung der Situation einzusetzen.

„Mehr als 30 Jahre lang habt ihr mit dem Steinbruch Gewinn gemacht, mit dem Ergebnis, dass statt einer Renaturierung nun eine Giftmülldeponie kommt – wie soll man da noch Vertrauen in die Zementindustrie haben?“, hieß es aus den Rängen in Richtung Unternehmensvertreter Glössl. Ein Landwirt sah das etwas differenzierter. „Täglich werden zwölf Hektar an landwirtschaftlichen Flächen verbaut – da tut mir das Herz weh!“, begrüßte der Schwoicher die Idee, den industriell genutzten Standort als Deponie weiter zu nutzen, anstatt dafür anderswo Grünflächen zu opfern.

Armin Hofreiter (Bürgerinitiative), BM Josef Dillersberger, TT-CR Mario Zenhäusern (Moderator).
Armin Hofreiter (Bürgerinitiative), BM Josef Dillersberger, TT-CR Mario Zenhäusern (Moderator).
- Mader

Warum kann das Baurestmassenprojekt nicht wenigstens an einer tieferen Stelle des Steinbruchs entstehen – weiter weg von den Siedlungen, näher dran an der Bundesstraße, brannte einem Dorfbewohner die Frage unter den Nägeln. Dort werde der Steinbruch aktuell noch betrieben, erklärte Glössl – und erntete dafür Buhrufe. Ein aufgebrachter Herr ätzte: „Die Profitgier steht also wieder einmal vor der Gesundheit der Anrainer!“

Kritik hagelte es, weil der von der Rohrdorfer-Gruppe bei der Verhandlung zugesagte Vertrag zum Verzicht auf die Asbest-Lagerung noch nicht zustande gekommen ist. Glössl hätte dazu ein Verhandlungspartner gefehlt, der einer Deponie grundsätzlich zustimme. Dillersberger kündigte an, in Zukunft verstärkt die Interessen der Bürgerinitiative zu vertreten – die Fronten schienen sich zu verhärten. Nach mehreren Wortwechseln signalisierte der Unternehmer dann aber Kompromissbereitschaft und sprach eine Einladung an Dillersberger und Bürgerinitiative aus, sich noch einmal für Verhandlungen zusammenzusetzen. Weitere Gefahrenstoffe von der Liste streichen wolle er allerdings nicht.

Verfahren dieser Art seien bisher zu leicht durchgegangen – man sei bereit, die erste Gemeinde zu werden, die „eine Deponie in diesem Ausmaß verhindert“, rief Hofreiter zu weiterem Widerstand auf. „Sollte die Deponie kommen, werden Rohrdorfer und die Politik noch lange mit uns zu tun haben“, versprach der Bürgerinitiativen-Sprecher. Auch Glössl zeigte sich in seinem Schlusswort kampfbereit: „Wir werden uns an die Auflagen halten, das Projekt aber weiter verfolgen.“

Herwig Glössl (GF Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH) und Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer.
Herwig Glössl (GF Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH) und Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer.
- Mader