Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.07.2019


Bezirk Kufstein

In St. Leonhard müssen die Asylwerber früher gehen

Der neue Besitzer des ehemaligen Gasthofs St. Leonhard in Kundl hat Pläne für das Areal. Die TSD steigen dazu früher aus dem Pachtvertrag aus.

In dem ehemaligen Gasthof direkt an der Bundesstraße und neben der Wallfahrtskirche sind derzeit noch 40 Asylwerber untergebracht.

© HaunIn dem ehemaligen Gasthof direkt an der Bundesstraße und neben der Wallfahrtskirche sind derzeit noch 40 Asylwerber untergebracht.



Kundl — Alles hat ein Ende — oder einen Neuanfang. Und so wird auch das ehemalige Kundler Traditionsgasthaus St. Leonhard bald einem neuen Projekt weichen. Das Gebäude, in dem bis heute Asylwerber untergebracht sind, wechselte den Besitzer. Dieser soll an dieser Stelle wieder einen Großbeherbergungsbetrieb — so wie es in der Sonderflächenwidmung Gasthaus der Gemeinde vorgesehen ist — planen. Und dazu muss der Bestand weichen.

Bis die Bagger auffahren, dürfte es noch etwas dauern — aktuell wohnen noch 40 Menschen in der Unterkunft. Der Pachtvertrag mit den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) griff mit Jänner 2016 und wurde ursprünglich auf fünf Jahre abgeschlossen. „Der Vermieter hat uns aufgrund von Eigenbedarf gefragt, ob wir früher aus dem Vertrag aussteigen und ausziehen würden", erklärt Florian Stolz, Teamleiter Integration bei den TSD.

Diesem Wunsch werde man nun Folge leisten. „Wir sind momentan dabei, geeignete Plätze für die Menschen zu suchen", sagt Stolz. Der Großteil von ihnen solle demnach in Kufstein, Wörgl, Jenbach oder Reith im Alpbachtal untergebracht werden. „Priorisiert werden vor allem Familien mit schulpflichtigen Kindern und Lehrlinge mit Lehrstellen in der Region", fügt der Prokurist hinzu.

Mit dem vorgezogenen Ende der Notunterkunft dürfte man aber auch bei der Tochtergesellschaft des Landes Tirol nicht gerechnet haben: Erst vor Kurzem wurde auf dem Parkplatz des ehemaligen Gasthofs ein Kinderspielplatz errichtet.

Wie sehr sich die Situation geändert hat, zeigen die Zahlen. Vor zirka drei Jahren gab es in Kufstein 37 Einrichtungen mit insgesamt 767 Plätzen. Diese wurden in der Zwischenzeit auf acht Einrichtungen mit 273 Plätzen reduziert, in dem Mietverträge ausgelaufen sind und nicht mehr verlängert wurden oder die Vermieterin bzw. der Vermieter eine andere Verwendung für die Immobilie gefunden hat, wie das Land Tirol mitteilt. (jazz, wo)