Letztes Update am Do, 20.06.2019 16:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Fahrverbote in Tirol: Rufe nach Ausweitung, Bayern schäumen

Die Fahrverbote für den Transitverkehr auf Tiroler Landesstraßen lassen in Bayern die Wogen hochgehen. Die FPÖ forderte indes die Ausweitung der Maßnahmen auf den Bezirk Kufstein, die Liste Fritz kritisierte Ausnahmen für das Wipp- und Stubaital.

An neuralgischen Punkten, wie hier an der Kreuzung vor der Ortseinfahrt Patsch, kontrollierten Polizeibeamte die Fahrverbote.

© Thomas BöhmAn neuralgischen Punkten, wie hier an der Kreuzung vor der Ortseinfahrt Patsch, kontrollierten Polizeibeamte die Fahrverbote.



Innsbruck — Seit Fronleichnam gilt ein temporäres Fahrverbot auf Tirols Landstraßen, die von Urlaubern zur Umfahrung der Staus oder zur Vermeidung der Maut auf den Autobahnen genutzt werden. Ausgenommen ist der Quell-, Ziel- und Anrainerverkehr. Aus Bayern kommt dagegen scharfer Protest.

Im Zuge der geplanten Maßnahmen wurden auch die Autobahnabfahrten im Großraum Innsbruck für den Durchgangsverkehr gesperrt, erklärte LH Günther Platter (ÖVP) am Mittwoch. Mehrere vom Transitverkehr betroffenen Dörfer sollen so an Feiertagen und Wochenenden entlastet werden.

Weniger Verkehr als erwartet

Es habe am Donnerstag bereits Zurückweisungen auf die Autobahn gegebenen, diese hätten sich aber eher noch in Grenzen gehalten, sagte Günther Salzmann, der stellvertretende Leiter der Tiroler Verkehrspolizei, im Gespräch mit der APA.

Man habe am Donnerstag weniger Reiseverkehr auf der Inntal- und Brennerautobahn verzeichnet als erwartet, so Salzmann. In Folge hielt sich auch der Ausweichverkehr noch in Grenzen. Zudem habe das Fahrverbot am Donnerstag nur in Richtung Süden gegolten, am kommenden Wochenende gelte es hingegen in beide Richtungen. Überdies sei mitzubedenken, dass am Feiertag auch ein Lkw-Fahrverbot geherrscht habe.

Von Zurückweisungen seien auch Motorradfahrer betroffen gewesen, die in größerer Zahl unterwegs waren. Bei den Amtshandlungen habe es jedenfalls keine Probleme gegeben. "Die Verkehrsteilnehmer haben alle sehr verständnisvoll reagiert", berichtete Salzmann.

Bayerischer Verkehrsminister: „Reine Schikane"

Die bayerische Regierung reagierte mit Empörung und Unverständnis auf die Ankündigung. „Das Tiroler Verhalten ist unsäglich und reine Schikane", sagte Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU). Außerdem sei das Verhalten des Nachbarlandes rechtswidrig. „Ich erwarte, dass die EU-Kommission dieses Verhalten sehr schnell unterbindet und für freien Reiseverkehr in Europa sorgt."

Reichhart stellte auch Gegenmaßnahmen in Aussicht: „Sollte die EU-Kommission dieses Verhalten durchgehen lassen, dann muss es auch für die stark belasteten bayerischen Autobahnen und Landstraßen in der Grenzregion gelten." Mit Tirol seien Gespräche vereinbart. Von deren Ausgang wolle man Bayerns Reaktion abhängig machen.

Navis sollen Umfahrungen nicht mehr anzeigen

Die drastische Maßnahme soll in Tirol an allen Wochenenden von Samstag um 7.00 Uhr bis Sonntag um 19.00 Uhr und an Feiertagen gelten — und zwar bis Mitte September. Nicht betroffen sind Autofahrer, die direkt nach Innsbruck oder in die umliegenden Dörfer wollen, versicherte Platter. Die Fahrverbote gelten für den gesamten Verkehr, ob Auto, Lkw oder Motorrad.

