Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.07.2019


Landespolitik

Notstand ausgerufen: Klimaschutz wird für Kufstein zur Pflicht

Als erste Tiroler Gemeinde ruft die Festungsstadt den Klimanotstand aus und verpflichtet sich zu Maßnahmen. Diese widersprechen jedoch aktuellen Bauplänen. Auch Telfs legt einen Schwerpunkt auf Klimaschutz.

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© Ferienland Kufstein



Kufstein — Paris und London haben es schon getan, das niederösterreichische Traiskirchen machte in Österreich den offiziellen Anfang, mit Innsbruck soll am 18. Juli die erste Landeshauptstadt der Alpenrepublik den Klimanotstand ausrufen. Die erste Tiroler Gemeinde wird die Großstadt dabei nicht mehr sein — am Mittwochabend machte der Kufsteiner Gemeinderat die Klimakrise per Dringlichkeitsantrag offiziell zur Angelegenheit der Festungsstadt.

Diese kommunale Selbstverpflichtung bedeutet, dass Kufstein „die Eindämmung der Klimakrise und ihrer schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität anerkennt", es sich zum Ziel setzt, bei „jeglichen Entscheidungen die Auswirkungen auf das Klima zu berücksichtigen" und jene Lösungen zu bevorzugen, „die sich positiv auf das Klima auswirken". So wurde es bei der öffentlichen Sitzung verlesen und von den Gemeinderäten einstimmig abgesegnet.

Konkret wird nun das Umweltleitbild der Stadt von 2017 um einige Punkte ergänzt, die u. a. die Vemeidung von Hitze-Inseln sowie die Erweiterung von Grünanlagen vorsehen.

Bei der anstehenden Neugestaltung des Kasernen­areals und Finalisierung der Südtiroler Siedlung sollen diese „neuen Erkenntnisse" laut BM Martin Krumschnabel einfließen. Was aber wird aus dem Stadtpark? Bekanntermaßen soll die öffentliche Grünanlage zugunsten eines veranstaltungstauglicheren Geländes künftig mehr Asphaltfläche aufweisen — oder, wie es Kritiker formulieren, „zugepflastert werden". Der Startschuss für den Neubau fällt bereits nach dem Weinfest am Wochenende.

Man habe bereits erste Abänderungen der bestehenden Planung vorgenommen, berichtet BM Martin Krumschnabel auf Nachfrage der TT. So würden nun 250 Quadratmeter mehr begrünt werden als ursprünglich angedacht. Vorgesehen sind auch zwölf neue Bäume (einer aus dem Bestand muss geopfert werden, 13 werden gepflanzt). „Wir werden die Gestaltung des Architekten jetzt nicht komplett verändern, aber mit ihm reden, ob wir vielleicht noch Platz für weitere Bäume finden", sagt der Stadtchef. Man wolle mit strengeren Blicken auf Bauvorhaben und „grüneren" Vorschreibungen eine dauernde Bewusstseinsänderung erzielen, „das wird für Einzelne lästig sein, aber man muss zu diesen Zielen stehen".

Auch im Wörgler Gemeinderat wurde der Klimaschutz bei der jüngsten Sitzung thematisiert. Dort stellten die Grünen den Antrag für eine eigene Arbeitsgruppe, die ein Maßnahmenpaket schnüren solle, das die Gemeinde dann möglichst schnell umsetzen solle.

Auch Telfs legt Schwerpunkt auf Klimaschutz

Auch Telfs, die drittgrößte Tiroler Gemeinde, setzt sich intensiv mit dem Thema Klimaschutz und Klimanotstand auseinander. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde — von allen sieben Fraktionen gemeinsam — ein Antrag eingebracht, wonach „bei allen Projekten und Beschlüssen ein Schwerpunkt auf den Klimaschutz gelegt werden muss". Konkret müsse der Klimaschutz künftig eine „essenzielle Rolle" beim Erlass von Verordnungen, bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, bei Beschaffungen, beim Wohnbau und im Verkehrsbereich spielen. Vor allem soll auch die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung in Sachen Klimawandel und dessen Folgen forciert werden. Die Marktgemeinde soll sich zudem verpflichten, „alles zu unternehmen, um in Richtung Energieautonomie zu gehen".

Der Antrag wird nun dem Umweltausschuss übergeben, dort soll ein kommunaler Maßnahmenkatalog erarbeitet werden. (jazz, md)