Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.06.2019


Bezirk Imst

Bestandsanalyse in Haiming: Beirat Zukunft blickte vorerst zurück

Die Vertreter von Tourismus, Bergbahngesellschaften, Gemeinden und Bürgerinitiativen erhielten nach dem Aus für die Skischaukel Kühtai-Hochoetz eine touristische und verkehrstechnische Bestandsanalyse.

Der Zubringer in die Skigebiete im Oberland ist der Fernpass. Hier wird der Verkehr weiter zunehmen.

© Thomas Boehm / TTDer Zubringer in die Skigebiete im Oberland ist der Fernpass. Hier wird der Verkehr weiter zunehmen.



Von Thomas Parth

Silz – Nach dem Aus der Liftehe Kühtai-Hochoetz wurde der Beirat Zukunft installiert. Bei der letzten Sitzung in Haiming hatten sich die Beiräte auf Namen und Ziel geeinigt. Man wolle einen Weg für „die nachhaltige und naturverträgliche Entwicklung der Region“ finden. Bei der jüngsten Sitzung am Donnerstagabend in Silz waren erstmals Medienvertreter zugelassen.

Christopher Hinteregger, Geschäftsführer der PKF tourismexperts, lieferte an diesem Abend eine Analyse des touristischen Status quo der Region von Umhausen bis Haiming sowie von Silz bis ins Sellraintal. Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße im Amt der Tiroler Landesregierung, gab Inputs zur Verkehrssituation in der Region.

Die touristischen Zahlen belegten, dass sich das Vordere Ötztal als familienfreundliche Region gut positioniert hat. Trotz aller Bemühungen reicht es aber lediglich für eine Stagnation mit leichten Zuwachsraten. Am Horizont droht ein touristischer Abschwung. Dagegen stemmt sich der Oetzer BM Hansjörg Falkner: „Außer Frage steht, dass wir alle den Tourismus brauchen. In Oetz hatten wir einmal 3000 Betten, jetzt sind wir runter auf 2000. Wir wollen nur wieder dahin kommen, wo wir einmal waren.“ So sei man auch auf die Idee gekommen, einen Zusammenschluss zweier kleiner Skigebiete zu forcieren. Mathias Speckle, Betriebsleiter der Bergbahnen Hochoetz, weiß: „Jede Investition in die Infrastruktur zeigt Wirkung.“ So würden die Steigerungsraten im Sommer durch das Kinderland „Widiversum“ in Hochoetz bei gut 30 Prozent liegen. „Das konnten wir uns aber nur leisten, weil der Winter funktioniert“, zeigt Falkner auf und untermauert: „Wir (Anm.: Hochoetz und Kühtai) ergänzen uns perfekt. Ein Zusammenschluss wäre positiv für die Wertschöpfung der ganzen Region.“

Alpenvereinsvertreter Markus Welzl warnte davor, in die „Erfolgsfalle“ zu tappen. Man solle nicht die alten Rezepte neu aufkochen, um damit die Zukunftsprobleme nur zu verschärfen. „Ich wünsche mir Innovationen, anstatt einen Zusammenschluss schönzureden“, bat Welzl und weiter: „Nicht der Kuchen, nur der Kampf um die einzelnen Kuchenstückchen wird größer.“ Gerd Estermann fehlten neben den harten Zahlen weitere Erhebungen zur Zufriedenheit und Lebensqualität von Einheimischen, Gästen und Tourismusmitarbeitern. Bernhard Stecher zeigte Probleme wie Fachkräftemangel im Tourismus, Ausverkauf durch Investorenmodelle und Verkehrsüberlastung auf.

An das Thema Verkehr knüpfte Abteilungsvorstand Christian Molzer nahtlos mit Statistiken an, wonach alle zehn Jahre das Verkehrsaufkommen um gut 20 Prozent zunimmt. Das Land Tirol habe in den vergangenen Jahren ausschließlich Projekte zum Anrainerschutz umgesetzt. Man habe zwar Schadstoffe durch bessere Technik und gezielte Abgasnormen in den Griff bekommen, nicht aber das Verkehrsaufkommen. Bernhard Stecher rechnete vor, dass bereits im Jahr 2025 in Oetz so viel Verkehr an normalen Tagen aufkomme wie heute zum Urlauberschichtwechsel. „Im Zuge der Mobilitätsstrategie im Ötztal wird diese ab Sommer, Herbst einem Bürgerbeteiligungsprozess unterzogen“, informierte BM Falkner. Seiner Meinung nach handle es sich um ein Generationenthema.

„Warum bezieht man nicht auch Jugendliche in diesen Beirat mit ein? Es geht um ihre Zukunft“, hinterfragte Molzer und erntete Zustimmung für seinen Vorstoß.