Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.06.2019


Innsbruck

Verkehr durchs Wipptal: „Genug ist genug“

Die Bürgermeister denken neben einem temporären Fahrverbot auch eine Umfahrung an. Den Moped-Marathon konnten sie aus dem Tal verbannen.

Nichts geht mehr auf der Brennerautobahn im Urlauberreiseverkehr. Viele Autofahrer weichen an Spitzentagen auf die Bundesstraße durch das Wipptal aus – zum Leidwesen der Bevölkerung.

© TT / Julia HammerleNichts geht mehr auf der Brennerautobahn im Urlauberreiseverkehr. Viele Autofahrer weichen an Spitzentagen auf die Bundesstraße durch das Wipptal aus – zum Leidwesen der Bevölkerung.



Von Denise Daum

Wipptal – Von „Wahnsinn“ über „Katastrophe“ bis „nicht mehr auszuhalten“: Die Bürgermeister von Mühlbachl, Matrei und Steinach beschreiben die Verkehrssituation in ihren Gemeinden ähnlich. Das vergangene verkehrsintensive Wochenende war Vorgeschmack auf die kommenden Feiertage und die Samstage in der Sommerurlaubszeit. „Die Belastung für die Bevölkerung war wild. Auf der Autobahn war Kolonnenverkehr und der Ausweichverkehr prescht durch unsere Dörfer. So kann es nicht mehr weitergehen“, sagt Steinachs Ortschef Josef Hautz. Regelrecht explodiert sei zudem die Anzahl der Motorradfahrer auf der Bundesstraße. „Ein Anrainer hat in eineinhalb Stunden 6000 Motorräder gezählt“, berichtet Hautz. Aufgrund dieses Laienbefunds hat er gestern Dienstag eine offizielle Verkehrszählung sowie eine Lärmmessung in Auftrag gegeben.

„Es reicht“, sagt auch Bürgermeister Paul Hauser aus Matrei und pocht nun auf konkrete Maßnahmen zur Verkehrsentlastung. So soll zum einen das Baustellenmanagement auf der Autobahn überdacht werden. Gerade zu Spitzenzeiten sollten alle Fahrstreifen frei sein. Zudem brauche es temporäre Fahrverbote auf besonders belasteten Land- und Bundesstraßen. „Die kommen aus allen Ecken daher, weil ihnen die Navi-Geräte sämtliche möglichen Ausweichrouten vorschlagen“, ärgert sich Hauser. Und schließlich denke er mittlerweile sogar an eine ganz große Lösung, nämlich eine Umfahrungsstraße für Matrei.

Für besonders dicke Luft sorgte der seit Jahren Ende Juni stattfindende Ötztaler Moped-Marathon, bei dem rund 1500 Teilnehmer im Konvoi von Sölden startend durch das gesamte Wipptal bis zum Brennerpass und über das Timmelsjoch zurück ins Ötztal tuckern. „Dafür haben wir null Verständnis und legen uns quer“, betont Alfons Rastner, Bürgermeister von Mühlbachl und Planungsverbandsobmann. Die Bürgermeister des Wipptals haben angedroht, am Tag des Marathons (22. Juni) Dorffeste zu veranstalten und damit die Straße zu blockieren. So weit muss es nun aber nicht kommen, wie sich gestern herausgestellt hat. Veranstalter Manuel Ribis hat aufgrund des Widerstands beschlossen, die Strecke zu ändern, wie er der TT bestätigt. Die neue Route soll in den kommenden Tagen festgelegt werden. „Aber wir fahren nicht durchs Wipptal“, verspricht Ribis.

Bernhard Knapp, Leiter der Abteilung Verkehrsrecht im Land Tirol, begrüßt das Einlenken des Veranstalters hinsichtlich der Streckenführung. „Wir haben kein Problem mit der Veranstaltung selbst“, schickt Knapp voraus. Das Wipptal sei aber ohnehin schon stark verkehrsbelastet und nicht geeignet für die Durchfahrt von Mofas. Untersagen hätte man die Veranstaltung im Übrigen nicht können. Es handelt sich nämlich um eine Ausfahrt. Diese ist nicht genehmigungspflichtig, unterliegt aber selbstredend der Straßenverkehrsordnung. „Wie in den vergangenen Jahren werden auch heuer verstärkte Polizeikontrollen stattfinden, um einen sicheren Ablauf der Ausfahrt zu garantieren“, erklärt Knapp.

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