Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 21.06.2019


Exklusiv

Land Tirol will Tausende Garten-Pools legalisieren

Als Folge eines Jenbacher Schwimmbecken-Streits sollen nun tirolweit mobile Garten-Pools bis zu 10.000 Liter ohne Bewilligung erlaubt werden.

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Von Max Strozzi

Innsbruck – Bald rollt auf Tirol eine Hitzewelle zu und damit sorgt auch das Planschbecken im eigenen Garten für wohltuende Abkühlung. Was viele nicht ahnen: Wer sich etwa im Baumarkt ein Aufstell-Schwimmbecken für seinen Garten kauft, das grob gesprochen größer als ein Kinderplanschbecken ist, muss es mitunter bei der Gemeinde anzeigen und bewilligen lassen. Denn solche Pools gelten aufgrund des Wassergewichts – mehrere Tonnen sind rasch erreicht – als fix mit dem Boden verbunden, zu deren Aufbau benötigt es zudem bautechnische Kenntnisse. Sie sind bauliche Anlagen und müssen entsprechend der Tiroler Bauordnung von der Gemeinde genehmigt werden. Tausende solcher größerer Pools stehen in Tirol, die meisten ohne Bewilligung. „Derzeit muss außer einem Kinderplanschbecken alles genehmigt werden“, sagt Beatrix Steiner von der Abteilung Bau- und Raumordnungsrecht des Landes.

Das soll sich jetzt ändern, wie aus der geplanten Bauordnungs-Novelle hervorgeht. Demnach plant das Land, bei offenen Aufstell-Swimmingpools konkret festzulegen, ab wann sie bewilligt werden müssen. Wie aus dem Entwurf der Novelle hervorgeht, sollen Schwimmbecken mit bis zu 10.000 Litern Volumen künftig (ab 2020) nicht mehr unter die Tiroler Bauordnung fallen und damit von der Anzeigepflicht ausgenommen werden. Damit würden viele streng genommen „schwarz“ aufgestellte Pools legalisiert. „Da die geltende Regelung zu Auslegungsproblemen geführt hat, soll für mobile offene Schwimmbäder bis 10.000 Liter eine entsprechende Ausnahme vom Geltungsbereich (der Tiroler Bauordnung, Anm.) ausdrücklich gesetzlich festgelegt werden“, wird der Schritt in den Bemerkungen zur Novelle begründet. So sollen tirolweit „eine einheitliche Vollziehung erreicht“ und durch die Ausnahme „zahlreiche Bauverfahren vermieden werden“. Mobile Pools über 10.000 Liter Volumen sollen anzeige- und bewilligungspflichtig sein.

Aufgekommen war das Thema im vergangenen Jahr aufgrund eines Pool-Streits in Jenbach – die TT berichtete. Dort wurde ein Bürger wegen eines Aufstellbeckens mit 4,9 Metern Durchmesser und 1,2 Metern Höhe anonym angezeigt. Für den Betroffenen damals eine Schikane, schließlich stehen solche Pools in Tausenden Gärten. Das Problem: Die Tiroler Bauordnung ließ den Gemeinden Spielraum. Der Fall schlug offenbar landesweit bei vielen Pool-Besitzern hohe Wellen. „Es gab viele Anfragen von Bürgern und Gemeinden“, bestätigt Steiner vom Land Tirol. Daher sei eine Präzisierung nun nötig geworden.

In der Tiroler Bauordnung wird sonst auch noch vieles neu geregelt. Unter anderem sollen auch größere Gartenhäuschen als Geräteschuppen künftig ohne Bewilligung möglich werden. Derzeit sind sie bis zu einer Fläche von 10 m² (und 2,80 m Höhe, sofern von drei Seiten zugänglich) frei, künftig könnte es auf 15 m² ausgedehnt werden, geht aus den Unterlagen hervor.