Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.07.2019


Bezirk Kufstein

Millionen Quadratmeter im Bezirk Kufstein unbebaut

Im Bezirk gibt es 4,8 Millionen gewidmete Quadratmeter Baulandreserve. Die Liste Fritz will eine Mobilisierung und mehr Flächen für den sozialen Wohnbau. Wörgl und Kufstein sind bereits dabei, dies umzusetzen.

In Tirol fehlen günstige Wohnungen. Dafür will die Liste Fritz Baulandreserven mobilisieren.

© Thomas Boehm / TTIn Tirol fehlen günstige Wohnungen. Dafür will die Liste Fritz Baulandreserven mobilisieren.



Von Wolfgang Otter

Wörgl, Kufstein – Das Angebot an Bauland erscheint mager, wenn man sich im Bezirk Kufstein umsieht. Anders bei einem Blick auf die Statistik: 4,8 Millionen Quadratmeter gewidmetes, nicht bebautes Bauland findet sich im Bezirk Kufstein, 35 Millionen Quadratmeter sind es in Tirol, so die Zahlen der Liste Fritz. Damit, so LA Markus Sint, sei der Wohnraum für Generationen gesichert. „Aber das Bauland muss mobilisiert werden“, erklärt Sint. Also verbaut. Am besten mit geförderten Wohnungen. Das Land Tirol hat im Raumordnungsgesetz auch den Passus verankert, dass jede Gemeinde ein Mindestausmaß an Vorbehaltsflächen für den geförderten Wohnbau vorzusehen habe. Das ist für Sint eindeutig zu schwammig. Er und seine Liste Fritz wollen diese Zahl auf mindestens zehn Prozent konkretisieren. Aber wichtig sei eben die Mobilisierung. Dazu sollten die Gemeinden die Raumordnung als Instrument verwenden und Vorbehaltsflächen auf dem gewidmeten Bauland ausweisen, dann müsste der Grundbesitzer reagieren, „weil ansonsten die Widmung nach zehn Jahren verfällt“. Eines steht für Sint aber fest: Er ist ein Freund des langsamen Wachstums, also müsse diese Mobilisierung über die Jahre hinweg geschehen.

In Wörgl würde die Zehn- Prozent-Quote bedeuten, dass rund 58.000 Qudratmeter für geförderten Wohnbau festgeschrieben werden. Immerhin können in Wörgl mit knapp 14.000 Einwohnern noch gewidmete 580.000 Quadrameter verbaut werden. Was das für die Einwohnerzahlen bedeutet, liegt auf der Hand – sie würden steil ansteigen. Zugleich müsste die Infrastruktur mit ausgebaut werden.

„Ja, wir haben einen Baulandüberhang“, sagt Bürgermeisterin Hedi Wechner. Der ginge auf den Flächenwidmungsplan von 1978 zurück. Zwar wurde und wird der Überhang weiterhin eingeschränkt. „Aber Forderungen sind rasch aufgestellt, die Umsetzung in der Praxis schaut dann oft anders aus“, sagt sie auf Anfrage der TT.

„Das Bauland ist vorhanden, aber es muss mobilisiert werden.“
Markus Sint 
(Liste Fritz )
„Das Bauland ist vorhanden, aber es muss mobilisiert werden.“ Markus Sint 
(Liste Fritz )
- Foto TT / Rudy De Moor

Die Stadt Wörgl sei bereits dabei, mittels raumordnerischer Möglichkeiten wie Zeitzonen die Verbauung zu steuern und Flächen für den geförderten Wohnbau auszuweisen. Angesichts der Einwohnerzahlen habe man die finanzielle Herausforderung, Infrastruktur für mehr Personen vorzuhalten, als man Mittel bekomme, spricht Wechner die Bundesabgaben­ertragsanteile an.

In Kufstein stößt man mit dem Vorstoß für geförderten Wohnbau offene Türen auf. „Wir sind dabei, es umzusetzen. Es muss auch jetzt geschehen, weil wir noch Bauland haben“, sagt Bürgermeister Martin Krumschnabel. So versuche die Stadt, über die Vertragsraumordnung entsprechende Flächen zu sichern. „Und natürlich entstehen in der Südtiroler Siedlung noch bis zu 200 geförderte Wohnungen mehr“, verweist Krumschnabel auf das große Projekt der neuen Heimat Tirol (NHT).

Baulandreserven im Bezirk Kufstein

Im Bezirk Kufstein haben eine von 30 Gemeinden (Wörgl) mehr als 500.000 m2 Baulandreser- ven; 4 von 30 Gemeinden (13 %) zwischen 400.000—300.000 m2 Baulandreserven; 3 von 30 Gemeinden (10 %) zwischen 300.000—200.000 m2 Baulandreserven; 8 von 30 Gemeinden (27 %) zwischen 200.000—100.000 m2 Baulandreserven; 16 von 30 Gemeinden (53 %) mehr als 100.000 m2 Baulandreserven; 9 von 30 Gemeinden (30 %) zwischen 100.000— 50.000 m2 Baulandreserven; 5 von 30 Gemeinden (17 %) weniger als 50.000 m2 Baulandreserven.

Die 16 Gemeinden im Bezirk Kufstein mit den größten Baulandreserven: 1. Wörgl: 583.000 m2; 2. Kufstein: 388.000 m2; 3. Kramsach: 369.000 m2; 4. Kirchbichl: 367.000 m2; 5. Kundl: 351.000 m2; 6. Breitenbach: 258.000 m2; 7. Wildschönau: 214.000 m2; 8. Langkampfen: 209.000 m2; 9. Walchsee: 186.000 m2; 10. Ebbs: 167.000 m2; 11. Söll: 162.000 m2; 12. Ellmau: 157.000 m2; 13. Radfeld: 150.000 m2; 14. Angerberg: 141.000 m2; 15. Niederndorf: 122.000 m2; 16. Bad Häring: 118.000 m2.

Am meisten Baulandreserven hat die Landeshauptstadt Innsbruck mit 1,180.000 m2, an zweiter Stelle ist Reutte mit 617.000 m2, gefolgt von Telfs mit 615.631 m2, Imst mit 608.646 m2 und Wörgl mit 583.000 m2.