Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Exklusiv

Bayerische Nachbarn haben Verständnis für Tiroler Fahrverbote

Die Oberhäupter von Pfronten und Füssen sehen die Verkehrslenkungs- direktiven in Tirol – in Diskrepanz zur bayerischen Staatsspitze – positiv.

Das Grenzland Außerfern/Allgäu mit Vils (l.), Füssen (r.) und im Hintergrund Pfronten.

© Charly WinklerDas Grenzland Außerfern/Allgäu mit Vils (l.), Füssen (r.) und im Hintergrund Pfronten.



Von Helmut Mittermayr

Pfronten, Füssen – Wenn die Dosierampel auf der Fernpassstraße bei Reutte Süd mit dem Farbenspiel beginnt und sich der Verkehr ab der Ampel in Richtung Süden entflechten kann, bildet sich zeitgleich ein Rückstau von Fahrzeugen auf der Umfahrung Reutte, die aus dem Norden kommen. Der mitausgelöste Ausweichverkehr hat die Bürger von Vils über Musau, Pinswang und Pflach bis Reutte schwer genervt. Aber auch Pfronten und Füssen bleiben nicht verschont, wenn der Stau bereits auf die A7 zurückreicht und Autofahrer massenhaft nach „Auswegen“ suchen.

Die aktuellen Maßnahmen des Landes Tirol, nämlich untergeordnete Straßen für den Transitverkehr zu sperren und Durchreisende auf die Hauptverkehrsadern zu zwingen, lösten – wie berichtet – auf Seiten der bayerischen Staatsspitze harsche Reaktionen und Klagsdrohungen aus. In Berlin treffen sich LH Günther Platter und der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer Ende Juli zur Besprechung der Thematik. Während das offizielle Bayern tobt, finden die Maßnahmen im Allgäuer Grenzland Zustimmung.

Der Füssener Bürgermeister Paul Iacob gegenüber der Tiroler Tageszeitung: „Die Sperrungen und Blockabfertigungen im Land Tirol wirken sich natürlich auch auf das Füssener Land aus. Ich habe aber Verständnis für diese Maßnahme des Landes Tirol, um die Bürger vor ausuferndem Verkehr und damit auch vor vermehrtem Schadstoffausstoß zu schützen.“ Er befürwortet deshalb auch explizit die Überlegung eines Fernpass­tunnels. „Ein Tunnel wäre ein Baustein, um die Situation zu entschärfen und damit Bürger und Natur zu schonen – in Tirol und Füssen“, ist sich Iacob sicher.

Michaela Waldmann ist Bürgermeisterin in Pfronten. Die gute Nachbarschaft zum Außerfern ist der Gemeindechefin sehr wichtig. So ist Pfronten ja auch Mitglied im größten Abwasserverband des Bezirkes Reutte. „Ich sehe, wie die Tiroler Bevölkerung unter dem Transitverkehr leidet, und habe größtes Verständnis für die Maßnahmen und dass Tirols Landeshauptmann Günther Platter hier Tatsachen geschaffen hat. Der Durchzugsverkehr soll auf Straßen bleiben, die dafür gemacht sind, und nicht auf Nebenstraßen ausweichen.“ Waldmann sieht es als sehr positiv, dass hier ein Dialog auf nationaler und europäischer Ebene angestoßen ist. „Ich hoffe, dass es in Berlin nicht nur bei Gesprächen bleibt, sondern tatsächlich aufeinander abgestimmte Taten folgen werden.“

Pfronten selbst leide unter dem Durchgangs-, speziell auch dem Freizeitverkehr Richtung Tannheimer Tal. Motorrad- und Lkw-Transit seien Thema im Ort. Zudem sei Deckel Maho mit 1700 Mitarbeitern ein Frequenzbringer. Die Gesamtbelastung habe mit 10.000 Fahrzeugen am Tag die Grenze erreicht. – „Es muss etwas passieren!“ Derzeit werde ein Gutachten erstellt – eine Grundlage für mögliche Maßnahmen.