Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.06.2019


Innsbruck

Bildungssprecherin: „Schulsprengel in Innsbruck gehören endlich abgeschafft“

Wahlfreiheit bei Volksschulen fordert Dagmar Klingler von den NEOS. Das kommt für die SPÖ nicht in Frage, die Bildungsdirektion rät ab.

In Innsbruck werden die Schüler je nach Wohnort einer Volksschule zugteilt.

© Foto TT/Rudy De MoorIn Innsbruck werden die Schüler je nach Wohnort einer Volksschule zugteilt.



Von Denise Daum

Innsbruck – Das Schulende bedeutet für die Kinder ein Ende des Stresses und der Beginn von wochenlangem Freizeitspaß. Für die Eltern bedeutet das Schulende oft Stress pur. Nicht nur wegen der Organisation der Sommerbetreuung. Steht ein Schulwechsel an, geht der kaum entspannt über die Bühne – in manchen Schulen in Innsbruck gibt es einen regelrechten Kampf um die Plätze.

Bei den Volksschulen gibt es diesen Stress zwar nicht, dafür haben die Eltern aber auch keine Wahlmöglichkeit. Entscheidend ist der Wohnort. Jede Straße in Innsbruck ist einer der 22 städtischen Volksschulen zugeteilt.

Für Dagmar Klinger, Gemeinderätin und NEOS-Tirol-Bildungssprecherin, gehören „die Schulsprengel in Innsbruck endlich abgeschafft. Wir haben mündige Eltern, die sollen auch eine echte Wahlfreiheit bei den Volksschulen haben“, betont Klingler. „Für die Schulen wäre es ein großer Schritt in Richtung Autonomie, was letztlich essenziell ist, um Schulentwicklung anzukurbeln.“ Zwingende Voraussetzung für die Aufhebung der Sprengel sei jedoch eine umfassende Sanierung etlicher Innsbrucker Volksschulen. Manche seien in wirklich „desolatem“ Zustand. An eine Schulflucht als Folge glaubt Klinger, selbst Volksschuldirektorin, nicht.

Die zuständige Bildungsstadträtin Elisabeth Mayr (SPÖ) hält von diesem Vorschlag nichts. Die Wohnortnähe sei entscheidend. Es müsse garantiert sein, dass Kinder in ihrem Umfeld auch einen Volksschulplatz bekommen. „Wir sehen das bei den Kindergärten, wo wir keine Sprengel haben. Den Eltern ist es extrem wichtig, dass ihr Kind in der Nähe des Wohnorts unterkommt“, sagt Mayr. Bei den Neuen Mittelschulen könnten Eltern und Schüler dann ohnehin nach Schwerpunkten wählen.

Christian Biendl, in der Bildungsdirektion für die Region Innsbruck-Stadt zuständig, hält die Zuweisung nach Wohnort im Stadtgebiet für „sehr sinnvoll“. Würde das aufgehoben, „hätten wir ein Problem. So genannte Starschulen würden überrannt, bei anderen blieben die Kinder aus“, erklärt Biendl.

Eine gewisse Flexibilität gebe es im derzeitigen System ohnehin. „Wenn beide betroffenen Schulleiter zustimmen, kann das Kind auch eine andere als die zugeteilte Schule besuchen“, sagt Biendl.