Letztes Update am Do, 18.07.2019 21:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sondergemeinderat in Innsbruck

Neubau Patscherkofel: Viele Zünder für Kostenexplosion

Umplanungen, mangelnde Vorbereitung, fehlende Dokumentation und Zeitdruck – eines ums andere führte zu der Kostenüberschreitung beim Kofel.

Die Mehrkosten beim Neubau der Patscherkofelbahn beschäftigen die Politik seit Monaten.

© KristenDie Mehrkosten beim Neubau der Patscherkofelbahn beschäftigen die Politik seit Monaten.



Von Denise Daum

Die Prüfer mussten beim Sondergemeinderat unzählige Fragen des Gemeinderats beantworten.
Die Prüfer mussten beim Sondergemeinderat unzählige Fragen des Gemeinderats beantworten.
- Foto TT/Rudy De Moor

Innsbruck – Von früh am Morgen bis spät in den Nachmittag hinein dauert die Fragestunde im Innsbrucker Sondergemeinderat zu den Mehrkosten beim Neubau der Patscherkofelbahn. Besonders gefragt sind der Autor des externen Prüfberichts Herbert Schöpf, der Kontrollamtsleiter Hans Fankhauser und die Geschäftsführer der Patscherkofelbahn Thomas Scheiber und Martin Baltes.

Kontrollamtschef Hans Fankhauser legte einen Prüfbericht vor.
Kontrollamtschef Hans Fankhauser legte einen Prüfbericht vor.
- Foto TT/Rudy De Moor

1 Patscherkofel-Kauf: Bürgermeister Georg Willi stellt dem Kontrollamtsleiter eine Frage, die sich wohl viele stellen. „Die alte Bahn war verlustträchtig und überschuldet. Die Stadt kauft diese verlustträchtige Bahn um 10,7 Millionen Euro, bricht diese dann ab und baut etwas Neues. Ich würde sagen, da ist Geld rausgeschmissen worden. Wie ist das zu erklären?“ Fankhauser zufolge lässt sich der Kaufpreis nur so erklären: „Hätte man den nicht bezahlt, hätte man politisch kein neues Projekt umsetzen können. Mit Wirtschaftlichkeit ist das nicht zu erklären.“

2 Architekturwettbewerb: Herbert Schöpf zeigt die Diskrepanz zwischen dem Siegerprojekt und der Ausschreibung auf. So sei ursprünglich kein Neubau der Talstation vorgesehen gewesen, sondern ein Zu- und Umbau. „Wenn ein Architekt trotzdem einen Neubau präsentiert und der Auftraggeber ändert seine Meinung und findet das dann doch gescheit, muss er den Wettbewerb widerrufen und neu ausführen“, betont Schöpf.

3 Bauphase: Martin Balte­s informiert, dass es aufgrund diverser Vorkommnisse (beispielsweise Müll­fund) zur Umorganisation der Baustelle gekommen sei. „Es gab nicht die Möglichkeit, die Baustelle zu stoppen und nachzudenken, wie wir weitertun.“ In dem Moment sei einfach von allen versucht worden, den Bau voranzutreiben. Die Information dazu erhielt die Montagsrunde.

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Auch Herbert Schöpf wurde zu seinem Prüfbericht befragt.
Auch Herbert Schöpf wurde zu seinem Prüfbericht befragt.
- Foto TT/Rudy De Moor

4 Montagsrunde: Eine der Hauptfragen rund um den Kofelbau ist, wer wann was wusste. Der Informationsaustausch während der Bauphase erfolgte in der so genannten „Montagsrund­e“. Über Kostenüberschreitungen soll da aber nicht gesprochen worden sein. Thoma­s Scheiber zufolge haben dara­n die Stadträte, teilweise die Klubobleute der Regierungsparteien und fallweise Experten teilgenommen. Der Inhalt: „Sabotageakte, Müll­fund, Baufortschritt, aber keine konkreten Zahlen“, sagt Vizebürgermeisterin Christin­e Oppitz-Plörer. „Wir haben über Entwicklungen, Verzögerungen, Forcierungsmaßnahmen informiert, aber sicher keine Wasserstandsmeldung gemacht. Plan-Ist-Vergleiche wurden nicht immer vorgelegt“, sagt Baltes. Als Grund dafür, warum das nicht passierte, erklärt der Geschäftsführer, dass keine Rechnungen vorlagen.

5 Mangelhafte Dokumentation: Die Dokumentation während eines Baus sei ein absolutes Muss, sagt Schöpf. Diese habe es allerdings nicht gegeben. „Mangels Dokumentation kann man nicht sagen, ob die Mehrkostenforderung gerechtfertigt ist oder nicht. Wäre eine ordentliche Dokumentation erfolgt, hätte man rechtzeitig Projektsteuerungsmaßnahmen ergreifen können. Die Projektdokumentation ist das A und O zur Vermeidung von Mehrkostenforderungen“, betont Schöpf und stellt klar: „Bei richtiger Dokumentation wäre es günstiger geworden.“

6 Zeitdruck: Für Schöpf liegt auf der Hand, dass Planung und Vorbereitung des Projekts mangelhaft waren: „Sonst wäre nicht passiert, was passiert ist.“ Bereits beim Baustart sei man mit dem Planungsstand im Verzug gewesen. Bei guter Vorbereitung und normalem Bauablauf wäre der Eröffnungstermin im Dezember kein Problem gewesen. „Es ist anerkannt, dass Projektvorbereitung wesentlich ist.“

Patscherkofel-Geschäftsführer Thomas Scheiber erklärt, dass eine Streckung der Planungsphase sicherlich zu mehr Sicherheit geführt hätte. „Ob es zu weniger Kosten geführt hätte, weiß ich nicht“, sagt er.

Kurz zitiert

„Ich habe alles versucht, was ich machen konnte, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Es ist nicht ausgestritten, was wir noch bezahlen müssen. Rund drei Millionen Euro sind noch offen.“

Georg Willi (BM)

„Das hier ist jetzt aber kein Tribunal.“

Christine Oppitz-Plörer (Vize-BM)

„Ohne genaue Dokumentation ist man im Nirwana.“

Herbert Schöpf (Autor Prüfbericht)

„Der Schöpf-Bericht liefert vernichtende Resultate: Das Projekt wurde nicht sparsam und nicht ordnungsgemäß abgewickelt.“

Mesut Onay (Kontrollausschuss)

„Wir wollten nicht sagen, dass es teurer wird, ohne zu wissen, um wie viel genau.“

Thomas Scheiber (Patscherkofel-GF)

„Ein Gutachten zur Bewertung des Unternehmens, das die Stadt kaufen wollte, ist nicht mehr auffindbar.“

Hans Fankhauser (Kontrollamtsleiter)