Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.06.2019


Kufstein

Kufstein will rote Ampel bei dicker Luft

Die Stadt Kufstein wird die Luftwerte messen und, falls sie zu schlecht sind, beim Land ein temporäres Fahrverbot verlangen. Im Stadtteil Morsbach verlangen Anrainer einen besseren Lärmschutz von der Asfinag.

Wenn die Luft in Zell durch Autoabgase zu schlecht wird, wollen die Kufsteiner ein Fahrverbot.

© Getty Images/iStockphotoWenn die Luft in Zell durch Autoabgase zu schlecht wird, wollen die Kufsteiner ein Fahrverbot.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Es ist das berühmte Worst-case-Szenario, über das in der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Festungsstadt diskutiert wurde. Dieses Extremszenario könnte dann eintreten, wenn die Luft im Ortsteil Zell, entlang der Durchfahrtsstraße nach Bayern, durch den an Reisetagen gewaltigen Ausweichverkehr von der A 12 zu „dick“ wird. Dann, so der Kufsteiner Umweltreferent Stefan Hohenauer (Parteifreie), „sperren wir die Straße, bis die Luft in Zell wieder gut ist“. Dazu müsste man das Land Tirol auffordern, auf der Landesstraße temporär ein Fahrverbot zu verhängen, wie Bürgermeister Martin Krumschnabel gegenüber der TT ergänzt. „Es müssten zwar auch die Kufsteiner verzichten, aber ich glaube, dass dafür durchaus Verständnis besteht“, so der Bürgermeister.

Als Vorbereitung für diesen Fall hat sich der Gemeinderat einem Antrag der SPÖ angeschlossen. Der sozialdemokratische Gemeinderat Alexander Gfäller-Einsank hatte darin verlangt, dass in Zell Messungen vorgenommen werden. In Kufstein gibt es zwar eine amtliche Messstelle, die ist aber weit von der betroffenen Schubertstraße als Stauhotspot entfernt. Kufstein wird dafür 30.000 Euro in die Hand nehmen und ein Jahr lang Messungen bei einer Fachfirma in Auftrag geben.

„Ich hoffe aber, dass dabei nichts herauskommt, dass es nicht so schlimm ist“, meinte BM Krumschnabel bei der Sitzung. Aber sollte die Luft doch extrem belastet sein, habe man einen guten „Hebstecken“, um Taten einzufordern, wie Umweltreferent Hohenauer meinte. „Da uns die Parteien im Nationalrat nicht besonders unterstützen, können wir vielleicht über diese Messungen etwas erreichen.“ Man dürfe auch nicht vergessen, „dass wir im Luftsanierungsgebiet liegen“, fügte Gemeinderat Horst Steiner (Bürgerliste) an.

Diese Messungen passen auch zu einem derzeit von Land und Stadt begonnenen Projekt. „Dabei werden alle Straßen untersucht, um zu schauen, was man gegen die Verkehrsbelastung machen kann“, setzt Krumschnabel große Hoffnungen darauf.

Noch einen Punkt zum Thema Verkehr hatte der Gemeinderat auf seiner Tagesordnung stehen: eine Petition der Bewohner des Ortsteils Morsbach und der Langkampfener Straße. Diese fordern Taten von der Asfinag, „um die prekäre Lärm-Situation im Bereich Kufstein-Süd zu verbessern“. Die derzeitige Situation würde durch „die nun einseitig errichtete Lärmschutzwand im Bereich der Autobahnausfahrt verstärkt“, wie es heißt.

Dabei hat die Asfinag den Wert des Lärmschutz-Vorhabens im Bereich Kufstein-Ebbs angepriesen: Sowohl entlang der A 12 beginnend bei Grenzbrücke Kiefersfelden in Ebbs bis Kufstein-Morsbach als auch im Bereich der Anschlussstelle Kufstein-Nord würden Lärmschutzwände saniert und ausgebaut. „So schützen wir 1200 Anrainerinnen und Anrainer“, erklärte Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele in einer Presseaussendung. Und das ohne Kostenbeteiligung der Gemeinden. Das sehen die Morsbacher aber anders, daher wird der Gemeinderat die Asfinag zu einer Stellungnahme auffordern. Zur TT meinte Asfinag-Pressesprecher Alexander Holzedl: „Die Lärmschutzmaßnahmen wurden unter der Berücksichtigung der im Bestand vorhandenen Grenzwertüberschreitungen und der betroffenen Wohngebäude dimensioniert.“