Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 26.06.2019


Osttirol

Mit geballter Kraft gegen Kraftwerk am Tauernbach

WWF, Alpenverein, der Verein für die Erholungslandschaft Osttirol und der Umweltdachverband legen Beschwerde gegen Tiwag-Projekt ein.

Der Tauernbach in Matrei: An dieser Stelle unterhalb der Schildalm soll abgeleitet werden.

© Wolfgang RetterDer Tauernbach in Matrei: An dieser Stelle unterhalb der Schildalm soll abgeleitet werden.



Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. – Seit Jahren verfolgt die Tiwag das Kraftwerks­projekt Tauernbach-Gruben in der Gemeinde Matrei in Osttirol. Geplant ist ein Ausleitungskraftwerk mit einer Wasserfassung bei der Schildalm. Es soll nach dem Kraftwerk Amlach das zweitgrößte der Tiwag in Osttirol sein. Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist abgeschlossen, Mitte Mai erhielt die Tiwag den positiven Bescheid.

Doch Umweltschutzverbände machen sich gegen das Vorhaben stark. Sie haben beim Bundesverwaltungsgericht Einspruch gegen den positiven UVP-Bescheid des Landes erhoben. Am Dienstag präsentieren Vertreter verschiedener Institutionen ihre Kritikpunkte: Gerhard Egger vom WWF, Wolfgang Retter und Anna-Maria Kerber vom Verein Erholungslandschaft Osttirol, Reinhold Bacher vom Alpenverein Matrei und Paul Kunico vom Umweltdachverband.

Egger beschreibt die juristischen Ansätze, die zu einem „Aus“ für das Vorhaben führen sollen: „Grundsätzlich gilt bei solchen Projekten immer ein Verschlechterungsverbot. In Ausnahmefällen kann die Behörde darüber hinweggehen, wenn es wichtige Gründe gibt, zum Beispiel ein öffentliches Interesse oder wenn keine bessere Option vorhanden ist.“ Im Fall des Kraftwerks Tauernbach-Gruben wurden diese Ausnahmen geltend gemacht, die Genehmigung ist erteilt worden. „Doch wir bestreiten, dass das öffentliche Interesse in dieser Form vorhanden ist“, führt Egger weiter aus. „Und es hätte auch bessere Optionen gegeben, die sind aber ignoriert worden.“ Paul Kunico fügt hinzu: „Der positive UVP-Bescheid ist fragwürdig.“

Umweltschutzverbände erheben Einspruch: Gerhard Egger vom WWF, Wolfgang Retter vom Verein Erholungslandschaft Osttirol, Reinhold Bacher vom Alpenverein Matrei und Paul Kunico vom Umweltdachverband (v. l.).
Umweltschutzverbände erheben Einspruch: Gerhard Egger vom WWF, Wolfgang Retter vom Verein Erholungslandschaft Osttirol, Reinhold Bacher vom Alpenverein Matrei und Paul Kunico vom Umweltdachverband (v. l.).
- Oblasser

„Das Kraftwerk kann gar nicht im öffentlichen Interesse sein, schon allein weil es im Winter über Monate stillstehen muss“, meint Wolfgang Retter. „Da fließt im Tauernbach zu wenig Wasser. Wie soll ein Kraftwerk, das gar nicht läuft, Strom erzeugen?“ Demgegenüber stünden große Gefahren, weil sich das Tauernbach-Kraftwerk in unmittelbarer Nähe der Transalpinen Ölleitung und der 380-kV-Stromleitung befindet, sagt Retter. „Im Tauerntal gab es erst 2013 den riesigen Felssturz, der die Felbertauernstraße zerstört hat. Und 2017 ist die Petersbachmure heruntergekommen. Hätte es das Kraftwerk da schon gegeben, wäre eine Katastrophe unvermeidlich gewesen“, ist der Osttiroler Umweltschützer überzeugt.

Neben den genannten Umweltverbänden haben Bewohner des Tauerntals Einspruch gegen den positiven Bescheid erhoben. Auch der Landesumweltanwalt spricht sich dagegen aus. Wie geht es nun weiter? „Wenn das Bundesverwaltungsgericht unsere Rechtsmittel anerkennt, wird das Projekt entweder abgesagt oder wieder zurück an die Tiroler Behörde verwiesen“, erklärt Paul Kunico.

Tiwag-Vorstand Johann Herdina hatte schon Mitte Mai erklärt, dass er mit Einsprüchen und daraus folgenden Verzögerungen rechne. Nach aktuellem Stand könnte 2023 mit dem Kraftwerksbau begonnen werden, 2027 wäre die Inbetriebnahme.