Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.06.2019


Bezirk Kufstein

BM Josef Auer: “Radfeld kann Wörgl nicht retten“

BM Josef Auer kontert die Vorwürfe, wonach Radfeld den Hochwasserschutz verhindere.

Für (v.l.) Radfelds Feuerwehrkomm. Hans Peter Ostermann, BM Josef Auer und Obmann der Wassergenossenschaft Kundl-Radfeld Anton Wiener sind die aktuellen Pläne für Retentionsflächen nicht tragbar.

© HrdinaFür (v.l.) Radfelds Feuerwehrkomm. Hans Peter Ostermann, BM Josef Auer und Obmann der Wassergenossenschaft Kundl-Radfeld Anton Wiener sind die aktuellen Pläne für Retentionsflächen nicht tragbar.



Radfeld – Er sei nicht wehleidig, schickte BM Josef Auer (Radfeld) bei der gestern einberufenen Pressekonferenz voraus. Doch er wolle hinsichtlich des Hochwasserschutzes einige „Fakten klarstellen“ und „Schaumschlägereien“ entgegenwirken, wie er zu Beginn meinte.

„Wir sind keine Verhinderer des Hochwasserschutzes“, betonte Auer mehrmals und führte im Anschluss daran einen ganzen Katalog an Gründen an, weshalb man sich bis dato gegen den (freiwilligen) Beitritt zum Hochwasserschutzverband Unteres Unterinntal wehrt. Darin enthalten sind auch jene neun Bedingungen, zu denen sich die Gemeinde anschließen würde – die TT berichtete. Dazu müsse u. a. die Dimension der in Radfeld vorgesehenen Retentionsflächen deutlich schrumpfen, auch ein „fairer“ Finanzierungsschlüssel wird gefordert. Radfeld müsse viermal so viel Fläche zur Verfügung stellen wie Kundl. Diese Relation sei nicht gerechtfertigt. Zudem habe man nur in dem betroffenen Bereich die Möglichkeit für die Gemeinde zu wachsen. „Wir sind nicht gegen alles, aber wir sind dagegen, dass wir den schlechtesten Hochwasserschutz von allen bekommen, aber am meisten geben“, erklärt Auer. Man wisse außerdem, dass „die Bevölkerung hinter dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats vom Februar steht, dem Verband unter den aktuellen Gegebenheiten nicht beizutreten“.

Es stoße ihm sauer auf, dass Radfeld in der Debatte um die Verbandsgründung der Schwarze Peter zugeschoben wird. „Man muss aufhören zu suggerieren, dass Radfeld Wörgl retten kann.“ Auch Auer sieht die Lösung tirolweit im Ausbau von Rückhaltebecken in den Seitentälern. Zumal die Gemeinde Radfeld schon jetzt ein Grundwasserproblem habe, das sich mit der Schaffung von Retentionsflächen verschärfen würde, wie Anton Wiener, Gemeinderat und Obmann der Wassergenossenschaft Radfeld-Kundl, schilderte. Bei den tirolweiten Überschwemmungen vor knapp zwei Wochen sei dies deutlich geworden. Nicht der Inn hielt die Radfelder Feuerwehr auf Trab, sondern das Grundwasser in Form von überquellenden Kanälen. „Wir haben vier Tage lang durchgearbeitet und in 1400 Mannstunden 30 Mio. Liter Wasser ausgepumpt“, berichtet Feuerwehrkommandant Hans Peter Ostermann.

Man wäre ja bereit, Teilflächen östlich des Maukenbachs bereitzustellen, schloss Auer das Gespräch, „dann würden wir immer noch doppelt so viel Fläche hergeben wie Kundl“. (jazz)