Letztes Update am Do, 20.06.2019 09:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Bericht zu Patscherkofelbahn: Kontrolle der Kosten war nur „partiell“

Der Kontrollamtsbericht zu den Mehrkosten der Patscherkofelbahn liegt vor. Die große Abrechnung zur Abrechnung ist er aber nicht.

Wann wurde was auf der Baustelle der Patscherkofelbahn teurer? Der Kontrollamtsbericht gibt darauf Antworten.

© Michael KristenWann wurde was auf der Baustelle der Patscherkofelbahn teurer? Der Kontrollamtsbericht gibt darauf Antworten.



Von Marco Witting

Innsbruck – Als sich Innsbrucks Gemeinderat gestern zu seiner Juni-­Sitzung traf (bei Redaktionsschluss noch im Gang­e), hatten die Mitglieder des Kontrollausschusses wohl andere Dinge im Kopf. Endlich liegt er vor – auch der TT: der „Bericht über die Prüfung von Teilbereichen des Projekts Neustrukturierung Patscherkofel(bahn)“. Doch wenn sich die Opposition im 300 Seiten starken Bericht die große Abrechnung zur Bahn-Abrechnung erhoffte, dann wurde sie – zumindest auf den ersten Blick – enttäuscht.

Einen namhaft gemachten Verantwortlichen für die Kostenexplosion sucht man beim ersten Studieren nämlich vergebens. Und doch findet sich Kritik. Die, überträgt man sie von der Sprache, die in einem solchen Dokument verwendet wird, in normalen Jargon, dann auch durchaus harsch ausfällt. So kommt die Kontrollabteilung etwa irgendwann zum Schluss: [...] „dass ein Kosten­management, welches die Analyse und Bewertung von Kostenschätzungen, die Kostensteuerung zur Einhaltung der Kostenziele oder das Einrichten und Fortschreiben einer projektspezifischen Kostenverfolgung [..] zum Inhalt hat, nur partiell festzustellen war“.

Und das bei einem Projekt, das von 41 Millionen Euro auf 58 Millionen stieg und letztlich wohl knapp 66 Millionen Euro kosten wird – und wo fraglich ist, welche Mehrleistungen in diesem Betrag drinnen sein werden.

Die vom Geschäftsbereichsleiter der IIG an die Geschäftsführung der Patscherkofelbahn gerichtete Empfehlung, eine übergeordnete Projekt­leitung

Projektsteuerung einzurichten, sei in dieser Form „nicht zur Umsetzung“ gelangt, heißt es etwa im Bericht.

Durchaus spannend auch die Erkenntnis, warum so eine Kosten­explosion nicht von einem Aufsichtsrat gestoppt wurde. Doch dieser, auch das wird im Bericht der Kontrollabteilung der Stadt deutlich, hat gemäß Statut nicht das Projekt kontrolliert, sondern nur den operativen Betrieb. Dass man dort mit Kostenüberschreitungen gerechnet hat, wurde auch protokolliert.

Immer wieder geht es bei den Mehrkosten auch um den engen Zeitplan und das Festhalten am Eröffnungstermin im Dezember 2017. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, wie sich die internen Kostenschätzungen zwischen dem 29. Mai 2017 und dem 12. März 2018 veränderten: Ging man ein halbes Jahr vor Eröffnung der Bahn von Mehrkosten in Höhe von 791.741,50 Eur­o aus, stieg dieser Betrag im Oktober 2017 auf über 3,5 Millionen Euro. Und landete schlussendlich am 12. März 2018 bei 4,8 Millionen. Dann endet diese Aufstellung im Kontrollamtsbericht. Die Kostensteigerungen endeten nicht. Auch ging man teilweise von ganz anderen Voraussetzungen aus, der Bericht nennt das „Betrachtungslogik“. Dahinter verbirgt sich das so genannte „Offene Budget“, das ab 14.11.2017 mit einem zusätzlichen Blatt in der Dokumentation angehängt war. Darin wurden jene Projektbudgets vermindernd berücksichtig, welche beim Betrachtungszeitraum durch die Patscherkofelbahn noch nicht beauftragt waren – also der Parkplatz, der Weg, die Rodelbahn und der Speicherteich etc. –, insgesamt mit 2,4 Millionen Euro angesetzt. Ohne dieses „Offene Budget“, sprich ohne diese Teilbereiche, lag man am 9. März 2018 mit 54,9 Millionen Euro Kosten noch innerhalb der vom Gemeinderat damals genehmigten Gesamtprojektkosten. Am 20. April 2018, daher stammt der nächst­e Plan-Ist-Vergleich, lag man nur eineinhalb Monate später mit 56,5 Millionen Euro schon deutlich darüber. Zur Erinnerung: Am 22. April 2018 wählte Innsbruck einen neuen Gemeinderat. Aus dem Bericht der Kontrollabteilung geht nicht hervor, wer wann über diese Kostenschätzungen in Kenntnis gesetzt wurde.

Enttäuscht werden viel­e in der Opposition wohl auch sein, wenn es darum geht, wer die Entscheidung getroffen hat, am Eröffnungstermin festzuhalten. Denn da listet der Bericht lediglich zwei Gemeinderatssitzungen auf, bei denen die entsprechenden Beschlüsse samt Datum auf.

Teile bis zu 436 Prozent teurer

Die gut­e Baukonjunktur, die straff­e Bauzeit, die eingegrabenen Wurzelstöcke im Bodenmaterial, Sabotageakte, der Zuschuss an den Alpenverein für die Terrassenänderung beim Schutzhaus und die Transparenz bei öffentlichen Aufträgen: All das soll das Projekt der Patscherkofelbahn verteuert haben. Und natürlich die Dinge, die in Zusammenhang mit der Ausschreibung dann geändert wurden.

Kosten in Höhe von rund einer Million Euro listet die Kontrollabteilung auf, weil man am Eröffnungstermin festgehalten hat. Ob man mit einem anderen Termin bessere Konditionen erhalten hätte, darauf will man erst gar nicht eingehen. Aber: Der ambitionierte Zeitplan führt auch dazu, dass sich der Bieterkreis bei den Baufirmen drastisch verringert hat. Und das führt wiederum zu höheren Preisen. So musste man 32 Ausschreibungen statt geplant 13 machen. Teilweise erhielt man gar kein­e Angebote. Die Kontrollabteilung sagt aber auch, dass ein späterer Ausschreibungstermin nicht zwingend zu besseren Konditionen geführt hätte.

Jedoch hätte insgesamt ein „Mehr an Vorbereitung zu einem Gewinn an Qualität geführt sowie einen positiven Einfluss auf das Termin- und Kostenmanagement“ gehabt.

Exorbitant sind teilweise die Kostensteigerungen. Etwa bei der Talstation und den dortigen Regieleistungen. Sie schlagen mit einem Plus von 436 Prozent zu Buche. Das Roden, die Baugrube und die Tiefengründungen bei der Talstation wurden um 178 Prozent teurer. Mit geringeren Steigerungen, aber doch deutlichen Mehrkosten zieht es sich durch die entsprechenden Seiten im Bericht. Abgeschlossen ist die Abrechnung rund um die Bahn ja ohne­hin noch nicht. Die Bahn verhandelt mit den Gewerken noch immer über etliche Positionen in der Endabrechnung. Das könnte noch Monate dauern. (mw)