Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.06.2019


Innsbruck

Patscherkofel-Abrechnung: Streit um die Millionen

BM Willi möchte Kontrolle für Großprojekte noch vor Sommer beschließen. Zeitdruck und das fehlende Controlling für Mehrkosten mitverantwortlich.

Die Kosten der Patscherkofelbahn werden wohl die kommenden Wochen in der Stadtpolitik dominieren.

© TT/Julia HammerleDie Kosten der Patscherkofelbahn werden wohl die kommenden Wochen in der Stadtpolitik dominieren.



Von Marco Witting

Innsbruck – Kontrollamtsbericht Patscherkofel. Er hängt wie ein Damoklesschwert über der Innsbrucker Stadtpolitik. Seit Monaten warten alle gespannt auf ihn. Fertig ist er noch immer nicht. Es existiert derzeit nur ein Rohbericht – aus dem jetzt erste Details durchgesickert sind. Klar ist auch: Die Endabrechnung für die Bahn ist immer noch nicht fertiggestellt. Im Raum steht derzeit, dass die Kosten für den Neubau sich wohl auf knapp 66 Millionen Euro belaufen werden. Damit wird wohl nicht der gesamte Kostenrahmen, den die Stadt im Vorjahr noch einmal beschließen musste (elf weitere Millionen im Juni 2018), ausgeschöpft, bzw. man schaut, was vom Gesamtpaket noch alles möglich sein wird. Fix ist wohl, dass der erweiterte Parkplatz noch heuer kommen soll. BM Georg Willi möchte die begleitende Kontrolle für Großprojekte in Folge des Desasters noch vor dem Sommer beschließen.

Doch warum stiegen die Kosten für die Patscherkofelbahn von ursprünglich 41 Millionen Euro im Oktober 2015 auf 58 Millionen Euro (inklusive Igler Attraktivierungspaket von drei Millionen Euro, Februar 2017) und dann noch immer weiter und weiter? Im Rohbericht der Kontrollabteilung werden diesbezüglich mehrere Punkte kritisiert. So wird der Informationsfluss zwischen Politik, Patscherkofelbahn und Baufirmen bemängelt. Die übergeordnete Finanzkontrolle sei zu spät eingesetzt worden bzw. habe es viel zu lange nur eine Baukontrolle gegeben. Dazu kamen die seit Langem bekannten Ursachen: ein früher Winterbeginn, schlechtes Wetter, Sabotageakte und ein Baugrund, der nicht im erwarteten Zustand war. Zudem wurde tonnenweise illegal vergrabener Müll gefunden, der Boden musste ausgetauscht werden. Und dann natürlich der enorme Zeitdruck, das Prestigeprojekt fertigzubringen. Der wird immer wieder als der größte Preistreiber angesehen. Wer was wann angeordnet hat, das wird Teil der Stellungnahmen sein, die derzeit noch in den 300 Seiten starken Bericht eingearbeitet werden. Kontrollausschuss-Vorsitzender Mesut Onay (ALI) will sich an inhaltlichen Spekulationen erst gar nicht beteiligen. Er sagt: „So ein Bericht ist eine Gesamtschau und da müssen wir warten, bis alles am Tisch liegt.“ Wohl nächste Woche werden die Ausschussmitglieder den endgültigen Bericht dann bekommen. In der Opposition (vor allem bei FPÖ und Gerechtes Innsbruck) ist man „entsetzt“, dass erste Details an die Öffentlichkeit kommen, noch ehe der Ausschuss den Bericht gesehen hat.

Im Rohbericht dürfte es auch Kritik an der Konstruktion der Kontrolle durch den Aufsichtsrat geben. Die Ausschreibung selbst sei eigentlich sehr gut gewesen. Doch dann seien immer wieder neue Punkte aufgetaucht, und die hätten das Projekt eben so massiv verteuert. Aktuell verhandelt die Bahn noch mit etlichen Gewerken. Einer der größten Posten dabei: eine 14-Millionen-Rechnung einer Baufirma. Gezahlt hat man bisher angeblich zehn Millionen. Um Kosten in Höhe von einer Million wird noch immer verhandelt.

BM Georg Willi erklärte gestern auf das Thema angesprochen: Der Bericht werde den Mitgliedern kommende Woche vorliegen. Klar sei, dass die politische Meinungsbildung, was man am und mit dem Patscherkofel machen soll, von vielen verschiedenen Vorstellungen geprägt war. „Die Prüfung des Projekts ist abgeschlossen und die Ergebnisse daraus werden in den Gremien diskutiert werden. Wichtig ist für mich, der diese Bahn ‚geerbt‘ hat, dass wir noch vor dem Sommer eine begleitende Kontrolle für zukünftige Projekte beschließen. An den letzten Details dafür wird noch gearbeitet.“