Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.05.2019


Kufstein

Verkehrsknotenpunkt Wörgl soll ruhigen Stadtkern erhalten

Die Stadtregierung präsentiert ihre Vision von der Auflösung der B171 im Bereich Kirche. Voraussetzung dafür ist die Fertigstellung der Nordtangente.

Noch ist die Bundesstraße bei der Kirche die Hauptverkehrsader – in einigen Jahren könnte dort ein neues Stadtzentrum entstehen.

© HrdinaNoch ist die Bundesstraße bei der Kirche die Hauptverkehrsader – in einigen Jahren könnte dort ein neues Stadtzentrum entstehen.



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Zufrieden mit dem Erbrachten und optimistisch im Hinblick auf das noch Kommende zeigt sich Wörgls Stadtregierung zur Halbzeitbilanz. Die Zusammenarbeit der Liste Hedi Wechner mit der Freiheitlichen Wörgler Liste funktioniere „hervorragend und wird es auch weiterhin“ – zeigt sich BM Hedi Wechner von der aktuellen Krise der Bundes-FPÖ in puncto Arbeitsübereinkommen mit den Freiheitlichen auf kommunaler Ebene unbeeindruckt. Das finanzielle Korsett, in das die Stadtführung die Gemeinde geschnürt hat, habe laut Stadtchefin Wirkung gezeigt. „Wir haben bei Sachen gespart, die niemandem wehtun, und konnten so wichtige Projekte realisieren“, resümiert Wechner. Feuerwehrhaus und Musikschule, Ausbau des Seniorenheims mit Tagesbetreuung und die Wiedereinführung der Wirtschaftsförderung fallen u. a. darunter.

Auf den Lorbeeren ausruhen kann sich Wörgls Politik aber nicht: Die Stadt wächst jährlich um 200 bis 250 Personen. Dass soziale und technische Infrastrukturen immer wieder an ihre Grenzen stoßen, ist der Preis für die offensichtliche Popularität der Energiemetropole. Schulen und Kindergarten müssen dringend ausgebaut, Straßen saniert werden, auch der Hochwasserschutz beschäftigt die Gemeinde weiter.

Und dann wäre da noch das Thema Nordtangente, an dem aktuell so einiges hängt. Diese Umfahrung ist nicht nur der Schlüssel zu einem neuen Verkehrskonzept (Stichwort Entlastung), sondern auch für ein neues, verkehrsberuhigtes Stadtzentrum. „Wörgl hatte nie einen Stadtkern“, meint Wechner. Das solle sich in den kommenden 10 bis 15 Jahren mithilfe eines privaten Investors, der bereits mehrere Grundstücke rund um die Kirche (Bereich Innsbrucker Straße, obere Bahnhofstraße) erworben hat, ändern. Wie der neue Gemeindekern zwischen Kirche und Stadtamt aussehen könnte, darüber wollte sich die Stadtführung nicht äußern, auch der Investor hüllt sich in Schweigen. Fest steht, dass die Bundesstraße B171 (Salzburger bzw. Innsbrucker Straße) dazu teilweise wegfallen, also zur verkehrsfreien Zone werden soll. Damit dies überhaupt genehmigungsfähig sein kann, braucht es die Nordtangente als Umfahrung. 25.000 Pkw passieren täglich die Kirche, diese Zahl könne sich mit der Tangente laut Verkehrsreferent Emil Dander um 20 Prozent verringern. Nach „positiven Signalen“ vom Land rechne man mit der Fertigstellung in zwei bis drei Jahren, zeigt sich Wechner mit einem an Hermann Hesse angelehnten Zitat zuversichtlich: „Nur wer das Unmögliche anstrebt, kann das Mögliche realisieren.“ Die Kosten für die Fertigstellung werden aktuell auf 14 bis 15 Mio. Euro geschätzt.

Für diese Vision müsse man das Öffi-Angebot stärken – derzeit verhandle die Stadt mit dem Verkehrsverbund Tirol VVT über eine Übernahme des City-Busses. „Nicht alle Preise werden so zu halten sein, wie wir sie jetzt haben“, schließt die Bürgermeisterin auf Nachfrage der TT eine damit einhergehende Verteuerung der Ticketpreise (derzeit Einzelfahrt 2 Euro, Monatskarte 5 Euro, Jahreskarte 50 Euro) nicht aus.