Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.07.2019


Tirol

Freizeitwohnsitze bringen Westendorf in Bredouille

In der Unterländer Gemeinde scheinen 620 gemeldete Freizeitwohnsitze auf, damit ist die Obergrenze bereits deutlich überschritten. Seit Wochen brodelt es jedoch intern.

In Westendorf sorgen derzeit offenbar nicht behandelte Verfahren über Freizeitwohnsitze für Aufregung.

© AngererIn Westendorf sorgen derzeit offenbar nicht behandelte Verfahren über Freizeitwohnsitze für Aufregung.



Westendorf, Innsbruck – Es ist ein heikles Thema, weil es seit Jahrzehnten eines der zentralen Spannungsfelder in der Tiroler Bodenpolitik darstellt: die Freizeitwohnsitze. Bereits mit der Raumordnungs- und Grundverkehrsnovelle 1994 sollten die Freizeitwohnsitze zurückgedrängt werden. Seither gilt die so genannte Acht-Prozent-Grenze. In Gemeinden, wo es bereits mehr als acht Prozent Freizeitwohnsitze gibt, dürfen keine mehr genehmigt werden. Gesetze sind jedoch geduldig, die Zahl der illegalen Freizeitwohnsitze wird deshalb in Tirol auf rund 10.000 geschätzt.

Laut jüngster Statistik existieren in Tirol 16.218 erlaubte Freizeitwohnsitze, seit 2017 kamen 24 hinzu. Erstmals mussten sie 1994 angemeldet werden. Als Freizeitwohnsitze dürfen in Tirol nur noch Wohnsitze verwendet werden, die damals „nach den raumordnungsrechtlichen Vorschriften rechtmäßig als Freizeitwohnsitze verwendet worden sind oder bei denen sich der Verwendungszweck als Freizeitwohnsitz auf Grund der Baubewilligung ergibt“.

In der Unterländer Gemeinde Westendorf scheinen 620 gemeldete Freizeitwohnsitze in der offiziellen Landesstatistik auf, mit knapp 26 Prozent wird die Obergrenze bereits deutlich überschritten. Seit Wochen brodelt es jedoch intern. Offenbar wurde das Land Tirol bereits davon in Kenntnis gesetzt, dass es in der Vergangenheit große Probleme mit Verfahren zur Feststellung von Freizeitwohnsitzen gegeben habe. Dem Vernehmen nach sollen diese auf die lange Bank geschoben worden sein. Und das schon seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Gegenüber der Tiroler Tageszeitung wollte die Westendorfer Bürgermeisterin Annamarie Plieseis dazu nichts sagen und verwies darauf, dass dies eine interne Angelegenheit sei. Diese „interne Angelegenheit“ könnte sich jedoch als raumordnerische Bombe erweisen, schließlich sollen seit 1995 rund 50 bis 100 Verfahren auf Feststellung von Freizeitwohnsitzen in Westendorf nicht abgeschlossen worden sein. Auf konkrete Fragen dazu wollte Plieseis nicht eingehen.

Rechtlich dürfte das alles gar nicht so einfach sein, weshalb die Situation wohl als ziemlich heikel eingestuft wird. Jetzt wird intensiv um eine Lösung gerungen. (pn)