Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.07.2019


Bezirk Kitzbühel

Simmernhof in Kirchberg: Verwirrung um Abrissbescheid

Seit fast zwölf Jahren beschäftigt der Simmernhof die Gemeinde Kirchberg. Nach dem Verfall des Baubescheides muss nun der Akt neu aufgerollt werden. Doch hier scheiden sich die Geister.

Wie es mit dem alten und neuen Simmernhof in Kirchberg weitergehen soll, ist noch unklar. Die Entscheidung wurde vertagt.

© Harald AngererWie es mit dem alten und neuen Simmernhof in Kirchberg weitergehen soll, ist noch unklar. Die Entscheidung wurde vertagt.



Von Harald Angerer

Kirchberg i. T. – Es ist eine schon unendliche Geschichte. Im September 2007 wurde der Antrag für einen Neubau des Simmernhofs in Kirchberg bei der Gemeinde eingereicht. Seitdem hat sich viel getan, der neue Hof ist aber noch nicht fertiggestellt. Denn inzwischen ist der Baubescheid erloschen. Um wieder um einen neuen Baubescheid ansuchen zu können, ist erneut eine Widmung notwendig, diese hätte der Kirchberger Gemeinderat am Dienstagabend beschließen sollen. Die Betonung liegt aber auf „hätte“.

Denn beschlossen wurde nichts, sondern der Tagesordnungspunkt auf die nächste Sitzung verschoben. Der Grund dafür: Vizebürgermeister Andreas Schipflinger hat ein Rechtsgutachten des Landes Tirol gefunden, welches sagt, dass ein Abriss des alten Simmernhofs sehr wohl möglich ist. Dieser Abriss war Grundlage für den Neubau, wurde aber durch eine inzwischen durchgeführte Teilung der Grundstücke und Wechsel der Besitzverhältnisse ungültig. „Zumindest war das unsere Meinung, bis ich jetzt dieses Schreiben entdeckt habe“, sagt Vizebürgermeister Schipflinger. Deshalb habe man am Dienstagabend keine Entscheidung fassen können.

Dies zeigen auch die komplizierten neuen Besitzverhältnisse. So ist der alte Simmernhof weiterhin im Besitz des bisherigen Eigentümers, der neue Hof gehört aber der Simmern AG, die zu einem Teil auch dem Eigentümer des bestehenden Hofes gehört. Ein Aufsichtsrat dieser Simmern AG ist auch der Kufsteiner Glas-Industrielle ­Georg Riedel.

Ein weiteres Problem: Nicht nur der Baubescheid ist abgelaufen, der neue Hof wurde auch zu groß gebaut. Schipflinger spricht von zwei Dritteln zu groß, darauf will sich Bürgermeister Helmut Berger nicht festlegen: „Der Hof ist an manchen Stellen größer gebaut als dem Bescheid entsprechend.“ Dass er als Baubehörde hier zu langsam reagiert habe, lässt Berger als Kritik nicht gelten. Die Firmen hätten bestätigt, bescheidgemäß die Abschnitte durchgeführt zu haben. Man könne nicht jede Baustelle überwachen, lässt Berger wissen. Nichtsdestotrotz braucht es jetzt eine Lösung für den Simmernhof.

„Wir müssen jetzt über das Ganze abstimmen, wo keiner mehr durchblickt“, kritisiert Schipflinger. Er habe im Bauausschuss bereits seit zwölf Jahren mit dem Thema zu tun, „doch auch ich blicke nicht mehr ganz durch“, ärgert sich der Vizebürgermeister und für ihn ist klar: „Man hat aus einem kleinen Ansuchen die komplizierteste Variante gewählt, wo man am meisten herausholt.“ Er spricht damit an, dass nun statt des neuen Hofes und des Abbruchs des alten ein neuer und ein alter Hof dastehen. Man habe aus seiner Sicht die Behörden gegeneinander ausgespielt.

Auch Bürgermeister Berger dauert das Projekt schon zu lange, er betont aber, dass sich die Gemeinde und er als Baubehörde an das Gesetz halten müssen. Er habe bereits Informationen zu dem Rechtsgutachten eingeholt. „Es gehört zum alten Bauansuchen und ist mit dessen Erlöschen nicht mehr gültig“, sagt Berger. Bei der nächsten Sitzung soll es nun die vereinbarte Lösung geben. Diese sieht vor, dass der neue Hof rückgebaut werden muss. Der Wirtschaftsteil könne bestehen bleiben, der Hofteil dürfe aber nur mehr 100 m2 Wohnfläche aufweisen, da nur mehr eine Mitarbeiterwohnung notwendig ist. Das alte Gebäude solle mittels eines Bebauungsplanes im Bestand geschützt werden. „Den Hof komplett so zu erhalten, wird nicht gehen, aber wenn er erhaltenswerte ist, wird es strenge Auflagen geben“, sagt Berger.

Kritik gibt es sowohl von Berger als auch von Schipflinger an der aktuellen gesetzlichen Situation, welche solche Vorgangsweisen ermögliche. „Wenn das Schule macht, haben wir ein Problem in Tirol“, ist Schipflinger überzeugt und auch Berger sagt, dass das Gesetz hier Lücken aufweist, welche zu einer schiefen Optik führen.

Der Hofbesitzer war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.