Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.06.2019


Bezirk Kufstein

Hochwasserschutz: Im Unterinntal verhärten sich die Fronten

Während man bei der Gründung des notwendigen Wasserverbands auf der Stelle tritt, spritzen sich die Politiker lieber gegenseitig nass.

Beim verheerenden Hochwasser im Jahr 2005 wurden weite Teile Wörgls überschwemmt.

© Land TirolBeim verheerenden Hochwasser im Jahr 2005 wurden weite Teile Wörgls überschwemmt.



Von Michael Mader

Wörgl – 160 Hektar Bauland und 2200 Gebäude sollen durch entsprechende Bauten im Unteren Unterinntal vor einem Hochwasser geschützt werden. Grundvoraussetzung ist allerdings, wie mehrmals berichtet, die Gründung eines eigenen Wasserverbandes durch betroffene Gemeinden und Infrastrukturträger, wie etwa die Tiwag oder die ÖBB.

Einzig die Gemeinde Radfeld hat sich bislang geweigert, dem Verband beizutreten. „Man wird die Gemeinde zu ihrem Glück bewegen müssen“, sagte gestern LH-Stv. Josef Geisler, der rechtliche Mittel in Erwägung zieht. Während also bei den Grundvoraussetzungen für den Bau eines Hochwasserschutzes schon seit Monaten Stillstand herrscht, sind die Politiker wesentlich aktiver – zumindest, wenn es um gegenseitige Schuldzuweisungen geht.

Der Radfelder Bürgermeister Josef Auer hatte die Haltung „seiner“ Gemeinderäte verteidigt und Wörgl vorgeworfen, Fehler gemacht zu haben. Gegen einen Zwangsbeitritt werde man jedenfalls rechtliche Schritte ergreifen. Wörgl solle über mobilen Hochwasserschutz und eigene Retentionsflächen nachdenken.

Diese Aussagen wiederum haben die Wörgler Bürgermeisterin Hedi Wechner erzürnt. Sie spricht davon, dass die Stadtgemeinde Wörgl nach der Hochwasserkatastrophe 2005 sofort damit begonnen habe, die Stadt vor weiteren derartigen Flutungen zu schützen. Zusätzlich verfüge die Stadtgemeinde Wörgl mittlerweile über einen mobilen Hochwasserschutz, der innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit sei.

„Wir haben sehr wohl Retentionsflächen angedacht und den Planern des Hochwasserschutzprojektes des Landes Tirol angeboten. Allerdings wurde von der Abteilung Wasserbau festgestellt, dass die Einbeziehung dieser Flächen den Dammbau um ein Vielfaches verteuern würde, weil aufgrund fehlender Abflussmöglichkeiten diese erst geschaffen werden müssen“, sagt sie.

Wechner spart auch nicht mit Vorwürfen: „Ich habe daher kein Verständnis dafür, dass man die Unsicherheit, Besorgnis und Angst der betroffenen Bevölkerung dafür verwendet, diverse Entschädigungen in die Höhe zu treiben. Im Übrigen grenzt das beinahe an Ruchlosigkeit und vermittelt ein Sittenbild, das dem Sprichwort Gemeinnutz vor Eigennutz eine schallende Ohrfeige versetzt.“ Auer möge in seiner Eigenschaft als Bürgermeister bekannt geben, welche Fehler in Wörgl gemacht wurden, die nun Radfeld reparieren müsse.

„Ich werde den Wörglern sicher nicht sagen, was sie falsch gemacht haben, damit es 2005 überhaupt zu dieser Katastrophe kommen konnte. Aber: In Wörgl wurden Flächen verbaut, die eindeutig im Hochwassergebiet waren“, poltert Auer.