Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 07.07.2019


Tirol

Wenn die Dosierampel auf die Grenzkontrolle trifft

Um den Verkehr im Zaum zu halten, wurden die Fahrverbote auf Landes- und Gemeindestraßen am Samstag erstmals auf die Bezirke Kufstein und Reutte ausgeweitet.

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Fritz Gurgiser • 07.07.2019 09:54
Ja, schön langsam - wie immer wenn es den Verkehr betrifft - kommen auch die letzten drauf, dass "Begrenzte Täler keinen unbegrenzten Verkehr" vertragen und daher liegt die Zukunft im "vollautomatisierten Verkehrsdosiersystem", welches derzeit nur von zwei "Funktionärsminderheiten" massiv blockiert wird: Von denen, die Massentourismus wollen und von denen, die immer noch glauben, auf der Straße gelte das Faustrecht. Die Zeiten haben sich geändert und so endet auch die vielgerühmte dümmliche "Freiheit des Personen- und Warenverkehrs" dort, wo sie für eine "Mehrheit von Bevölkerung und Regionalwirtschaft zur unerträglichen, gesetz- und rechtswidrigen Belastung wird". Wer es immer noch nicht glaubt, soll aufpassen: Nicht nur der LH kann "fuchsteufelswild" werden; wenn unser Blut zu kochen beginnt, dann heißt es überhaupt "Rien ne va plus oder chiuso a brennero". Zum Nachdenken und schönen Sonntag, Fritz Gurgiser für das Transitforum Austria-Tirol
Walter Gruber • 07.07.2019 05:57
SZ-Newsletter vom 05.07.2019 Lieber Herr Gruber, jetzt ist es also endlich passiert: Tirol hat seit einigen Wochen seine Schleichwege für alle Auswärtigen gesperrt, damit die Urlauber während ihrer Hatz gen Süden auch ja schön auf der Brennerautobahn bleiben. Nun glaube ich als Mensch sozialisiert worden zu sein, der eigentlich immer dann laut aufzuschreien hat, wenn Auswärtige ausgesperrt werden. Und sei es nur auf Verbindungen zwischen Orten, die so schöne Namen wie Rum, Hall oder Patsch tragen. Noch dazu bin ich ja selbst ein bisserl Piefke. Aber als Gelegenheitsinnsbrucker kann ich wiederum nichts gegen den kleinen Tiroler tun, der in mir seit Einführung des Autobahnzwangs heimlich die Faust ballt. Denn es ist so: Ich wohne mit meinen Lieblingsmenschen ziemlich weit oben am Hang in Innsbruck. Tatsächlich trennt unserer Haustüre von den Karwendelausläufern, die man aus städtischer Perspektive fast noch als Wildnis bezeichnen könnte, nur eine Straße. Deren Namen endet auf Gasse. Durch diese Gasse fuhren zuletzt an einem dieser Turboverkehrssamstage plötzlich sehr viele Autos. Mit deutschen Kennzeichen. Unterbrochen wurde die Autoschlange von Motorrädern. Mit deutschen und niederländischen Kennzeichen. Eigentlich ist die Gasse vor unserem Haus eine 30er-Zone. Nur haben es die Leute mit den fremden Kennzeichen alle ein wenig eilig. Das ist verständlich. Sind sie doch wegen des Staus von der Autobahn auf die Landstraße abgebogen, und weil dort auch Stau herrscht, sind sie noch ein paar weitere Male abgebogen: auf die große Stadtstraße und dann auf die kleine Stadtstraße und schließlich hinein in unsere Straße, deren Name auf Gasse endet. Wenn dann meine kleine Tochter vor die Haustüre tritt, muss ich sie an die Hand nehmen und sagen: „Vorsicht, da kommen unsere Landsleute. Das sind alles gute Formel-1-Fahrer.“ Obwohl meine Tochter noch nicht weiß, was die Formel 1 ist (das Rennen in Spielberg am vergangenen Sonntag hat übrigens nach einem spektakulären Überholmanöver der Niederländer Max Verstappen gewonnen), bleibt sie trotzdem stehen. Oder neulich. Da bin ich an einem Nicht-Samstag mit meinem Wagen durch Fritzens (noch so ein schöner Ortsname!) gefahren. An einer Stelle halbierte eine Baustelle die Straße und ein Schild untersagte allen Fahrzeugen mit mehr als 3,5 Tonnen die Durchfahrt. Trotzdem kam mir ein sehr, sehr großes Wohnmobil entgegen. Vielleicht hatte es wirklich nur 3,49 Tonnen. Doch der Witz war, dass es – ganz langsam – einen Anhänger hinter sich herzog, mit einem riesigen Boot darauf. Ich sah das Boot schon wie einen Pfropfen zwischen Baustellenbagger und Gartenzaun feststecken, dazu die Überschrift: „Boot stoppt Urlaubsverkehr“. Immerhin hatte der Wohnwagen ein belgisches Kennzeichen, was wahrscheinlich der Grund war, dass der Bagger doch noch einen Satz zur Seite machte. Nicht nur ich kann davon berichten, sondern auch Wirtin Theresia Raitmayr, die meinem Kollegen Hans Gasser im Interview von Transitfahrern erzählt: „Von denen, die nach Italien weiter wollten, blieb nicht einer stehen zum Essen. Die haben vielleicht ihr Müllsackl dagelassen, aber nichts konsumiert.“ Von diesem Wochenende an sollen nun auch in den Bezirken Kufstein und Reutte auf die Landstraße ausweichende Autofahrer auf die Autobahn zurückgeschickt werden. Deutschland und Italien wollen Österreich verklagen, die EU-Kommission will schlichten. Wenn Sie am Wochenende als Bajuware jedenfalls einen Ausflug planen, dann fahren Sie doch mit dem Zug bis Hochzirl bei Innsbruck und wandern Sie zur sehr kinderfreundlichen Magdeburger Hütte. Oder Sie nehmen das Rad bis zu Quelle der Isar. Die entspringt übrigens in Tirol und sollte speziell alle Münchner in Zeiten der Straßensperren daran erinnern, wie viel Gutes in Österreich doch auch seine Wurzeln hat. Jedenfalls werden Sie dann nicht am Brenner im Stau stehen. Schönes Wochenende! Dominik Prantl, Bergexperte der SZ-Reiseredaktion und großer Freund der familieninternen Debatte, ob die Zapfen am Waldboden wirklich Tschurtschen heißen

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