Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.07.2019


Innsbruck

Klimanotstand: Stadtseilbahn ist für Innsbruck grüne Vision

Ein Gemeinderatsbeschluss am 18. Juli wird darüber entscheiden, ob die Stadt Innsbruck den Klimawandel offiziell anerkennt. Wie „grün“ ist Innsbruck bereits und was braucht eine klimafreundliche Stadt noch?

Die Abkehr von CO2-Emissionen im öffentlichen Verkehr ist auch für Innsbruck eine Herausforderung. Eine Zukunftsvision ist die Stadtseilbahn zur guten Erreichbarkeit der Hanglagen.

© iStockDie Abkehr von CO2-Emissionen im öffentlichen Verkehr ist auch für Innsbruck eine Herausforderung. Eine Zukunftsvision ist die Stadtseilbahn zur guten Erreichbarkeit der Hanglagen.



Von Theresa Mair

Innsbruck – Die Anträge der Nationalratsmandatare von ÖVP, SPÖ, NEOS und der Liste Jetzt liegen auf dem Tisch, im Herbst soll die Regierung den nationalen Klimanotstand ausrufen. So lange will Innsbruck nicht warten. Mit einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss nächste Woche könnte die Stadt dem Beispiel Traiskirchens folgen und vorpreschen – als erste Landeshauptstadt, welche die Herausforderungen des menschengemachten Klimawandels anerkennt.

Nicht nur das. Die Antragsteller stehen mit ihrer Unterschrift dafür, „einen besonderen Fokus“ darauf zu legen, „dass im Sinne eines guten Klimas bzw. des Klimaschutzes Aktivitäten und Handlungen der Stadt Innsbruck sorgsam geprüft und nötigenfalls adaptiert werden“. So steht’s auf dem Papier. Doch welche konkreten Klimamaßnahmen sind in Innsbruck geplant? Wie sieht die klimafreundliche Stadt aus? Oder bleibt es bei einem Lippenbekenntnis, einer Beruhigungspille für die fordernden Schüler der „Fridays for Future“-Bewegung? Diese hat immerhin Druck auf die Politik gemacht und es geschafft, das Klimathema von der Wissenschaftsebene in die Gesellschaft zu holen. „Wir haben ein Problem, das müssen wir lösen“, sagt Uschi Schwarzl, Stadträtin u. a. für Umwelt und Mobilität.

Welche Umweltmaßstäbe künftig bei der Realisierung städtischer Projekte angelegt werden sollen, kann sie allerdings noch nicht konkret sagen. Der Gemeinderatsbeschluss sei eine Basis. Die Ergebnisse einer für den Herbst angestrebten Klima-Enquete würden dann zeigen, ob es sich um ein tatsächliches Bekenntnis handelt. Die Stadtpolitikerin kann sich jedenfalls eine Art „Klima-Checkliste“ vorstellen – Umweltkriterien, wonach alle Projekte wie bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung vor der Absegnung abgeklopft werden.

Einige Vorarbeit sei bereits gemacht, einiges auf dem Weg. Beim klimaschonenden Wohnbau etwa oder was z. B. Schulsanierungen betreffe, sei Innsbruck seit Jahren im „State of the Art“. Die Kläranlage in der Roßau – „Klärwerke sind eigentlich Energiefresser“ – versorge das Hallenbad O-Dorf und das „deck47“ (Lokal am Baggersee) mit Wärme. Sanierungs- und Wärmepumpenförderungen würden jährlich ausgeschöpft, was auch zur Wertschöpfung in der Region beitragen würde. „Klimaschutz und Ökonomie schließen sich nicht aus“, betont Schwarzl.

Im Baubereich prüfe zudem eine Arbeitsgruppe die Möglichkeiten von Fassadenbegrünung, weiters soll die Wärmepotenzialnutzung erhoben werden – also die Nutzung von Wasser, Sonne und Luft zur Wärmeerzeugung. „Es geht jetzt darum, Grundlagen für politisches Agieren zu schaffen. Der Beschluss soll nicht zu Placebos führen, sondern dazu, dass wir unseren Weg mit erhöhtem Tempo fortsetzen.“ Allen Parteien – mit Ausnahme der FPÖ – sei inzwischen bewusst geworden, dass sie das Thema Klimaschutz priorisieren müssten. Nun sei die Zeit reif für „mutige Schritte“.

Diese sind v. a. im Bereich Verkehr nötig. In Innsbruck setzt Schwarzl auf verkehrsbeschränkende Maßnahmen. „Wenn ich im Herbst mit den Tempo-30-Zonen in den Umweltausschuss gehe, erhoffe ich mir breite Unterstützung“, so die Stadtpolitikerin. Ebenfalls Ende des Jahres soll die Radkoordination ihren Masterplan vorstellen, wie die Innsbrucker ganzjährig auf das Fahrrad zu bekommen sind. Es gehe einmal darum, das Radwegenetz bis in die Umlandgemeinden auszubauen, damit die Bevölkerung von außerhalb leichter mit dem Fahrrad in die Stadt pendeln kann. Zum anderen müssten Faktoren wie Steigungen, Unebenheiten und Beleuchtung bedacht werden, damit das Fahrrad oder E-Bike nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter eine attraktive Alternative zum eigenen Pkw bieten kann. Was Innsbruck-Stadt selbst betrifft, werde die Kombi aus Öffi, Fahrrad und Zufußgehen bereits sehr gut angenommen. Das zeige auch der Rekord von mehr als 14.000 Ausleihungen bei den Stadträdern im Juni.

Für die Zukunft schwebt Schwarzl eine Mobilitätskarte für die Metropolregion Schwaz bis Telfs vor, die für Pendler bspw. das Switchen zwischen öffentlichem Verkehr, Fahrrad und E-Auto-Sharing beinhalten könne. Apropos E-Auto: Für die Stadt könnten Elek­troautos nur eine Übergangslösung sein. „Die CO2-Bilanz des E-Autos ist enden wollend positiv und in der Stadt geht es auch um Platz. Es geht um eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens.“ Zuguterletzt gebe es aber auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Herausforderung, die sich Dekarbonisierung nennt: „Irgendwann wird die Stadtseilbahn Thema werden“, blickt Schwarzl ganz weit in die Zukunft. Ihre Vision für ein klimafreundliches Innsbruck: autoreduzierte bzw. autofreie, smarte Stadtteile mit teils begrünten, teils mit Photovoltaik ausgestatteten Wohnhäusern. Diese verfügen über E-Ladestationen und Radgaragen.

Die Veranstaltungen sind grün und weitgehend plastikfrei. „Wichtig ist aber auch, dass die Zivilgesellschaft selber Verantwortung übernimmt. Wir können sie bei ihren Initiativen wie Repair-Cafés und Urban Gardening unterstützen.“ Bis jetzt gibt es erst einen Antrag.