Letztes Update am Fr, 14.06.2019 18:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Asyl

Bürglkopf: Noch sieben Asylwerber in Hungerstreik

Der Hungerstreik hatte am 4. Juni begonnen. Ursprünglich sollen sich 15 Asylweber daran beteiligt haben. Am Samstag findet eine Kundgebung von Unterstützern des Protests in Fieberbrunn statt.

Im Flüchtlingsheim Bürglkopf werden jene untergebracht, die abgeschoben werden sollen.

© Verena HoferIm Flüchtlingsheim Bürglkopf werden jene untergebracht, die abgeschoben werden sollen.



Fieberbrunn – Der in der vergangenen Woche eingesetzte Hungerstreik im Tiroler Rückkehrzentrum des Innenministeriums am Bürglkopf in Fieberbrunn (Bezirk Kitzbühel) dauert an. Am Freitag verweigerten noch sieben Personen die Nahrungsaufnahme, teilte das Innenministerium auf APA-Anfrage mit. Die Asylwerber mit negativen Bescheiden protestieren über ihre Ansicht nach „untragbare Zustände“ in der Einrichtung.

Die Lage in der Betreuungseinrichtung vor Ort sei ruhig, keine der Personen befinde sich in einem angespannten Gesundheitszustand, hieß es aus dem Ministerium. Es erfolge täglich eine ärztliche Untersuchung der Hungerstreikenden vor Ort, wurde betont. „Das seitens des Ministeriums beauftragte Betreuungsunternehmen ORS Service GmbH agiert im gegenständlichen Fall nach den im Leitfaden zur weiteren Vorgehensweise bei Hungerstreiks vorgegebenen Standards, welche insbesondere die Einleitung einer Meldekette - auch unter Einbindung von Ärzten - vorsieht“, erklärten die Verantwortlichen im Innenministerium. Ein Hungerstreik nehme jedenfalls „in keinem Fall Einfluss auf die Entscheidung im Asylverfahren“.

Der Hungerstreik hatte am 4. Juni begonnen. Ursprünglich sollen sich 15 Asylweber daran beteiligt haben.

„Abgelegen, isoliert und für Kinder absolut ungeeignet“

Die Asylwerber wollen offenbar eine neuerliche Prüfung ihres Asylantrages erwirken, da dieser „zu Unrecht abgelehnt“ worden sei. Auch wollen sie in andere Unterkünfte verlegt werden. Unter anderem hatte sich auch die Tiroler Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) für eine Schließung der Unterkunft ausgesprochen. Die Einrichtung am Bürglkopf sei „abgelegen, isoliert und besonders für Kinder absolut ungeeignet“. Auch die „Plattform Bleiberecht Innsbruck“ schloss sich dieser Forderung an.

Am Samstag findet zudem eine Kundgebung von Unterstützern des Protests mit den restlichen Bewohnern des Rückkehrzentrums am Bürglkopf im Ortszentrum von Fieberbrunn statt. Zudem wurde ein sogenanntes „Hungerstreikzelt“ vor dem Landesmuseum in Innsbruck aufgestellt.

Im Jahr 2017 war das Haus am Bürglkopf von einem Flüchtlingsheim in ein Rückkehrzentrum umfunktioniert worden. Bereits in den 1990er-Jahren hatte es als Heim für die damaligen Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien gedient. In einer Rückkehrberatung sollen die Menschen von ihrer freiwilligen Abreise überzeugt werden, auch eine zwangsweise Abschiebung ist möglich. (APA)