Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Bezirk Schwaz

Anrainer in Achenkirch: „Der Lärm wird unerträglich“

Eine Wohnsiedlung im Norden der Gemeinde Achenkirch fordert einen Lärmschutz entlang der Achenseestraße. Doch die Gemeinde legt sich quer. Mandatare befürchten, dass andere Ortsteile dann auch Maßnahmen wollen.

Die Seeache wird im Norden von Achenkirch verbaut. Für die dortigen Anwohner bedeutet das ein zusätzliches Plus an Verkehrslärm.

© Eva-Maria FankhauserDie Seeache wird im Norden von Achenkirch verbaut. Für die dortigen Anwohner bedeutet das ein zusätzliches Plus an Verkehrslärm.



Von Eva-Maria Fankhauser

Achenkirch – Die Nerven liegen blank. Frühmorgens geht es los. Schon ab 4 Uhr Früh donnern die ersten Lkw über die Achenseestraße. Laut Verkehrszählungen von 2017 fahren an Spitzentagen knapp 17.000 Autos, Lkw oder Motorräder an der kleinen Wohnsiedlung im Norden der Achenkircher Gemeinde vorbei. Bis spätabends reißt der Lärm nicht ab. Bis vor zwei Jahren lag zwischen den Häusern und der Straße nicht nur die Seeache, sondern auch ein kleiner Waldgürtel. Der ist nun weg. Die Seeache wird für den Hochwasserschutz verbaut. Seither dringt durch die dreifach verglasten Scheiben nicht nur der Baulärm, sondern vor allem der Verkehrslärm.

Gegen die Verbauung an sich haben die Anrainer nichts. Teils wird die große Dimensionierung oder der Zustand der Zubringerstraße bemängelt. Aber das, was die Bewohner am meisten stört, ist eine fehlende Lärmschutzwand. „Seit der Wald und die Sträucher am Flussufer weg sind, ist es viel lauter geworden“, sagt Andreas Pockstaller. Warum man den natürlichen Lärmschutz fällen musste, kann auch Judith Van Staalduinen nicht verstehen. „Das ist hier eine regelrechte Rennstrecke für Motorradfahrer. Und die Lkw weichen hier der Maut auf der Autobahn aus“, sagt sie. Der Lärm werde immer unerträglicher. Laut Peter Schuler vom Baubezirksamt Innsbruck wären die schutzwasserbaulichen Maßnahmen ohne die vorübergehende Rodung nicht möglich gewesen. Es werden aber wieder neue Bäume und Sträucher gesetzt. „Aber da wächst ja erst nach vielen Jahren wieder etwas“, beschwert sich Manuel Angerer. Er und seine Frau wollen die Belastung durch den Lärm nicht mehr täglich aushalten müssen. Sie kämpfen für eine Lärmschutzwand.

„Wir wohnen ja nur 30 Meter von der Straße weg. Es ist so laut“, sagt Josef Pockstaller. Ein anderer Anwohner meint, dass man sich teils nicht mehr von Haus zu Haus unter Nachbarn verständigen könne – ohne laut zu schreien. Brigitte Angerer reißt es immer wieder aus dem Schlaf, „wenn um 3 oder 4 Uhr in der Früh die erste Kolonne anrollt“. Sie meint, dass der Schwerverkehr zugelegt hat. Im Vergleich zu den letzten Jahren zeigt sich bis 2017 eine leicht steigende Tendenz.

Laut Christian Molzer von der Abteilung Verkehr und Straße des Landes Tirol wurde vor Ort eine lärmtechnische Untersuchung durchgeführt. „Man könnte dort einen Lärmschutz errichten. In der Verbauung ist das bereits berücksichtig“, erklärt Molzer und sagt weiter: „Wir haben der Gemeinde eine 50/50-Finanzierung vorgeschlagen. Wir haben aber noch keine Rückmeldung erhalten.“

Doch die Gemeinde sagt Nein. „Dort kommt keine Lärmschutzwand“, stellt BM Karl Moser auf TT-Anfrage klar. Laut ihm werde die Situation dort „hochgeschaukelt“. Laut den Sitzungsprotokollen des Gemeinderates wurde im Februar 2018 über die insgesamt 340.000 € teure Lärmschutzwand diskutiert. Unter den Mandataren kam die Sorge auf, dass auch andere Bereiche dann einen Lärmschutz fordern könnten. Man verstehe zwar die Mehrbelastung der Anwohner, aber man wolle andere Maßnahmen überlegen. Passiert ist bis dato nichts. Laut BM Moser hätten andere Siedlungen den Lärmschutz notwendiger.

Aber genau das bemängeln die Achenkircher in der betroffenen Siedlung. „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen“, sagt Angerer. Ein anderer Anwohner: „Wenn eine solche Baumaßnahme im Ortskern oder im Bereich des Sees erforderlich wäre, hätte der Gemeinderat ohne zu zweifeln für eine Lärmschutzwand gestimmt.“ Aufgeben wollen sie nicht. Dafür sei der Lärm zu einer zu großen Belastung geworden.