Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.07.2019


Bezirk Schwaz

Baulandreserven im Bezirk Schwaz werden angegangen

Laut Liste Fritz gibt es im Bezirk Schwaz rund 4,6 Mio. m² gewidmeten, unbebauten Grund.

Markus Sint von der Liste Fritz gibt sich kämpferisch.

© FankhauserMarkus Sint von der Liste Fritz gibt sich kämpferisch.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Markus Sint von der Liste Fritz kann nur den Kopf schütteln. Ihm sei zwar bewusst, dass Grund und Boden in Tirol begrenzt sind, aber die Baulandreserven würden eine andere Sprache sprechen. „Im Bezirk Schwaz gibt es 4,6 Mio. m² gewidmetes, nicht bebautes Bauland“, sagt Sint.

Die Liste Fritz habe über das Tiroler Raumordnungssystem jene Flächen herausgefiltert, die als Baulandreserven vermerkt sind. Insgesamt sind das laut Sint rund 36 Mio. m² in Tirol. „Das würde Platz für zusätzlich rund 360.000 Einwohner ohne verdichtete Bauweise bedeuten“, sagt er. Innsbruck ist mit knapp 1,2 Mio. m² Spitzenreiter. Die Stadt Schwaz liegt auf Platz 8 mit 442.263 m². Im Bezirksranking liegt Jenbach (320.000 m²) auf Platz zwei, vor Fügen (288.000 m²) und Vomp (270.000 m²). Am wenigsten gewidmete Baulandreserven gibt es in Gerlosberg mit 9500 m².

Um nicht neue Flächen widmen zu müssen, fordert die Liste Fritz, diese Baulandreserven zu mobilisieren. Wie das geht? Laut Sint über die im Tiroler Raumordnungsgesetz festgeschriebenen Vorbehaltsflächen für den geförderten Wohnbau. „Darin ist die Rede von einem Mindestmaß in allen Gemeinden. Aber wir fordern, dass dieses Mindestmaß zahlenmäßig festgelegt wird. Sonst kann das jeder auslegen, wie er will, halt mehr als null“, sagt Sint und denkt an zehn Prozent der jeweiligen Baulandreserven in einer Gemeinde.

Vorbehaltsflächen für den geförderten Wohnbau können erst ab einer Grundstücksgröße von mehr als 1500 m² abgezwackt werden. „Das heißt, jemand mit einem 3000 m² großen Grund könnte 1500 m² um den ortsüblichen Preis wie etwa 700 € verkaufen und den Rest für etwa 350 €“, erklärt Sint. Eine Maßnahme, die keine kalte Enteignung sei, sondern Bauland mobilisiere. Die Raumordnung sieht vor, dass die Gemeinde dafür zuerst die eigenen Gemeindeflächen, jene des Bodenfonds und Gründe gemeinnütziger Wohnbauträger heranziehen muss, bevor auf private Gründe zugegriffen werden darf.

Dass es so viele Baulandreserven gebe, liege laut Sint am enorm gestiegenen Wert von Grund und Boden. Dass vielen das Geld fehle zum Hausbauen, kann Sint verstehen. Aber für ihn sei diese raumordnerische Maßnahme ein Weg, um Wohnen leistbarer zu machen. Die Vorbehaltsflächen müsse man maßvoll und in kleinen Einheiten umsetzen, angepasst an die Infrastruktur der Gemeinden. „Noch dazu liegen viele Baulandreserven im Ortszentrum, also ideal.“