Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 21.06.2019


Landespolitik

Schulversuche mit Ablaufdatum: Land sieht Bund bei Schulen am Zug

Vier Schulversuche müssen ins Regelschulwesen überführt werden. So will es der Bund bis 2025. Über die Schulautonomie klappt das nicht, sagt das Land.

Die Sportelite ist am Schigymnasium Stams zuhause – als Schulversuch hat sie aber ein Ablaufdatum.

© thomas boehmDie Sportelite ist am Schigymnasium Stams zuhause – als Schulversuch hat sie aber ein Ablaufdatum.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Schier unzählige österreichische Wintersport­helden hat das Schigymnasium Stams hervorgebracht. Es ist eine Institution mit Weltruf – seit nunmehr 52 Jahren. Und trotzdem rechtlich „nur“ ein dauerhafter Schulversuch. 2025 soll damit Schluss sein. So will es das Bildungsministerium. Österreichweit sollen alle bestehenden Schulversuche dann enden – sofern sie nicht vorher in das Regelschulwesen überführt werden. Am besten über den Weg der Schulautonomie.

Die Verknüpfung von Hochleistungssport, Schule und Internat – das alles habe man bis dato im Rahmen des Schulversuchs ideal organisieren könne, sagt Stams-Direktor Arno Staudacher. Eine Regelschule hätte einen viel zu starren Rahmen, ist er überzeugt. Deshalb ist der Ministeriumserlass, auf welchem das Schulversuchs-Aus beruht, zentrales Thema an der Schule. Die gesamte Organisationsform des Schigymnasiums steht zur Disposition: „Wir bangen, ob unser System als Paket abgesichert werden kann.“

Bildungslandesrätin Beate Palfrader
: „Ich glaube nicht, dass es unter dieser Übergangsregierung hier noch zu einer Regelung kommen wird.“
Bildungslandesrätin Beate Palfrader
: „Ich glaube nicht, dass es unter dieser Übergangsregierung hier noch zu einer Regelung kommen wird.“
- Thomas Boehm / TT

Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) ist nicht nur wegen Stams in Sorge. Betroffen sind auch das Technische Gymnasium Telfs (Thöni-Akademie) sowie die Internationale Schule Kufstein (ISK) und der Zweig der Internationalen Schule am Akademischen Gymnasium Innsbruck (AGI). Zwar sind diese drei für das Jahr 2019/20 wieder als Schulversuche genehmigt worden – gemäß Ministerium dürften aber letztmalig 2020/21 (Stams und Telfs; fünfjährig) bzw. 2021/22 (AGI, ISK; vierjährig) neue erste Klassen eröffnet werden.

Palfrader sagt, das Ministerium wünsche eine Überführung ins Regelschulwesen über die Schulautonomie. Das Land und die Bildungsdirektion sind anderer Ansicht. In Stams sei die Unzahl an Sonderregeln „nicht über die Autonomie abzudecken“, sagt Werner Mayr, Bereichsleiter für den pädagogischen Dienst in der Bildungsdirektion. In Telfs sei die enge Verzahnung mit der Lehre problematisch, im Falle Kufstein und Innsbruck gibt es rechtliche Fragen rund um die dort mögliche, international anerkannte Reifeprüfung in Kombintion mit der österreichischen Zentralmatura, die auf Dauer wohl nur vom Ministerium geklärt werden könnten.

„All diese Schulversuche haben sich bestens bewährt. Wir wollen sie überführen, sind aber der Überzeugung, dass das nur der Bund über eine Sonderform im Schulorganisationsgesetz regeln kann“, stellt Palfrader klar. Noch habe man keine Zustimmung vom Bund, dass dieser Weg möglich sei. Derzeit laufen die Verhandlungen zwischen Ministerium und Bildungsdirektion. Für Palfader drängt – angesichts einer Übergangsregierung – die Zeit, gehe es doch auch um Fragen der Finanzierung.

AGI-Direktor Helmuth Aigner gibt sich hinsichtlich einer Lösung optimistisch, auch ISK-Direktor Herbert Madl tut dies, wenngleich: „Es wäre undenkbar, dass die Schule aufgelassen wird.“ Aus dem Ministerium heißt es, dass eine Gesetzesänderung nicht kategorisch verneint wird: „Wir arbeiten aber an anderen Lösungen, das über die Schulautonomie zu regeln.“ Das Land bleibt skeptisch.

Vier Volksschulen ab Herbst geschlossen

Innsbruck — In der letzten Sitzung des Landtages vor der Sommerpause vom 3. bis 4. Juli steht eine Novelle des Tiroler Schulorganisationsgesetzes auf der Tagesordnung. Es ist ein Ausführungsgesetz, mit welchem auf die erfolgten Änderungen durch den Bund reagiert wird.

Neben einer Neufassung des Begriffs „zumutbarer Schulweg" wird auch die „Neue Mittelschule" in „Mittelschule" umbenannt. Bereits bekannt, aber mit der Novelle rechtlich verankert, werden die einheitlichen Herbstferien. Ab 1. September 2020 wird hierfür allen Tiroler Schulen der 27. Oktober bis einschließlich 31. Oktober vorgeschrieben. Dafür entfallen künftig die schulfreien Dienstage nach Ostern und Pfingsten.

Weit gravierender dürfte aber die Neuregelung der Bestimmungen über die Errichtung und Auflassung von Volksschulen, Neuen Mittelschulen, Sonderschulen und Polytechnischen Schulen sein. Bei den Volksschulen (VS) wird die Verknüpfung der Auflassung an den Wegfall der Errichtungsvoraussetzungen aufgegeben. Stattdessen ist eine VS verpflichtend aufzulassen, wenn die Schülerzahl im Durchschnitt unter zehn liegt bzw. wenn eine andere VS binnen einer Wegstrecke von einer Stunde liegt. Davon abgesehen und auf sechs reduziert werden kann, sofern zwei von drei Kriterien erfüllt werden: 1) nächste Volksschule ist mehr als zehn Straßenkilometer entfernt; 2) nur eine VS in der Gemeinde; 3) Bestehen einer Kinderbetreuungseinrichtung im Ort.

Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) bestätigt gegenüber der TT, dass mit 31. August in Tirol vier Volksschulen beendet werden. So die VS Vent (3 Schüler; Sölden), Holdernach (6; Kappl), Neder (79; Neustift) und Jenbach II (130). Erstere wird stillgelegt, die restlichen aufgelassen, weil mit anderen Schulstandorten zusammengefasst. Palfrader verweist auf das Einvernehmen mit der jeweiligen Gemeinde. Dieses gibt es in Osttirol noch nicht. Dort sollen mit August 2020 die VS Tessenberg (4; Heinfels) und Bannberg (4; Assling) geschlossen werden. (mami)