Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.06.2019


Landespolitik

Hoteliers machen Druck

Ein Hotelprojekt in Kirchberg mit 499 Betten lässt die Wogen im Ort hochgehen. Mit Unterschriften wollen Hoteliers und Anrainer das Vorhaben in der Größe verhindern.

Die Zukunft des Alpenhof in Kirchberg ist weiterhin unklar und sorgt für Diskussionen.

© AngererDie Zukunft des Alpenhof in Kirchberg ist weiterhin unklar und sorgt für Diskussionen.



Von Harald Angerer

Kirchberg i. T. – Nicht nur die aktuellen Temperaturen erhitzen die Gemüter in Kirchberg, sondern auch ein neues Hotelprojekt. Nach dem Kauf des Alpenhofs plant ein Investor, dort ein Haus mit 499 Gästebetten zu errichten, die TT berichtete. Vor allem die heimischen Hoteliers machen mobil gegen dieses Vorhaben, aber auch die Anrainer. Für Hotelier Willi Steindl ist das Vorhaben einfach viel zu groß. Mit seinen Kollegen hat er nun Unterschriften von Hoteliers und Touristikern im Ort gesammelt. Nicht weniger als 28 haben unterschrieben, das sind laut Steindl über 90 Prozent der Hoteliers im Ort.

Diese Unterschriften hat er nun gestern im Rahmen einer Pressekonferenz an den Obmann des Fachverbands der Hotellerie in der Wirtschaftskammer, LA Mario Gerber (ÖVP), übergeben. „Ich verstehe die Angst der Hoteliers“, sagt Gerber. Ein Projekt in dieser Dimension ist für ihn nicht vorstellbar. „Es gibt in Tirol keine Handvoll Hotels mit dieser Größenordnung. Woher sollen pro Tag 500 Gäste mehr nach Kirchberg kommen?“, fragt sich Gerber. Wie auch die Hoteliers befürchtet er einen Verdrängungswettkampf.

Auch wenn der zukünftige Besitzer versichert, dass er neue Gästeschichten erschließen wolle, sei das nicht realistisch, ist Gerber überzeugt. Auch störe ihn eine gewisse schiefe Optik. Das Hotel gehörte dem Verein Sozialwerk Bau-Holz, welcher von Mitgliedern der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter gegründet wurde. „Hier lässt sich eine Vorfeldorganisation der SPÖ ihr Grundstück vergolden“, sagt Gerber. Er spricht damit an, dass Kirchbergs Bürgermeister Helmut Berger dem Projekt positiv gegenübersteht und bei der SPÖ ist. Für ihn ist klar: „Würde eine ÖVP-naher Verein so ein Grundstück kaufen und der Bürgermeister wäre ein Schwarzer, wäre die Aufregung in der SPÖ riesengroß.“ Bürgermeister Berger verwehrt sich gegen diese Vorwürfe. Er habe weder mit dem Verein Bau-Holz noch mit dem neuen Betreiber etwas zu tun. „Ich kann aber die Sorgen der Hoteliers verstehen“, sagt Berger. Das Projekt würde sehr sorgfältig geprüft, versichert er. Es sei auch noch zu früh, „über die Farbe des Eis zu sprechen, bevor es gelegt wurde“, sagt Berger. Das Vorhaben sei erst in einem Vorprojekt-Stadium.

Er sicherte den Hoteliers Hilfe zu und werde dazu auch Gespräche mit LH Günther Platter führen. Für Gerber wie auch die Kirchberger Hoteliers ist ein Projekt mit 200 bis 250 Betten durchaus vorstellbar. Neben der Sorge wegen einer möglichen Preisschlacht bringt Gerber noch eine weitere Befürchtung ins Spiel. „Bei einer kolportierten Investitionssumme von 80 Millionen Euro stellt sich auch die Frage der Wirtschaftlichkeit“, sagt Gerber. Zur Tourismusfläche mit dem Hotel gehören auch 33.000 m2 Freiland, hier könnte es dann zu Spekulationen kommen. Von Seiten des Betreibers wird hingegen darauf verwiesen, dass alle Projektierungsschritte eng mit der Gemeinde, dem TVB und dem Land abgestimmt werden.

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Ebenfalls Befürchtungen haben die Anrainer. „Die Straße ist zum Teil einspurig, hier gehen die Kinder in die Schule und Radfahrer queren. Das neue Hotel würde den Verkehr enorm steigern“, ist Anrainer Thomas Eigner überzeugt. Deshalb haben die Anrainer ebenfalls 80 Unterschriften gesammelt. Neben dem Verkehr würde ein so großes Gebäude auch nicht in die Siedlung passen, sind er und die Anrainer überzeugt. Bürgermeister Berger kündigt zu der Zufahrt ein Verkehrskonzept an, welches in Auftrag gegeben werden soll.

Bei der Pressekonferenz waren auch Vizebürgermeister Andreas Schipflinger (Unser Kirchberg/ÖVP) und Gemeindevorstand Christian Simair (Dei Hoamat Tourismus – Wirtschaft – Umwelt/ÖVP) mit dabei. Sie teilen ebenfalls die Bedenken zu dem Großprojekt. „Die Wogen gehen im Dorf hoch zu dem Projekt“, sagt Schipflinger. Sie kritisieren, dass es zu wenig Information von Seiten des Bürgermeisters gebe. „Wenn wir Details wollen, heißt es, dass das noch in Planung ist“, schildert Simair.