Letztes Update am Di, 09.07.2019 06:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nationalratswahl

„Offenbar benötigt die ÖVP die AAB-Vertreter nicht mehr“

Kandidatenkür in der Tiroler Volkspartei für Nationalratswahl verschärft den Konflikt mit dem Arbeitnehmerflügel. Palfraders Vorschlag fiel durch.

Margarete Schramböck  hier beim Wandern am Sonntag mit LH Günther Platter und ÖVP-Chef Sebastian Kurz - führt die Tiroler ÖVP bei der Nationalratswahl an.

© Thomas BöhmMargarete Schramböck hier beim Wandern am Sonntag mit LH Günther Platter und ÖVP-Chef Sebastian Kurz - führt die Tiroler ÖVP bei der Nationalratswahl an.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Wie schon 2017 herrscht vor dem Start des Nationalratswahlkampfes dicke Luft in der Tiroler Volkspartei. Die Arbeitnehmerspitze im AAB mit LR Beate Palfrader und AK-Präsident Erwin Zangerl, die nie mit Kritik am Kurs der türkis-blauen Bundesregierung gespart hat, fühlt sich ausgebremst. Ihre Kandidatin Erika Landers verlor nämlich die Kampfabstimmung um das zweite Grundmandat im Wahlkreis Innsbruck-Mitte gegen die Wirtschaftsbündlerin und Nationalrätin Rebecca Kirchbaumer klar mit 19 zu 5. Für weitere Positionen (Landesliste) stand Landers nicht mehr zur Verfügung. Gleichzeitig wird Palfrader jedoch vorgeworfen, bereits zu unterscheiden, wer zum AAB gehöre und wer nicht. Das bezieht sich auf Frauenchefin Elisabeth Pfurtscheller und Behindertensprecherin Kira Grünberg.

Seit Sonntag liefen deshalb die Telefone heiß. Denn für die AAB-Kandidatin zeichnete sich keine Mehrheit ab. Vielmehr wurde unterschwellig Kritik an Landers geübt, dass sie zu sehr Zangerl nahestehe und zu wenig die türkisen Inhalte vertrete. Außerdem wird ihr vorgehalten, dass sie bereits 2017 aus Protest wegen der Listenerstellung ihre Kandidatur zurückgezogen habe.

Palfrader hielt dennoch an ihrem Personalvorschlag fest, „weil es dazu klare Beschlüsse im AAB gibt“. Mit der ÖVP-Jugendchefin und Landtagsabgeordneten Sophia Kircher wurde sogar eine Kompromissvariante ins Spiel gebracht, der selbst Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl zugestimmt hätte. Doch dazu ist es nicht gekommen. Kirchbaumer setzte sich durch, für die Landesliste zauberte die VP-Spitze mit der Rotkreuz-Geschäftsführerin in Innsbruck, Alexandra Tanda, eine neue Bewerberin für Platz drei hervor. Sollte, wovon Parteichef und LH Günther Platter ausgeht, Landesspitzenkandidatin Margarete Schramböck erneut Ministerin werden, zieht Tanda in den Nationalrat ein.

Beate Palfrader ist angesichts der Listenerstellung hingegen sauer und macht daraus keinen Hehl: „Offenbar benötigt die ÖVP die AAB-Vertreter nicht mehr. Das gibt mir schon zu denken.“ Andererseits kann sich Palfrader einen gewissen Zynismus nicht verkneifen: „Zumindest habe ich jetzt einen ruhigen Sommer vor mir.“ Im AAB wird jetzt nicht ausgeschlossen, dass Funktionäre wie 2017 ihre Kandidatur zurückziehen.

Platter will den Konflikt nicht überbewerten, die Entscheidungen seien zu akzeptieren. „Wir wollen bei der Wahl im September nicht nur ein Mandat hinzugewinnen und die 42 Prozent der EU-Wahl knacken, sondern auch das stärkste ÖVP-Bundesland werden.“ Schlussendlich können vier Wirtschaftsbündler (Margarete Schramböck, NR Rebecca Kirchbaumer, NR Josef Lettenbichler und Franz Hörl) sowie NR Hermann Gahr (Bauernbund) und NR Elisabeth Pfurtscheller (Frauen) fast fix mit einem Mandat rechnen. Grünberg soll laut Platter auf der ÖVP-Bundesliste abgesichert werden. Spannung verspricht der Wahlkampf allerdings im Unterland. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger wird nämlich zugetraut, die gesetzliche Vorzugsstimmenhürde zu überspringen und Josef Lettenbichler damit zu überholen.

ÖVP-Kandidaten

Landesliste 1. Margarete Schramböck (Wirtschaftsbund), 2. Franz Hörl (Wirtschaftsbund), 3. Alexandra Tanda (Innsbruck), 4. Matthias Scherer (Bürgermeister von Obertilliach);

Oberland

1. Elisabeth Pfurtscheller (Frauen);

Unterland

1. Josef Lettenbichler (Wirtschaftsbund), 5. Josef Hechenberger (Landwirtschaftskammerpräsident);

Innsbruck-Mitte (Innsbruck-Land und Schwaz)

1. Hermann Gahr (Bauernbund), 2. Rebecca Kirchbaumer (Wirtschaftsbund);

Innsbruck

1. Alexandra Tanda;

Osttirol

1. Matthias Scherer;