Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.07.2019


Exklusiv

Neue Gesetze: Für Hund und Halter wird es ernst in Tirol

Sowohl Maulkorb- als auch Leinenpflicht sollen landesweit vereinheitlicht werden.

Die Behörden sollen für verhaltensauffällige Hunde künftig auch Schulungen oder Tierarztbesuche vorschreiben können.

© iStockphotoDie Behörden sollen für verhaltensauffällige Hunde künftig auch Schulungen oder Tierarztbesuche vorschreiben können.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Aus vielen verschiedenen Regelungen soll eine einheitliche werden: Mit einer Novelle des Landespolizeigesetzes will die Tiroler Landesregierung dem Wirrwarr bei Leinen- und Maulkorbpflicht bei Hunden Einhalt gebieten. Der entsprechende Entwurf befindet sich seit Freitag in Begutachtung.

Bisher konnte jede Gemeinde eigenständig entscheiden, ob und wann Hunde an der Leine zu führen sind oder ihnen ein Maulkorb anzulegen ist. Die Novelle sieht vor, dass in ganz Tirol dieselben Regeln gelten. Die Leinenpflicht soll demnach innerhalb geschlossener Ortschaften gelten, mit Ausnahme ausgewiesener Freilaufzonen. Ein Maulkorb soll „an öffentlichen Orten, an denen sich üblicherweise größere Menschenansammlungen bilden, jedenfalls in öffentlichen Verkehrsmitteln, Kinderbetreuungs- und Schul­einrichtungen, Spielanlagen, Einkaufszentren und bei Veranstaltungen“ vorgeschrieben sein, steht in dem Gesetzesentwurf. Ausgenommen sind kleine Hunde, die in Tragetaschen transportiert werden, oder Rettungs-, Assistenz-, Dienst- oder Jagdhunde, während sie im Einsatz sind. Außerhalb von geschlossenen Ortschaften können die Gemeinden bei Bedarf weitere Leinen- und Maulkorbzonen ausweisen.

Ausgedacht und erarbeitet wurde die Novelle im Ressort von Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP), die betont, „so viele Meinungen wie noch nie in die Entscheidungsfindung miteingebaut zu haben – sowohl von Experten, als auch Privatpersonen“.

Nicht in der Novelle zu finden, ist die Einführung so genannter „Listenhunde“, was besondere Regelungen für Tiere einer bestimmten Rasse vorsehen würde. Die Maßnahme sei laut Zoller-Frischauf zwar „intensiv diskutiert“ worden, aber „alle Experten haben davon abgeraten, da die Regelung leicht umgangen werden kann“. Prävention und Bewusstseinsbildung seien zielführender, weshalb in dem Gesetzesentwurf ein „verpflichtender Sachkundenachweis“ – auch Hundeführerschein genannt – bei erstmaliger Anschaffung eines Hundes vorgesehen ist. Die Höhe der Strafen bei Verstößen soll gleich bleiben.

Zufrieden mit dem Entwurf ist auch die Landtagsvizepräsidentin und grüne Sicherheitssprecherin Stephanie Jicha. Für sie ist es eine „vorbildliche Lösung“ für ein „polarisierendes Thema“. Besonders hervorzuheben sei die Möglichkeit, bei verhaltensauffälligen Hunden neben genereller Leinen- und Maulkorbpflicht auch Hundeschulungen oder verpflichtende Tierarztbesuche vorzusehen. Jicha: „Wichtig und richtig. Oft sind Hunde auffällig, weil sie körperliche Beschwerden, insbesondere Schmerzen, haben.“

Die Begutachtungsphase für die Novelle dauert noch bis 5. August. Im Landtag behandelt wird sie voraussichtlich erst im November.