Inzwischen seien auch Vorkehrungen getroffen worden, dass die Navigationsgeräte die Umfahrungen nicht mehr anzeigen, hieß es weiter. Dazu seien den Navi-Betreibern die aktuellen Verkehrsdaten in Zusammenhang mit dem Verbot zur Verfügung gestellt worden, zitierte APA den Leiter der Tiroler Verkehrspolizei, Markus Widmann. Da aber nicht sicher sei, dass die Navi-Anbieter die neuen Daten auch einspeisen, sollten bereits am Donnerstag an den gesperrten Ausweichrouten auch Polizeistreifen kontrollieren.

FPÖ und Liste Fritz fordern Ausweitung

Der FPÖ und der Liste Fritz gehen die Fahrverbote nicht weit genug. Die Freiheitlichen forderten am Donnerstag die Ausweitung der Maßnahmen auf den Bezirk Kufstein, die Liste Fritz kritisierte Ausnahmen für das Wipp- und Stubaital.

Seit der Einführung der Vignettenkontrolle leide die Stadt Kufstein ebenso unter massiven Problemen, erklärte Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger. Viele aus Deutschland kommende Urlauber und Tagesausflügler würden auf den Kauf einer Vignette verzichten und auf dem Weg in den Süden auf mautfreie Landes- und Gemeindestraßen ausweichen. Dadurch lösen sie eine wahre Verkehrslawine aus, die die Stadt Kufstein und die umliegenden Gemeinden massiv trifft, argumentierte Abwerzger.

Die Maßnahmen des Landes seien richtig, aber er frage sich, weshalb sie nicht schon früher gesetzt wurden. „Die Probleme mit dem Ausweichverkehr gibt es ja nicht erst seit dem heurigen Sommer", so der FPÖ-Obmann in einer Aussendung.

Für Liste Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider kommen die Fahrverbote auf den Bundes- und Landesstraßen „reichlich spät". Und offenbar sei Schwarz-Grün nicht an einer Lösung für alle Tiroler interessiert. Nur so sei es nämlich zu erklären, dass das Wipp- und Stubaital von den Fahrverboten ausgenommen wurde. „Diejenigen, die seit Jahren im Verkehr ersticken, werden bei dieser Lösung ausgespart. Wipptaler und Stubaitaler sind keine Tiroler zweiter Klasse, Herr Landeshauptmann", meinte Haselwanter-Schneider in Richtung Platter.

NEOS sehen „unzulängliche Baustellensituation"

„Nicht erfreut" zeigten sich am Mittwoch auch die NEOS über die angekündigten scharfen Maßnahmen. Die „bisherige Untätigkeit" der Regierung im Kampf gegen den Ausweichverkehr mache die Maßnahmen aber „durchaus notwendig", so NEOS-Verkehrssprecher LAbg. Andreas Leitgeb in einer Aussendung. Die NEOS orteten eine „unzulängliche Baustellensituation" in und rund um Innsbruck, sowie auf dem Autobahnnetz in Richtung Süden hin und forderten das Land Tirol auf, sich „endlich in das Baustellenmanagement einzubringen". (TT.com, APA, dpa)

Temporäre Fahrverbote auf niederrangigem Straßennetz in Tirol

  • L9 (Mittelgebirgsstraße) ab Hall Richtung Tulfes
  • L38 (Kreisverkehr Ampass Häusern)
  • Fahrverbot der L9 (Iglerstraße) und L32 (Aldranserstraße): Kreisverkehr Innsbruck-Mitte Richtung Igls bzw. Richtung Aldrans
  • L38 (Ellbögenerstraße) ab Amras Kreisverkehr Bleichenweg (Kreisverkehr Höhe DEZ) weil hier Abfahrt A12 Innsbruck-Ost
  • Fahrverbot Kreuzung Patscher Straße-Römerstraße in Patsch
  • L11 (Völserstraße) Kreisverkehr Völs sowohl Richtung Westen als auch Richtung Osten
  • L13 (Sellraintalstraße) Höhe Kreisverkehr Kematen (im Bereich des Sicherheitszentrums)

Regionale Fahrverbote im Bereich Nösslach:

  • Nach der Abfahrt auf der A13 Richtung Vinaders und Gries am Brenner soll auf der Gemeindestraße Nösslach ebenfalls ein Fahrverbot verordnet werden