Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.07.2019


Exklusiv

Studie zu Herdenschutz auf Almen in Auftrag gegeben

Geprüft werden sollen die Kosten diverser Maßnahmen und deren Einfluss auf die touristische Nutzung. Ergebnisse sollen Anfang 2020 vorliegen.

Bei Tirols Bauern geht die Angst vor Wolf und Bär um, nachdem mindestens zwei Dutzend Schafe gerissen wurden. Ob Zäune oder Hirtenhunde die Gefahr bannen können und wie viel solche Initiativen kosten würden, lässt das Land Tirol jetzt prüfen.

© Land Tirol/BergerBei Tirols Bauern geht die Angst vor Wolf und Bär um, nachdem mindestens zwei Dutzend Schafe gerissen wurden. Ob Zäune oder Hirtenhunde die Gefahr bannen können und wie viel solche Initiativen kosten würden, lässt das Land Tirol jetzt prüfen.



Innsbruck – Mitten im Rekord-Sommer hat sich das Thema um die Rückkehr der großen Beutegreifer hierzulande in der vergangenen Tagen gehörig erhitzt. Nicht erst seitdem ein DNA-Test zweifelsfrei bestätigen konnte, dass ein Wolf und ein Bär im Pitztal, in Oberperfuss und im Außerfern, wie berichtet, für zahlreiche Risse verantwortlich sind. Doch wie umgehen mit der neuen Situation?

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Die vor einem Jahr von der Tiroler Landesregierung eingerichtete Steuerungsgruppe für Herdenschutz und große Beutegreifer hat eine Studie in Auftrag gegeben, um verschiedene Möglichkeiten des Herdenschutzes auf den heimischen Almen auszuleuchten. Das Schweizer Institut Agridea soll mehrere Maßnahmen darauf prüfen, ob sie sinnvoll sind und inwiefern sie sich umsetzen lassen. Außerdem werden die Kostenfrage und eventuelle Einflüsse der Konzepte auf die touristische Nutzung hin untersucht werden.

Da sich Erfahrungen mit dem Herdenschutz aus anderen Regionen nicht eins zu eins auf Tirol ummünzen ließen, habe man sich zur Durchführung der Studie entschieden, teilte das Land gestern mit. Ergebnisse werden Anfang des kommenden Jahres vorliegen. Vier Almen mit unterschiedlichen Voraussetzungen wurden dafür ausgewählt.

„Drei Almen sind für die Schafhaltung typische Hochalmen über 2000 Metern“, erklärt Klaus Wallnöfer, Vorsitzender der Steuerungsgruppe Herdenschutz und Vorstand der Abteilung landwirtschaftliches Schulwesen, Jagd und Fischerei. „Darunter sind unterschiedlich große Almen mit kleineren und größeren Schafherden, touristisch wenig bis stark genutzte Almen und Almen mit und ohne Hirten.“ Eine der untersuchten Almen befinde sich in mittlerer Höhenlage, deren überschaubares Gebiet bereits umzäunt sei. Laut Wallnöfer sind weitläufige Almgebiete mit hochalpiner Topographie, inhomogene Tierherden unterschiedlicher Größe und eine teils starke Nutzung der Regionen durch Wanderer und Mountainbiker Themen, die beleuchtet werden sollen.

Für den zuständigen Landesrat Josef Geisler (ÖVP) sei es eine Tatsache, dass „große Beutegreifer wie Wolf und Bär ein veritables Problem für die Almwirtschaft darstellen“. Ebenso sei aber Fakt, dass die Tiere dem höchsten EU-Schutzstatus unterliegen und nur unter gewissen Voraussetzungen entnommen, sprich getötet, werden können – auch in Tirol. Geisler: „Wir wollen vorbereitet sein. Mit der Studie sollen gesicherte Grundlagen erarbeitet und belastbare Aussagen getroffen werden, ob, wo und wie Herdenschutz möglich ist.“

Tirols Beauftragter für große Beutegreifer, Martin Janovsky, befindet, dass großflächiger Herdenschutz im Land derzeit keinen Sinn machen würde: „Wir haben es derzeit in Tirol mit einzelnen durchziehenden Wölfen oder Bären zu tun. Die Maßnahmen sind vor allem dann angezeigt, wenn es eine dauerhafte Präsenz, etwa ein Wolfsrudel, gibt.“

Mit einer gewissen Portion Skepsis kommentiert der Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer, Josef Hechenberger, die in Auftrag gegebene Studie. Er sei gespannt, zu welchem Schluss die Schweizer Experten kommen. „Herdenschutz ist schon in Gunstlagen ein schwieriges Thema. In Tirol verkomplizieren Topografie, kleinstrukturierte Landwirtschaft sowie eine intensive touristische und freizeitwirtschaftliche Nutzung dieses Unterfangen“, sagt Hechenberger. Ein Vergleich mit anderen Ländern hinke deshalb. „Ich persönlich denke nicht, dass Zäune oder Hunde ihre Wirkung tun bzw. bei uns einsetzbar sind.“ (bfk)




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