Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 24.05.2019


Exklusiv

Am Abgrund: Matrei benötigt 800.000 Euro

Die Finanzsituation in Matrei in Osttirol wird immer prekärer. Rund 4,1 Mio. Euro an offenen Rechnungen und Außenständen lassen den Handlungsspielraum gegen null schrumpfen.

Ernste Miene: Andreas Köll braucht Hilfe vom Land, mit einem Anruf ist es aber nicht mehr getan.

© Thomas Boehm / TTErnste Miene: Andreas Köll braucht Hilfe vom Land, mit einem Anruf ist es aber nicht mehr getan.



Von Peter Nindler

Innsbruck, Matrei i.O. – Und wieder einmal ist Feuer am Dach. Wie fast jedes Jahr im Mai. Denn zu lange hat die Osttiroler Marktgemeinde Matrei unter ÖVP-Bürgermeister Andreas Köll über ihre Verhältnisse gelebt. Zugleich war die Finanzsituation jahrelang unklar und schwammig, seit dem Vorjahr steht Köll faktisch unter Kuratel des Landes. Nur durch außerordentliche Zuschüsse aus dem Gemeindeausgleichsfonds kommt Matrei finanziell über die Runden, doch die sind bereits wieder aufgebraucht.

Im Land schrillen seit Wochen allerdings wieder die Alarmglocken, die jüngsten Budgetdaten aus Matrei verheißen nichts Gutes. Nach wie vor betragen die offenen Rechnungen und Außenstände rund 4,1 Millionen Euro, allein dem Land soll Andreas Köll mehr als eine Million Euro an Sozialbeiträgen schulden. Nicht besser geht es dem Abwasserverband Hohe Tauern. Der Schuldendienst für die von Matrei an den Verband ausgelagerten Darlehen können nicht mehr bedient werden. Und das, obwohl das Land bereits 850.000 Euro an außerordentlichen Bedarfszuweisungen für die Haushaltsabdeckung an Matrei überwiesen hat.

Offenbar pocht der Bürgermeister der Tauerngemeinde neuerlich auf Geld. Dem Vernehmen nach erwartet er sich quartalsmäßig Geld, um zahlungsfähig bleiben zu können. Rund 800.000 Euro sollen auf dem Wunschzettel von Andreas Köll stehen, wovon ein Teil auf übliche Bedarfszuweisungen entfällt.

Mittlerweile dürften private Firmen die Geduld verlieren, vor allem Baufirmen fühlen der Gemeinde auf den Zahn. Schon seit Monaten warten sie vergeblich auf ihr Geld. Die Neugestaltung des Rathauses scheint ebenfalls noch nicht ausfinanziert zu sein, heißt es. Andererseits benötigt der Abwasserverband Hohe Tauern dringend die Ratenzahlungen (Schuldendienst) aus Matrei, um selbst über Wasser zu bleiben. Doch wie in der Sozialabteilung des Landes stocken die Zahlungsflüsse. Mehr als 250.000 Euro an Rückständen stehen im Raum.

Im Land selbst weiß man derzeit nicht, wie man mit der Situation in Osttirol umgehen soll. Schon vor Monaten wurde vor einer Salamitaktik gewarnt, dass Köll am Ende die von ihm geforderten, aber vom Land in dieser Höhe abgelehnten zwei Millionen Euro für die Haushaltssanierung erhalten würde. Mit den 550.000 Euro wäre man dann schon bei 1,3 Millionen Euro, welche die Sonderzuschüsse in Summe ausmachen würden. Selbst Finanzreferent und Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), der noch lange die schützende Hand über Bürgermeister Köll gehalten hatte, klappte jetzt den Schutzschirm zusammen. Die nächsten Tage dürften daher spannend werden, Matrei steht erneut finanziell am Abgrund.