Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.06.2019


Exklusiv

Spitalsreform: Tageskliniken ersetzen die teuren Betten

Tagesklinische Leistungen an den Spitälern Innsbruck und Hall werden mit der Spitalsreform massiv auf 5500 im Jahr ausgebaut.

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© Thomas BöhmSymbolfoto.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Im Juli wird die Zielsteuerungskommission die Spitalsreform endgültig beschließen. Das steht nach dem Abschluss im Bezirkskrankenhaus Lienz fest. Die Zahl der Betten in den zehn Spitälern – den vier Landeskrankenhäusern und den sechs Bezirksspitälern – wird von 4010 auf 3788 reduziert. Doch Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) möchte bei der Reform nicht die Bettenreduktion von 222 in den Mittelpunkt stellen. „Es geht mir um eine integrierte Ge- sundheitsversorgung mit weniger Betten, aber einer besseren Leistungsabstimmung und einem verstärkten tagesklinischen Angebot.“ Dazu komme natürlich die enge Verzahnung mit der Akutpflege und der Nachsorge.

Mit einer optimierten Auslastung der vorhandenen Spitalsbetten von angepeilten 85 Prozent sollen gleichzeitig die Belagstage bis 2025 um 100.000 gesteigert werden. Das entspricht einer Zunahme von neun Prozent. Lienz ist aktuell das Negativbeispiel mit einer durchschnittlichen Bettenbelegung von 61 Prozent. Die verstärkte tagesklinische Versorgung betrifft vor allem die beiden Krankenhaus­standorte Innsbruck und Hall. Fast 50 Prozent mehr erwarten sich die Spitalsexperten: von derzeit 3500 Leistungen im Jahr auf 5500.

Insgesamt spricht Tilg von einer „persönlichen Lernkurve“ in den vergangenen Wochen. Die beinhaltet natürlich das Landeskrankenhaus Natters. Ursprünglich sollte die Lungenheilkunde mit 70 Betten an die Klinik Innsbruck übersiedeln, damit dort eine pulmologische Kompetenz aufgebaut wird. Gleichzeitig hätte Hall die Innere Medizin übernommen. Doch nach Protesten, und wie Tilg offen zugibt, „inhaltlich noch ungelösten Fragen“, wurde für Natters eine Standortgarantie abgegeben. „Der Standort LKH Natters wird auch in Zukunft als Standort für medizinische, pflegerische Versorgung und im Bereich Rehabilitation/Nachsorge mit dem Land Tirol als Eigentümer genutzt werden“, lautet die Vereinbarung zwischen Tilg und dem Zentralbetriebsrat. In einem Jahr soll das Konzept stehen, möglicherweise benötigt es für die angedachte Pflegeklinik einen neuen Platz.

Im niedrigen zweistelligen Millionenbetrag wird von den Experten das Einsparungspotenzial angesiedelt. In Innsbruck und Hall geht es jetzt aber ans Eingemachte. Das erwartet sich der Gesundheitslandesrat. Interdisziplinäre Bettenbelegungen und eine patientenorientierte Leistungsabstimmung sind die Herausforderungen. Dafür wurde intern sogar eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) zwischen der Medizinischen Universität Innsbruck, den Tirol Kliniken und dem Land Tirol vereinbart. Hall wird ebenfalls miteinbezogen. „Hier gibt es von mir eine klare Erwartungshaltung, auch an das Management der Tirol Kliniken“, macht Tilg klar.

Damit die Bettenreduzierung nicht ins Stocken gerät, wird sie von der Krankenhausabteilung als Behörde überwacht. Ende 2025 müssen es nämlich 222 Betten weniger sein. „Daran werden wir sichtbar gemessen“, betont Tilg abschließend.