Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.06.2019


Bezirk Kufstein

Lift in Kramsach (er)fährt ewiges Auf und Ab

Gerüchte über ein vorzeitiges Aus für die Pläne eines neuen Sonnwendjochlifts in Kramsach machten schon des Öfteren die Runde. Am Mittwochabend war es wieder so weit. Doch es gibt noch Hoffnung.

Seit Sommer 2015 steht der Sonnwendjochlift still. Laut Plänen sollte der neue Lift 2020 fahren.

© ZwicknaglSeit Sommer 2015 steht der Sonnwendjochlift still. Laut Plänen sollte der neue Lift 2020 fahren.



Von Jasmine Hrdina

Kramsach – Sie steht seit vier Jahren still, und doch erlebt die Kramsacher Sonnwendjochbahn immer wieder neue Berg-und-Talfahrten. Der Versuch, den Lift neu aufzustellen, schien am Mittwochabend gescheitert zu sein. Gestern gab es dann wieder einen neuen Hoffnungsschimmer. Nur eines bleibt konstant: das eiserne Schweigen aller Beteiligten, allen voran der Genossenschaft Naturjuwel Rofan, darüber, was sich hinter den verschlossenen Türen in den Sitzungsräumen abspielt.

Dabei scheint das Projekt Sonnwendjochlift neu zumindest finanziell unter keinem schlechten Stern zu stehen. Die benötigten etwa 5,8 Mio. Euro zum Start sind Insidern zufolge zumindest auf dem Papier vorhanden. Mit zwei Mio. Euro beteilige sich demnach die Gemeind­e Kramsach, 580.000 Euro kommen aus den umliegenden Gemeinden und von dortigen Unternehmen, eine Mio. gibt es vom Land Tirol, auch der TVB Alpbachtal-Seenland würde diese Summe bereitstellen, eine weitere halbe Mio. habe die Genossenschaft selbst an Kapital zusammengetrage­n. Für die fehlenden rund 800.000 Euro gebe es bereits Ideen. Ersten Informationen zufolge wurde die Anhebung der Kurtaxe in der Region 31 beim TVB angesprochen. Bis zu 500.000 Euro könnte man dadurch in den kommenden Jahren dem Lift zuführen. Von Ortsausschuss-Obmann Markus Pumpfer gab es dazu keine Stellungnahme.

Das eigentliche Problem, das bei der Vorstandssitzung am Mittwochabend die Genossenschaftsvertreter vertagen ließ, heißt Konzession. Diese müsste bis Ende Juli beantragt werden und schlägt mit 25.000 Euro zu Buche. Weil man aber die Gelder der Genossenschaftsmitglieder nicht aufs Spiel setzen wollt­e – immerhin könnte das Projekt letztlich scheitern, das Geld wäre damit verloren –, ging der Tenor vorerst Richtung Abbruch. Gestern wendete sich dann das Blatt, weil man die Gebühr aus privaten Geldern finanzieren will, wie Gründungsmitglied und Kramsacher Gemeinderat Markus Vögel­e letztlich doch noch berichtet.

Ein Hindernis überwunden, steht das nächste bevor. Trotz der beachtlichen Finanzlage sei die Frage, wer den Banken gegenüber für einen etwaigen Konkurs haftet, noch nicht geklärt. Die Gemeinde Kramsach hätte sich für zwei Mio. Euro verpflichten müssen – und dies bisher nicht getan. Man brauche für solch einen Beschluss grünes Licht von der Aufsichtsbehörd­e. „Die Entscheidung steht noch aus“, teilt BM Bernhard Zisterer mit. Sollte diese positiv ausfallen, könne er sich die Zusage der Gemeinde jedenfalls gut vorstellen. „Es ist ein großes und wichtiges Projekt, nicht nur für den Ort, sondern für die Region und das ganze Land“, so Zisterer. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und hoffen, dass es mit Hilfe der Bezirkshauptmannschaft, der Gemeinde und des Landes zu einem guten Ende kommt“, sagt Vögele dazu. Genossenschaftspräsident Nikolaus Wannenmacher wollte sich nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern.