Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.08.2019


Exklusiv

Die Ärzte der Flugrettung kommen nun auch in der Nacht

Gestern hat das neue „Boden-Luft“-System im Iseltal auch in der Nacht seinen Dienst aufgenommen. Vieles bleibt weiter unklar.

Seit gestern dürfen die Flugrettungsärzte von Martin 4 im Iseltal am Boden Dienst tun. Ein in Matrei stationierter Gemeindenotfallsanitäter holt die Mediziner in ihrer Unterkunft ab und fährt sie zum Einsatzort.

© Brunner Images | Christian WaldeSeit gestern dürfen die Flugrettungsärzte von Martin 4 im Iseltal am Boden Dienst tun. Ein in Matrei stationierter Gemeindenotfallsanitäter holt die Mediziner in ihrer Unterkunft ab und fährt sie zum Einsatzort.



Von Christoph Blassnig

Matrei i. O. – Gestern fand in Innsbruck der Krisengipfel, offiziell eine Besprechung auf Beamtenebene, zum neuen „Boden-Luft“-Notarztsystem im Iseltal statt. Wie berichtet, hätten bereits seit 1. Juli die Notärzte des in Matrei stationierten Knaus-Hubschraubers Martin 4 außerhalb der Flugzeiten in den bodengebundenen Dienst wechseln sollen. Bürgermeister Andreas Köll sieht dafür inzwischen alle Voraussetzungen erfüllt: „Das habe ich in der Besprechung auch deutlich gemacht.“ Über deren Verlauf sowie die teilnehmenden Personen sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärte Köll gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Mit dem gestrigen 1. August ging das System nach einmonatiger Verzögerung endgültig in Betrieb. Die Situation in den letzten Wochen sei nicht einfach gewesen, das gesteht auch Köll ein.

„Es waren herausfordernde aber konstruktive Gespräche“, wurde Herbert Walter, Leiter des Katastrophenschutzes, später in einer Aussendung zitiert: „Durch den Eintritt in den Vertrag über die Einrichtung eines notärztlichen Bereitschaftsdienstes für den Bereich Iseltal ergibt sich ab heute die Möglichkeit, einen großen Pool an zusätzlichen Notärztinnen und Notärzten zu nutzen, die in der Flugrettung in der Region bereits tätig sind.“ Ab sofort können diese für bodengebundene Einsätze alarmiert werden. „Das gewohnte Versorgungsniveau für die Iseltaler Bevölkerung wird damit aufrechterhalten. Das ist uns ein wesentliches Anliegen“, teilte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg mit. Die Notärzte gelangen gemeinsam mit dem in Matrei stationierten Gemeindenotfallsanitäter in einem Fahrzeug des Roten Kreuzes zum Einsatzort.

Nach den bisher über den Verein Notarztverband Osttirol zur Verfügung stehenden Ärzten Anton Huber und Torsten Ruf hat am Mittwoch auch die letzte niedergelassene Medizinerin Cornelia Trojer ihren Vertrag über die Notarzt-Bereitschaftsdienste in den Nächten von Montag bis Freitag gekündigt. „Entgegen anders lautender Übereinkommen sind mit mir keine neuen Vertragsbedingungen mehr ausgehandelt worden.“ In der letzten Woche sei sie zu mehreren Einsätzen gefahren, obwohl sie offiziell gar nicht im Dienst stand. „Es geht nicht um Geld. Im rechtsfreien Raum kann man nicht arbeiten. Das darf niemand verlangen.“ Diese Nachtdienste basieren auf der Freiwilligkeit der niedergelassenen Ärzte, denen man laut ihren Aussagen Idealismus und Motivation genommen habe.

Das Flugunternehmen Knaus stationiert seinen Hubschrauber weiterhin nicht ganzjährig in Matrei, sondern nur in der Sommer- sowie in der Wintersaison. Für insgesamt vier Monate im Jahr wäre also kein Knaus-Notarzt in Matrei. In dieser Zeit hätte nach den Plänen des Matreier Bürgermeisters wieder Cornelia Trojer einspringen sollen. Diese winkt auch hier ab: „Ich wurde in den letzten Wochen und Monaten massiv unter Druck gesetzt, sogar bedroht.“ Auch über dieses Detail will Köll nun mit dem Flugunternehmer Roy Knaus verhandeln.

Patienten müssen für Interhospitalflüge zahlen

Mit dem gestrigen Tag ist eine Neuerung am Bezirkskrankenhaus Lienz in Kraft getreten. In den Aufnahmeerklärungen, die alle Patienten abgeben müssen, ist seit 1. August ein Passus enthalten, dass die Kosten für allfällig notwendige Hubschrauber­überstellungen zu übergeordneten Spitälern, die nicht durch Versicherungen gedeckt sind, vom BKH vorfinanziert, in späterer Folge aber mit dem Patienten abgerechnet werden. Andreas Köll, Obmann des Gemeindeverbandes, rechtfertigt diese Entscheidung mit einem einstimmigen Beschluss aller Bürgermeister Osttirols, dass man diese Kosten nicht zu tragen imstande sei. Von rund 48.000 Patienten pro Jahr betreffe diese Regelung etwa 100 Fälle. Man habe beim Land um Refundierung angesucht. (bcp)